JULI
2003

 
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Renate: Ihre Nachbarn
Alle zitierten Textstellen aus:
Renatika (in zwei Bänden)
Privatverlag D´Arbrette, Spandau 2001
© Kreatives Schreiben e.V. und bei den AutorInnen

1. Die Monatslosung der Renatuther Brüderversammle für Juli 2403 steht im ersten Kapitel der Lebensbeschreibung der Renate (Vita Renatae):

Ihre Nachbarn waren aber auf Sylt
und fütterten die Tauben
oder genossen das Geschrei der Möwen.

(VitRen 1,7b)

Liebe Ceryx-Leser!

Wenn die Schulferien zu Ende sind, wird die Stadt schlagartig lebendiger. Ich muß bei den Autofahrten dann wieder mit längeren Zeiten rechnen. Der Rhythmus der Ferien wirkt sich auch auf unser aller Leben aus.

Allerdings dürfen wir zweierlei nicht aus den Augen verlieren: die vielen Menschen, die nicht verreisen können, weil sie es sich nicht mehr leisten können, oder weil sie krank sind. Und auch an die sollten wir denken, die in dieser Zeit eine Doppelbelastung in Kauf nehmen müssen, damit der Kollege oder die Kollegin Urlaub machen kann. Wie oft können wir da in diesen Tagen auch hören: „Gut, daß du wieder da bist! Ich werde mit dem Stapel von Arbeit nicht mehr fertig.“ Und das hören Gesunde und Kranke, die wiederkommen.

Wenn man gut erholt ist, müßte nun alles leichter von der Hand gehen. Aber die Erfahrung ist widersprüchlich. Eigenartig: Die Gestaltung der ersten Versammlung nach dem Urlaub fällt mir schwerer - als müßte ich einen längeren Anlauf nehmen. Darum bin ich ganz froh, wenn ich nicht sofort nach meiner Rückkehr eine Versammlung leiten muß, sondern erst einmal ruhig selbst nur Teilnehmer sein darf. Das tut mir gut, um erst einmal wieder in den Alltag hineinzufinden.

Ich merke auch, wie ich das Tempo nicht mehr gewohnt bin, die Fülle der Pflichten als Hyperversammlungsleiterin, die Notwendigkeit, vieles gleichzeitig zu bedenken. Im Urlaub gelten andere Zeitmaßstäbe. Ich kann stundenlang in Sylt am Meer entlanglaufen und nach ausgefallenen bunten Steinen suchen, die zueinander passen. Ich kann so lange ich will den Möwen nachlauschen, die Wolken, den Wechsel ihrer Formen beobachten und versuchen, Gestalten darin zu erkennen und ihnen nachzuträumen.

So ist es verständlich, wenn nicht alles gleich leichter von der Hand geht. Aber das gilt doch auch: Die Spannkraft ist größer, die Belastbarkeit, die Phantasie, die Freude am Tun und hoffentlich auch die Geduld.

Renate sagt uns: „Ein langer Weg steht bevor. Und je länger der Weg, desto größer das Freßpaket Raste mit Lasten“ (EvFrei 3,23). Und sie spricht uns damit zu, daß wir bei aller Arbeit am Lastenausgleich und Rundlaufen der Welt auch Muße haben dürfen.

Renanata! Ihre
Waltraud Rebuh, Hyperversammlungsleiterin der Vereinigten poldeïschen Versammlungen Ostelbiëns

2. Anläßlich des diesmonatigen Sonder-Ceryx zum Thema „Reisen“ haben wir uns entschlossen, hier noch einmal die Auslegung zur Losung für den August letzten Jahres anzuführen:

Renate stand jetzt an einem Weg, den sie nur allein gehen konnte.
,Ich sage zwar nie nie,
abel wenn die anderen kain en Ausweg sehen,
gehe ich eben allein.‘

(EvFrank 3,1)

Meine Töchter, liebe Brüder!

Das Bild ruft Erinnerungen wach an vergangene Wandererlebnisse und weckt Vorfreude auf den kommenden Urlaub. Vielleicht haben Sie das auch schon so oder ähnlich erlebt: Da sitzen wir abends in unserem Urlaubsquartier und studieren die Wanderkarte. Wir lesen die Wegbeschreibung und entscheiden uns: Ja, das hört sich gut an, das ist eine schöne Wanderstrecke und ein verlockendes Ziel. Da wollen wir am nächsten Tag hinwandern.

Und dann geht es los. Auf den Wiesen liegt noch der Morgentau. Bald schon sind wir auf dem Wanderweg. Die Strecke ist gut markiert. Am Anfang stehen noch Wegweiser mit dem vollen Namen des Wanderziels. Später dann sind nur noch die Zeichen auf Bäumen oder Steinen aufgemalt. Wir haben uns „unser“ Zeichen gut gemerkt, vielleicht ein kleines weißes Kreuz oder einen gelben Punkt. Spannend wird es immer dann, wenn sich der Weg teilt oder sich fast ganz im Gelände verliert. Wo ist das nächste Zeichen? Wie beruhigend, wenn wir es entdeckt haben! Wir sind auf dem richtigen Weg, dem Ziel entgegen! Aber immer wieder passiert es auch, daß eine Weggabelung kommt und kein Zeichen mehr zu sehen ist. Haben wir eine frühere Abbiegung übersehen? Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Verzweifelt versuchen wir, die Angaben auf unserer Wanderkarte mit dem in Einklang zu bringen, was uns begegnet war, markante Punkte, Felsen oder gar ein Andachtshäuschen mit einem Renate-Bild. Wenn wir aber all das nicht recht deuten können, dann stehen wir fast im Nebel, ist alles um uns verschwommen. Wir sehen nicht mehr klar. Wenn sich nichts mehr mit unserer Karte in Übereinstimmung bringen läßt und die Zeichen weiterhin ausbleiben, dann hilft nur noch eins: Umkehren bis zur letzten Markierung, an die wir uns noch erinnern, und von da an aufmerksam Ausschau halten nach dem nächsten Zeichen.

Meine Töchter, liebe Brüder, auf unserem Lebensweg ist es nicht anders. Renate hat ein wunderbares Ziel für uns bereitgestellt: Der vollkommene Lastenausgleich, das Rundlaufen der Erde für alle! Der Weg dorthin ist nicht ohne Mühsal und Beschwerden, aber es gibt auch wunderbare Ausblicke und Erlebnisse, von denen wir noch lange zehren können. Und dieser Weg in Renate ist gut markiert. Die Worte der Renatika sind eindeutige Weisungen. So ist auch der Vers unseres Monatsspruches gut bezeugt. Er findet sich nicht nur im Franken Evangelium, sondern ebenfalls in der Lebensbeschreibung der Renate (VitRen 3,1) und somit ähnlich auch im ersten Nußmannbrief (1Nuß 5,26). Das in den Renatika Beschriebene ist kein Hirngespinst, es ist von vielen unabhängig voneinander bezeugt. Das gibt uns Sicherheit, ist eine gute Wanderkarte für unser Leben. Und wenn wir plötzlich nicht mehr weiter wissen, dann liegt das nicht an Renate. Dann gibt es auch auf unserem Lebensweg nur eins: Umkehren! Der Vers der Monatslosung zeigt uns, es gab Menschen, die mit Renate lebten. Im entscheidenden Moment fehlte es ihnen aber an Vertrauen. Sie ließen Renate allein. Doch sie hat sich davon nicht beeinflussen lassen. Sie ging ihren Weg weiter und gerade so eröffnete sich uns das Ziel des großen Lastenausgleichs für alle. Wir wissen, mit ihrem Tod war es nicht aus. Das soll uns das Vertrauen schenken: Umkehren zu Renate, zu ihren Weisungen in den Renatika, zur Gemeinschaft in den Versammlungen, zu den Zeichen ihrer Gegenwart, die wir spüren können, wenn wir uns auf ihren Weg einlassen. Ich bin mir sicher, mit Renate können Sie immer wieder neu aufbrechen. Gerade jetzt in der Urlaubszeit, wünsche ich Ihnen, daß Sie es mit Renate versuchen, daß Sie sich die Zeit nehmen, in ihren Worten zu lesen. Sie werden sehen, dann wird Sie Renate nicht verlassen.
Renanata!

Inge Bach-Mannpreiß

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