JUNI
2007

 
Rubriken
 
Service
 
Kontakt
EXTRA


viventura-Reisen

Spiel mit mir: "Carcassonne" und seine Erweiterungen

"Carcassonne"
Klaus-Jürgen Wrede
Hans im Glück 2001

Vorbild des Spiels Carcassonne ist die gleichnamige südfranzösische Stadt, berühmt für ihre mittelalterliche Befestigungsanlage. Im Spiel geht es darum, mit Legekarten die Stadt und ihre Umgebung wiederauferstehen zu lassen: mit Stadtteilen, Wegen, Klostern und Wiesen, die auf den Karten abgebildet sind.

Die Spielregeln sind wunderbar einfach und klar, so dass man keine lange Einarbeitung benötigt. Reihum zieht jeder Spieler eine Karte und legt sie passend an. Auf diese Karte kann er eine Spielfigur setzen, einen sogenannten Gefolgsmann, der je nach Einsatzort entweder Ritter, Wegelagerer, Mönch oder Bauer ist. Immer, wenn eine Stadt, ein Weg oder ein Kloster fertig gebaut werden, gibt es für denjenigen Punkte, der seinen Gefolgsmann dort zu stehen hat, und der Gefolgsmann gelangt zum Spieler zurück. Wer zum Schluss möglichst große Wiesen besitzt, erhält extra Punkte.

Neben Glück zählt bei Carcassonne die richtige Strategie - eine Strategie aber, die dem Spieler kein allzu großes Kopfzerbrechen abverlangt, so dass das Spiel sehr entspannend und kurzweilig ist. Für Abwechslung sorgen die zahlreichen Erweiterungen, die weitere Legekarten, vor allem aber zusätzliche Spielelemente einführen, und so das Spiel immer komplexer machen. Dabei wird die Grundidee jedoch nie verraten.

Mit der ersten Erweiterung kommen Kathedralen und Wirtshäuser hinzu, die den Wert von Städten bzw. Wegen erhöhen. Die zweite Erweiterung Händler und Baumeister führt Waren in die Stadt ein: Wird eine Stadt fertiggestellt, erhält der Spieler für jedes abgebildete Warensymbol ein Warenplättchen. Hat er am Ende des Spiels von einer Ware die Mehrzahl, bekommt er dafür Punkte. Baumeister erlauben Doppelzüge, Schweine erhöhen den Wert der Wiesen.

Die dritte Erweiterung nennt sich Burgfräulein und Drache. Die Einführung des Drachens verändert das Spiel in besonderem Maße: Wenn eine Drachenkarte gezogen wird, muss der Drache abwechselnd von den Spielern sechs Karten weit gezogen werden. Betritt er eine Karte, auf der ein Gefolgsmann sitzt, kommt letzterer zum Spieler zurück. Mit der Vulkan-Karte wird der Drache innerhalb des Spiels umgesetzt, und die Figur der Fee bietet vor ihm Schutz. Mithilfe des Burgfräuleins schließlich kann man gegnerische Ritter aus der Stadt werfen. Zaubergänge erlauben es, seinen Gefolgsmann auf eine beliebige Karte zu setzen.

Zusätzlich gibt es noch die Mini-Erweiterungen Der Fluss, König und Späher sowie Der Graf von Carcassonne. Letztere kann man sich sparen, da der Graf nur eingesetzt wird, wenn ein Spieler eine Wertung auslöst, bei der ein anderer Spieler Punkte bekommt, er selbst jedoch keine - was normalerweise überhaupt nicht vorkommt.

Die Erweiterungen lassen sich beliebig kombinieren. Dabei ist es allerdings nur fortgeschrittenen Spielern zu empfehlen, alle auf einmal zu spielen, da man sonst die ganzen Möglichkeiten kaum mehr berücksichtigen kann. Bereits bei der zweiten und dritten Erweiterung kann es einem passieren, dass man zu bestimmten Spielzügen gar nicht mehr kommt. Sicher ist es auch eine Frage der Übung, hier die richtigen Prioritäten zu setzen.

Die Spiele Die Burg und Jäger und Sammler schließlich sind eigenständige Spiele, die von Carcassonne inspiriert sind. So ist Die Burg insbesondere für zwei Spieler (und nur für zwei Spieler) geeignet. Auch Carcassonne selbst lässt sich jedoch sehr gut zu zweit spielen, maximal zu fünft, mit den Erweiterungen zu sechst.

Carcassonne hat genau das, was ein gutes Spiel ausmacht: eine simple, aber geniale Idee. Weder verliert es sich in komplizierten Details, noch wird es nach zwei Durchgängen mechanisch und langweilig. Ein Pluspunkt ist auch, dass man - sofern man nicht allzu verbissen auf den eigenen Sieg bedacht ist - durchaus mit dem gegnerischen Spieler gemeinsam überlegen kann, wo dieser seine Karte am besten anlegt. Die dritte Erweiterung führt jedoch auch etwas offensivere Spielzüge ein, so dass man hier von allem ein bisschen hat. Zu Recht hat Carcassonne 2001 den Titel "Spiel des Jahres" bekommen und ist ein ungebrochener Verkaufsschlager.

aw