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LITERATUR


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David Blatner: "Pi – Magie einer Zahl"
David Blatner
"Pi - Magie einer Zahl"
Rowohlt 2000

Dieser Artikel ist bereits erschienen in: ätzettera 29/2000

Pi ist das Verhältnis von Kreisumfang zu Kreisdurchmesser.

Nein – nicht gleich weiterblättern. Vergeßt den Matheunterricht und die endlosen Formeln mit diesem kleinen griechischen Buchstaben, die man sowieso nie ganz ausrechnen kann, weil Pi – zumindest nach dem Komma – ja doch kein Ende nimmt (oder, wie der Mathematiker sagt, »transzendent« ist).

Aber wie kommt es, dass sich alle Welt plötzlich wieder mit Pi beschäftigt? Ist es die zurückliegende Jahrtausendwende?

Im letzten Jahr erschien ein kleines gelbes und sehr schön gestaltetes Buch von David Blatner, das sich erfrischend unmathematisch mit Pi beschäftigt. Blatner erkundet vor allem die Historie. Er zeigt wie und vor allem von wem Pi überhaupt entdeckt wurde. Das Römische Reich verwendete den Faktor 3 1/8, sogar lange Zeit 4, wider besseres Wissen, da längst bekannt war, dass etwa 3 1/7 genauer war. Blatner betreibt Zahlen- und Wortspielereien, erzählt Anekdoten und wirft einen unterhaltsamen Blick auf Kreisquadrierer und Pi-Jäger und auf Menschen, die die Kreiszahl mehrere 100 Stellen nach dem Komma auswendig können (inklusive ein paar Tricks, wie man selbst ein wenig Pi auswendig lernen kann). Und wen's interessiert, der findet als Clou in dem – mit knapp 30 Mark leider etwas teurem – Büchlein außerdem die ersten 1.000.000 der bisher entdeckten viereinhalb Millonen Nachkommastellen.

»Pi – Der Film« ist nicht der (nicht mehr ganz neue, aber inzwischen fast kultverdächtige) Film zum obengenannten Buch, sondern eine Art Science-Fiction-Krimi um die Weltverschwörung. Als der Mathematiker Max Cohen nämlich entdeckt, dass es eine Weltformel gibt, wird er von verschiedenen Seiten verfolgt: Geheimdienste, Wirtschaft und sogar religiösen Gruppen. Das ganze in schwarz-weiß und mit schnellen Schnitten und sehr mysteriös. Dazu Musik von Clint Mansell, Aphex Twin und Massive Attack, bei der man beinah glaubt, Pi hören zu können – auf jeden Fall eine der besten Filmmusiken seit »Pulp Fiction«.

Naja, und Pi ist ja sowieso die beste Zahl seit 23.

PS: Wer noch mehr über Pi erfahren will: Im Internet gibt es einen Pi-Klub. Dort findet man viel Interessantes und viele Links zu anderen Pi-Seiten (unter www.astro.univie.at.ac/˜wasi/PI/pi_ klub.html).

mw