MAI
2002

 
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LITERATUR


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Helene Hanff: "84, Charing Cross Road"
Helene Hanff
"84, Charing Cross Road"
Hoffmann und Campe, 2002

Der Briefwechsel zwischen der New Yorker Drehbuchautorin und dem Londoner Buchhändler Frank Doel ist eine Hymne auf die Literatur und auf die Freundschaft.

Die am Hungertuch nagende New Yorker Drehbuchautorin Helene Hanff befand sich in einem Dilemma: die Bücher, die sie am meisten interessierten, konnte sie sich nicht leisten oder nicht in den Vereinigten Staate auftreiben. Da fiel ihr eine Anzeige des Londoner Antiquariats Marks & Co. in der Saturday Review of Literature auf. Sie schrieb am 5. Oktober 1949 an die Buchhandlung mit der Adresse 84, Charing Cross Road und schilderte ihr Problem. Sie bekam Antwort von dem Buchhändler Frank Doel, der ihr tatsächlich weiterhelfen konnte und ihr gut erhaltene, schön gebundene Ausgaben der gewünschten Bücher schickte.

Aus zunächst nüchternen Geschäftsbriefen wurde eine transatlantische Freundschaft. Als Helene von der Lebensmittelrationierung in England erfuhr, schickte sie über eine dänische Firma Pakete an ihre Lieblingsbuchhandlung - woraus auch ein Briefwechsel mit anderen Angestellten von Marks & Co. entstand. Ihr stetiger Briefpartner blieb aber Frank Doel. Mit ihm tauschte sie sich über Literatur, über gesellschaftspolitische Ereignisse, aber auch über private Angelegenheiten aus. In den Briefen traf New Yorker Schnoddrigkeit auf feinen britischen Humor.

Jedes Jahr plante Helene eine Reise nach Europa und vor allem eine Besuch bei Marks & Co. und bei Frank, aber jedes Jahr kam etwas dazwischen.1969 starb Frank plötzlich, ohne seine amerikanische Brieffreundin je kennengelernt zu haben. Mit Einwilligung von Franks Familie bemühte sich Helene 1970, eine Zusammenstellung der Briefe in einer Zeitschrift zu veröffentlichen. Zu ihrer eigenen Überraschung fand sich ein Verlag, der den Briefwechsel als Buch herausbringen wollte. "84, Charing Cross Road" wurde ein großer Erfolg, der Helene endlich ermöglichte, nach England zu reisen. Sie fuhr zur Buchpräsentation nach London und lernte dort Frank Doels Familie kennen. Die Buchhandlung Marks & Co. existierte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

"84, Charing Cross Road" wurde ein Longseller im angelsächsischen Raum. Es entstand eine Bühnenversion und 1987 sogar ein Film mit Anne Bancroft und Anthony Hopkins in den Hauptrollen - der allerdings in Deutschland nie gezeigt wurde. Mit 32jähriger Verspätung liegt nun einer deutsche Übersetzung des Briefwechsels zwischen Helene Hanff und Frank Doel vor. - Eine Hymne auf die Literatur und auf die Freundschaft.

vh


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Helene Hanff: "84, Charing Cross Road"
Penniless playwright Helene Hanff from New York had a problem: the books that interested her the most were much too expensive or not available in the US. One day she found an ad of Marks & Co., a bookseller from London dealing with rare books. On October 5, 1949, she wrote to the bookshop in 84, Charing Cross Road and explained her problem. She got an answer from bookseller Frank Doel who could help her and sent her cheap, but beautifully made editions of the desired books.

The business relationship soon turned into a transatlantic friendship. Helene and Frank discussed in their letters about books, social and political events and also about personal matters. Each year, Helene planed a trip to England to visit her favourite bookshop, but she never made it. Suddenly Frank Doel died in 1969 without having met his American pen pal.

Authorised by Frank's family, Helene published their correspondence in 1970 - when she found to her own surprise a publisher. On a promotion tour to England, she finally met Frank Doel's wife and daughters. At that time, Marks & Co. did not exist anymore.

The book "84, Charing Cross Road" became a long-seller. A stage version and even a film - with Anne Bancroft and Anthony Hopkins - were produced. The book found its way to the readers' hearts because it is a hymn on both literature and friendship.

vh