JANUAR
2006

 
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Was gibt's denn da zu lachen?

 

 

Kommt ein Mann zum Arzt..., ein Engländer, ein Franzose und ein Deutscher treffen sich, ... Fritzle und Oma gehen spazieren,.... Auf einen solchen Anfang folgt meist eine mehr oder weniger gute Pointe und ein mehr oder weniger großer Lacher. Aber warum sind Witze lustig, warum finden wir sie komisch?

Das Wort "Witz" stammt vom althochdeutschen "wizzi", was soviel bedeutete wie "Wissen" und "rasche Auffassungsgabe". Erst später ergab sich die speziellere Bedeutung einer kurzen Darstellung eines Sachverhalts, gefolgt von einer Pointe, also einem geistreichen und überraschenden Schlusseffekt. Und diese abschließende Spitze ist das Entscheidende, sei es als groteske Verzerrung, als plötzliche Umkehrung der Erwartung, als Spiel mit einer Doppeldeutigkeit oder Ähnliches. In verschiedenen Theorien wird dieser Mechanismus immer wieder verschieden erklärt und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Aus biologisch-evolutionstheoretischer Sicht hat das Lachen als Reaktion auf den Witz eine gewisse Anpassungsfunktion, auf gesellschaftliche Interaktion hin orientierte Sichtweisen betonen die Funktion des Witzes als Ausdruck von Überlegenheit und Erniedrigung nicht akzeptierter Personen. Andere, wie z. B. Kant, erklären den lustigen Effekt aus dem Aufeinandertreffen nicht zusammenpassender Situationen oder Verhaltensweisen, Descartes betont eher die Plötzlichkeit und das überraschende Moment.

Die Hirnforschung versucht die speziell die Verarbeitung von Witzen aufzuklären und hat festgestellt, dass bei Frauen das betroffene Zentrum im Gehirn exakt bei der Pointe aktiver wird als bei Männern, die Witze nicht so analytisch zu verarbeiten scheinen, sondern nur die generelle Lustigkeit wahrnehmen. Eventuell reagieren sie deshalb auch besser auf Zeichnungen als auf Worte.

In der Psychoanalyse, genauer bei Freud, dient der Witz dazu, verdrängte oder tabuisierte Vorstellungen aussprechen zu können, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Gleichzeitig verschafft dies auf sozial akzeptable Weise Erleichterung, die sich im Lachen kundtut. So erklärt sich auch die Thematik politischer oder sexueller Witze.

Immer ist jedoch der Witz auch an die Reaktion der Zuhörer gekoppelt. In dieser Hinsicht weist eine aus der Sprachwissenschaft stammende Untersuchung von Helga Kotthoff darauf hin, dass nicht nur die Pointe allein wichtig ist. Oft wurde angenommen, dass der Widerspruch zwischen gleichzeitig aufgerufenen, aber entgegengesetzte Scripts, also Wissensmodellen über bestimmte Routinen und Abläufe in der Welt, den Witz ausmachen. Doch neben dem überraschenden Effekt ist auch die Darbietung des Ganzen (erzählerische Einrahmung, szenische Nachahmung von Stimmen, Gliederung, etc.) ein wichtiger Aspekt, um den gewünschten Effekt beim Zuhörer zu erzielen. So können unter Umständen auch schon bekannte Witze bei neuerlichem Hören durchaus ein weiteres Mal zum Lachen bringen. Dies eben allerdings nur, wenn man sich etwas geschickter anstellt als das Ehepaar in Tucholskys Geschichte "Ein Ehepaar erzählt einen Witz". Statt zur Pointe zu kommen, enden sie nämlich über etliche Abschweifungen in einem handfesten Ehekrach.

bk