JULI
2002

 
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LITERATUR


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Gustave Flauberts "Madame Bovary"
Gustave Flaubert
"Madame Bovary"
frz. Origianl von 1857

 

Gustave Flauberts Madame Bovary ist ein Roman der Langeweile: Die junge Emma, aus bürgerlichem Haus, wird mit dem einigermaßen erfolgreichen Landarzt Charles Bovary verheiratet. Voller romantischer Illusionen stürzt sie sich in die Ehe - und wird schnell enttäuscht. Charles entpuppt sich in ihren Augen als Langweiler, das Provinzleben als fade und monoton.

Emma zerbricht an dem Missverhältnis zwischen ihrem Gefühl und der nüchternen Umwelt. Sie leidet unter Depressionen und flüchtet sich erst in realitätsferne Romane, dann in Liebesaffären. Als sie auch damit nicht glücklich wird, versucht sie sich mit Luxus zu trösten, strapaziert damit das dürftige Einkommen von Charles und stürzt den Haushalt in den finanziellen Ruin. Während Charles seine Emma immer noch inbrünstig liebt, verachtet sie ihn mehr und mehr. Schließlich wählt sie den Freitod.

Flauberts 1857 erschienener Roman zeichnet sich durch große Naturtreue und unbeteiligte Kälte aus. Flaubert überwand mit seinem Werk die Romantik und begründete den Realismus: Die Geschichte der Emma Bovary zeigt, wie wenig romantische Vorstellungen mit dem wahren Leben zu tun haben.

Im Zentrum des Werkes aber steht nicht nur die Geschichte, sondern vor allem der nüchtern-sezierende Stil. Flauberts Traum war "ein Buch über nichts, ein Buch ohne äußeren Anker, das sich von alleine halten würde durch die innere Kraft seines Stils". So hatte Truman Capote nicht unrecht, als er über Flaubert schrieb: "Flaubert ist ein großer Schriftsteller und ein großer Stilist. Ihm ging es mehr um Stil als um Inhalt. Der Inhalt, das war für ihn, als nehme er einen Apfel aus dem Korb und sagte: 'So, jetzt schreiben wir einmal über diesen Apfel.' Wahrscheinlich hat er sich einen Dreck um Madame Bovary gekümmert."

Der Legende nach soll sich Flaubert in einen runden Turm eingeschlossen haben, um dort am Klang seiner Sätze zu feilen. Fest steht, dass er in minutiöser Kleinarbeit jedes Wort unzählige Male abgewogen hat. Er war der Meinung, es gebe immer nur ein genau passendes Wort für einen Sachverhalt. Tatsächlich liest sich seine Madame Bovary auf französisch wie ein Klangteppich - wovon in der Übersetzung natürlich viel verloren geht. Wer bereit ist, sich von dem nicht immer sehr ereignisreichen Erzählfluss mitragen zu lassen, wird diesen Roman verschlingen.

aw