JUNI 01
 
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LITERATUR


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Die Entdeckung der Liebe und der Bücher
Mario Fortunato
"Die Entdeckung der
Liebe und der Bücher"
("Amore, romanzi e altre scoperte")
Verlag Klaus Wagenbach, 2001

Dieses Buch wird seinem Titel gerecht. Die Entdeckung der Liebe und der Bücher von Mario Fortunato ist selbst eine Entdeckung. Der Verfasser, laut Klappentext Leiter des Italienischen Kulturinstituts in London, beschreibt seine Kindheit, Jugend und Studentenzeit zunächst in einem Dorf in der kalabrischen Provinz, später im Rom der 1970er Jahre und sporadisch in anderen italienischen Großstädten.

Das Wort homosexuell fasziniert ihn zunächst, behagt ihm aber nicht mehr, nachdem er zufällig die regelrecht medizinische Definition in seinem ersten eigenen Lexikon entdeckt. (Bis zum Anfang der 1990er Jahre galt Homosexualität in Europa noch als Krankheit.)

Fortunato ist also schwul. Es ist nicht nur interessant zu lesen, wie ein junger Mann in jener Zeit die Literatur entdeckt, sondern auch, wie er sein Coming Out erlebt. Mit wundersamer Regelmäßigkeit schließt seine jeweilige Lektüre den Kreis. Denn Fortunato hat sein Buch nur zur Hälfte selbst geschrieben: Jedes zweite Kapitel zitiert einen anderen Schriftsteller; so sind beispielsweise Marcel Proust und Truman Capote vertreten – um nur wenige zu nennen. Doch das Buch ist kein Plagiat. Vielmehr läßt es sich als eine Einführung in die Literatur begreifen, nicht trocken wie ein Lehrbuch, sondern so bewegt wie das Leben, das es in Fortunatos schöner, weicher Sprache erzählt.

mp