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Renaissance in Flandern und Deutschland (1420-1580)
Altniederländische Malerei
Renaissance in Deutschland
 
Letzten Monat: Renaissance in Italien
Zur Erklärung von Begriffen: siehe Glossar




Albrecht Dürer, Selbstbildnis, 1500

Altniederländische Malerei (1420-1580)

Flandern, Teil des Herzogtums Burgund, gehört neben Florenz zur florierendsten Region Europas. Auch hier gewinnt das Bürgertum an Bedeutung. Doch länger als in Italien bleibt man der mittelalterlichen Tradition mit ihren sakralen Themen verhaftet. Langsam beginnen die Künstler jedoch, die religiösen Themen in ein diesseitiges Umfeld einzubetten.

Während man in Italien bereits die mathematische Linearperspektive entdeckt hat, bleibt man im Norden bei der Erfahrungsperspektive: Die Künstler bemühen sich, durch genaue Detailbeobachtung das wiederzugeben, was sie sehen. Sie kommen damit der Zentralperspektive sehr nah und erkennen auch, daß Gegenstände im Hintergrund verschwimmen und bläulicher werden (Farbperspektive). Die Weiterentwicklung der Ölmalerei ermöglicht eine besonders detailgetreue Malweise.

Auf der anderen Seite stellen auch die Niederländer ein Gefühl des Verlusts von Kontrolle fest: Kriege, Pestepidemien und soziale Konflikte lassen den Zorn Gottes spüren. Die Religion kann keinen Halt mehr bieten, da die römische Kirche an Autorität verloren hat.

Hieronymus Bosch schafft apokalyptische Visionen mit moralischem Anspruch: Er malt Die Hölle auf Erden. Auch Pieter Bruegels Sittenbild Turmbau zu Babel hat eine lehrhafte Bedeutung. Jan van Eyck verfeinert die Technik der Ölmalerei und verschreibt sich mit dem Verlobungsbild Arnolfini einem neuen Realismus. Rogier van der Weyden malt ausdrucksstarke Porträts: Bildnis einer Dame.

Renaissance in Deutschland (1490-1540)

In Deutschland wirken die Alpen wie eine Informationsbarriere, und die Antike ist fern. Die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit findet deshalb erst mit 100jähriger Verspätung statt. Doch dank der Wanderkünstler und der Technik des Kupferstiches gelangt schließlich die italienische Kunst auch nach Deutschland.

Deutschland ist von der Reformation geprägt. Religiöse Bilder sind plötzlich nicht mehr gefragt, die geistlichen Auftraggeber fallen weg, und die Künstler müssen sich auf Portraits und Landschaftsbilder umstellen. Trotz allem bleibt die Bildsprache aber der mittelalterlichen Tradition verhaftet, so daß sich die Kunst zwar weiterentwickelt, nicht aber einen solchen Umsturz wie in Italien erfährt.

Lucas Cranachs bekanntestes Bild ist sein Portrait von Marthin Luther. Albrecht Dürer achtet in seinem berühmten Selbstbildnis auf Maß und Proportion. Mathias Grünewald ist für außergewöhnliche Farbgebung und realistische Darstellung biblischer Themen bekannt: Christus am Kreuz. Hans Holbeins Bildnis des Kaufmanns Georg Gisze beweist ein Gespür für Charakteristik und Detailgenauigkeit.

aw

Nächsten Monat: Barock

Wie schon den Artikel "Renaissance in Italien" verdanke ich auch diesen Artikel der anregenden Lektüre des Buches von Anna-Carola Krauße - Geschichte der Malerei. Von der Renaissance bis heute, erschienen 1995 im Könemann Verlag.