JANUAR
2003

 
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LITERATUR


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Literatenstraßen: Thomas Morus

Das abgebildete Straßenschild findet sich in Berlin-Neukölln. Die Namensgebung erfolgte am 14. Februar 1950, um in Berlin häufige Mehrfachbenennungen zu reduzieren. Zuvor hieß die Straße seit etwa 1882 - wie auch die nahegelegene Lessinghöhe - nach Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), dem Begründer der modernen deutschen Literatur.

ZUR ZUSAMMENFASSUNG DES ARTIKELS

Der am 7. Februar 1478 in London geborene Sir Thomas More, nachmaliger Humanist, Staatsmann und Heiliger der römischen Kirche, dürfte eher unter seinem lateinischen Gelehrtennamen Morus bekannt sein. In seiner Kindheit kam ihm die Ehre zuteil, Page beim Kardinal von Canterbury zu sein, was sicherlich für seinen weiteren Lebensweg prägend war. Als Sohn eines Londoner Richters besuchte Morus die Lateinschule, um sich 1492 an der Universität zu Oxford für Griechisch und Philosophie einzuschreiben. Allerdings gab er bereits nach zwei Jahren dem Wunsche seines Vaters nach, brach das Studium ab und unterzog sich in London in den Jahren 1494-99 einer intensiven juristischen Ausbildung. Ebenfalls in das Jahr 1499 fällt die erste Begegnung mit Erasmus von Rotterdam und der Beginn ihrer Freundschaft. Dieser war es zudem, der Morus in seinen ursprünglichen Neigungen bestärkte und zur Wiederaufnahme des Griechischstudiums bewegte. Großen Einfluß auf seine Entwicklung übten auch die Oxforder Reformer Thomas Linacre, Wiliam Grocyn und vor allem der bedeutende Humanist und Theologieprofessor John Colet aus. Ebenso wie die von ihm schon früh begonnene Beschäftigung mit den Wissenschaften und ökonomischen Verhältnissen seiner Zeit, förderte der freundschaftliche Umgang mit den berühmten Humanisten Morus' Talent und Persönlichkeit.

Beruflich entschied er sich jedoch für die juristische Laufbahn und war bald einer der bekanntesten, erfolgreichsten und geachtesten Rechtsanwälte des Landes. 1505 wurde er ins Parlament gewählt, 1509 zum Untersheriff von London - einem mit großen Vollmachten ausgestatteten Zivilrichteramt - berufen. Des weiteren wurden ihm verschiedene diplomatische Missionen übertragen. Obwohl sich Morus gegen den Eintritt in den Staatsdienst wehrte, mußte er sich schließlich den Forderungen Heinrichs VIII. beugen, der ihn 1518 in den Dienst nahm. Wissen und Können, aber auch sein besonderes Geschick machten ihn dem König bald unentbehrlich. Bereits 1521 geadelt, führte ihn sein Weg über die Stationen Unterschatzkanzler und Kanzler des Herzogtums Lancaster im Jahre 1529 zum Amt des Großsiegelbewahrers und Lordkanzlers Englands, also zum zweitwichtigsten Manne nach dem König.

Allerdings datieren Morus' wissenschaftlichen und literarischen Leistungen allesamt aus der Zeit vor seinem Eintritt in die unmittelbaren Dienste des Königs. Dazu gehören seine Vorlesungen von 1501 zu Augustinus' "GOttesstaat", den er nicht - wie üblich - allein theologisch, sondern auch philosophisch-historisch interpretierte. 1510 folgte die Übersetzung der Biographie des italienischen Humanisten Giovanni Pico della Mirandola. Seine 1513-18 sowohl in lateinischer als auch in englischer Sprache verfaßte (allerdings erst 1557 veröffentlichte) "Geschichte Richards III." blieb leider fragmentarisch. Sie beeindruckt durch den meisterhaften Umgang mit dem Stil humanistischer Historiographie - politische Reden und psychologische Charakterbilder in Nachahmung von Sallust und Tacitus - und die Kunst der dramatischen Darstellung. Besonders in den dialogischen oder tragischen Szenen wird dies deutlich - und es verwundert nicht, daß sie die Hauptquelle für Shakespeares 1592/3 entstandenes Drama "King Richard III." darstellte.

Erwähnenswert ist darüber hinaus, daß Morus als humanistischer Kritiker und Propagandist eine Vielzahl von Epigrammen und Flugschriften, u.a. zu Gunsten Erasmus', verfaßte und mit Abhandlungen gegen die reformatorischen Bestrebungen Luthers und des englischen Bibelübersetzers Wiliam Tyndale an die Öffentlichkeit trat. Er half Heinrich VIII. bei der Schrift "Verteidigung der sieben Sakramente" als Antwort auf Luthers "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche", was dem König 1521 die Verleihung des Titels Defensor fidei (Verteidiger des Glaubens) durch den Papst einbrachte. Unter dem Pseudonym W. Ross verfaßte Morus 1523 selbst die Entgegnung auf Luthers Antwort und verteidigte in weiteren Streitschriften (zum Beispiel 1528 den englischsprachigen Dialog über Häresie gegen Luther und Tyndale) römisch-katholische Bräuche wie Wallfahrten, Heiligenkult oder Wundergläubigkeit. Ganz zu unrecht werden ihm allerdings blutige Ketzerverfolgungen nachgesagt, denn tatsächlich war er als Richter beliebt und als Staatsmann maßvoll. Seine Briefe und Meditationen (beispielsweise der englischsprachige Dialog über Trost im Leid von 1534) zeugen von einer großen Gewissensstärke und Glaubenszuversicht.

Als eine der klassischen Schriften der Gesellschaftskritik ist Morus' Hauptwerk "Utopia" bis heute aktuell. Die Schilderung des auf einer Insel gelegenen Idealstaates entstand im regen Austausch mit Erasmus, der in den Text wohl sogar redigierend eingegriffen hat. Der lange Titel der in Löwen erschienenen lateinischen Erstausgabe von 1516 lautet übersetzt "Ein wahrhaft goldenes und ebenso heilsames wie erheiterndes Büchlein über den besten Staatszustand und über die neue Insel Utopia, verfaßt von dem hochberühmten Thomas Morus, Bürger und Vicecomes der rühmlich bekannten Stadt London, mit Hilfe des Magisters Petrus Ägidius von Antwerpen und Dank der Kunst des Theodorus Martinus von Aelst, Universitätsbuchdruckers von Löwen, jetzt zum ersten Mal aufs Sorgfältigste herausgegeben mit Genehmigung und Privileg" und entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Recht bald erfolgten weitere Editionen in Paris (1517), Basel (1518), Wien und Venedig; 1524 die erste deutsche Übersetzung, 1551 die englische. Das Werk erlangt Popularität, wird in der Folge zum Vorbild zahlreicher ähnlicher Schriften und letztlich gelangt der Name Utopia zum Inbegriff für die Beschreibung idealgesellschaftlicher Zustände.

Für Morus verband sich demnach damit noch nicht die heute dem Begriff Utopie anhaftende Bedeutung von etwas Phantastischem, Unerreichbarem. Vielmehr wollte er verdeutlichen, daß es den beschriebenen Idealzustand hier zwar noch nicht gibt, dieser den bestehenden Zuständen aber stets als Korrektiv vorgehalten und schließlich eingeführt werden müsse. Er wollte seiner Zeit ein "heilsames Büchlein" entgegenhalten, indem er entgegen den realen Verhältnissen seiner Zeit andere, "wirklich gemeinschaftliche" Beziehungen der Menschen demonstrierte.

Dennoch hält Morus Gegenstand, Darstellungsweise und Zweck seiner belehrenden Erzählung durch die vielzähligen Brechungen in der Schwebe. Einerseits versucht er mit äußerster Genauigkeit die Verhältnisse seines Inselstaates glaubhaft zu machen. So gibt er beispielsweise vor, daß ihm die verschiedenen Angaben über die Länge einer Brücke Skrupel bereiten. Auch verbürgt der Hinweis auf den Gewährsmann des Berichts, der welterfahrene Portugiese Raphael Hythlodeus, scheinbar die Wahrheit seiner Darstellung. Jener Hythlodeus habe den berühmten Amergio Vespucci auf mehreren Reisen in und durch die Neue Welt - die damals kaum 15 Jahre zurücklagen - begleitet. Und so verwundert es nicht, daß es Zeitgenossen gab, die gar in dieses vermeintliche Paradies aufzubrechen vorhatten...

Andererseits fällt die Überprüfbarkeit der ganzen Sache einfach unter den Tisch, indem Morus mit beinahe unverschämter Beiläufigkeit erwähnt, daß jener Gewährsmann anzugeben versäumt habe, "in welcher Gegend jenes Erdteils Utopia liegt". Noch markanter ist, daß fast alle im Werk auftauchenden Personen-, Volksgruppen- oder geographischen Namen Verklitterungen aus griechischen (!) Worten darstellen. So bedeutet der ganz und gar nicht portugiesisch klingende Name "Hythlodeus" soviel wie Schaumredner oder Schwärmer - ein recht windig apostrophierter Gewährsmann also. Doch selbst um den Namen der Insel ist es nicht besser bestellt: "U-topia" heißt nichts andres als Un-Land, Nirgendwo oder Ort, der nicht ist.

Wie erwähnt, erschwert dieser spielerische Umgang einen eindeutigen Zugang zum Stoff. Dazu gehört die Dialektik des Erzählens, die den in der Romantik bis auf die Spitze getriebenen literarischen Brechungen in nichts nachsteht (geht sie ihnen ja auch zeitlich voraus...). Die Vorrede gibt sich als familiär gehaltener Brief an den Antwerpener Humanistenfreund und angeblichen Mitherausgeber der Schrift, Peter Ägid. Hier bittet Morus um weitere Mithilfe bei der Fixierung vermeintlich unklarer Einzelheiten. Im "Ersten Buch" tritt nun in einem der Platonischen Tradition verpflichteten Dialog, in den sich ein weiterer mit zum Teil authentischen Personen einschachtelt, der Gewährsmann Utopiens auf. Erst das "Zweite Buch" (welches vor dem ersten entstand) widmet sich fast ausschließlich dem Inselstaat.

Aus ganz konkret autobiographischem Anlaß diskutiert der vorangeschaltete erste Teil das Für und Wider des Fürstendienstes, wobei alle sozialen Mißstände des damaligen Englands und Europas zur Sprache kommen. Kritisiert wird unter anderem die europäische Großmachtpolitik. Weiterhin eine so gravierende einheimische Fehlentwicklung wie die Umwandlung von Acker- in Weideland im Interesse von Wollgewinnung zur Tuchherstellung, in dessen Folge Landflucht, Massenverelendung und Kriminalität nebst einem unbarmherzigen Strafrecht auftraten. Folglich heißt es im Disput über die englische Strafjustiz, besonders die Todesstrafe: "So verhängt man harte und entsetzliche Strafen über Diebe, während man viel eher dafür hätte sorgen sollen, daß sie ihren Unterhalt haben, damit sich niemand der grausigen Notwendigkeit ausgesetzt sieht, erst zu stehlen und dann zu sterben."

Der zweite Teil bringt dann die erste neuzeitliche Schilderung eines Idealstaats, dessen Gesellschaftsordnung auf Gemeineigentum basiert. Fast wieder wie in romantischen Idealvorstellungen durchdringen Altes und Neues in der Utopia aufs glücklichste einander, denn sie kritisiert ihre eigene Epoche nicht, ohne auch auf bewährte Traditionen zurückzugreifen. Diesen Überlieferungen verdanken sich zudem die kulturellen und politischen Ideale der Utopier: "humanitas" und "civilitas".

Wenn Morus oft der Begründer des utopischen Kommunismus genannt wird - was anhand der Worte, die er zur Konspiration der Reichen gegen die Armen gefunden hat, durchaus gerechtfertigt zu sein scheint -, so muß dabei doch beachtet werden, daß die Utopier sich eher am Vorbild einer allgemein als ideal postulierten christlichen Urgemeinde orientieren und ihre Variante des Kommunismus primär als ein Korrektiv zur zeitgenössischen Kommerzialisierung aller Lebensbereiche intendiert ist. Dennoch ist die Utopia von überzeitlicher Relevanz, weil sie in ihrer bürgerlich-moralischen Orientierung wesentliche Tendenzen der neueren englischen Kultur begründet. Ebenso legt sie die Mechanismen der Klassengesellschaft offen, in der politische Entscheidungsprozesse stets mit wirtschaftlichen Motiven in Interaktion treten.

So muß es nicht verwundern, daß seine humanistischen Haltungen und Ideale in immer stärkeren Gegensatz zu den Anforderungen, die sich aus seiner politischen Stellung am Hofe ergaben, gerieten. Mit seinem Rücktritt vom Amt des Lordkanzlers im Jahre 1532 versuchte er, diesen Widersprüchen zu entgehen, was ihm letztlich jedoch nicht gelang. Für die Ehe mit Anna Boleyn benötigte der König einen päpstlichen Dispens zur Scheidung von Katharina. Diese für Heinrich VIII. so "wichtige Sache" von scheinbar rein persönlicher Natur wurde für Morus zum Verhängnis. Nachdem Papst Clemens VII. die Scheidung abgelehnt hatte, usurpierte Heinrich in seinem Land die Rolle auch des obersten geistlichen Gerichts- und Kirchenherrn. Der Grundstein für die anglikanische Staatskirche war gelegt. Morus weigerte sich mit aller Kasuistik des Advokaten, die Scheidung von Katharina und die Loslösung von Rom mitzuvollziehen. Selbst wenn er in seiner Utopia für die Praktizierung religiöser Toleranz eintrat, sah er zwischen dieser und seiner Ablehnung der reformatorischen Neuerungen keinen Widerspruch. Für ihn gab es nach dem Kirchenrecht Toleranz immer nur gegenüber etablierten Religionen, die Reformation sah er aber als Ketzerei innerhalb des Christentums an. Wegen seiner standhaften Weigerung die Suprematsakte anzuerkennen und damit der endgültigen Vormachtstellung des Königs über die englische Kirche zuzustimmen, wurde er wegen Hochverrats angeklagt. Nach qualvoller Haft im Tower wurde er zum üblichen Tod durch Bauchaufschlitzen, Gedärmeausreißen, Vierteilen und Köpfen verurteilt. Der König begnadigte ihn zu allein letzterem, und so wurde er am 6. Juli 1535 auf dem Schafott vor dem Tower hingerichtet.

Die römisch-katholische Kirche sprach ihn 1886 selig. An seinem 400. Todestag wurde er zum Heiligen. Wenngleich sich Rom dabei offiziell auf Morus als Märtyrer und Verfasser religiöser Streit- und Erbauungsschriften beruft, so sollte dabei nicht übersehen werden, daß 1935 in mindestens vier europäischen Staaten totalitäre Regime an der Macht waren. Daß von diesen entweder Unterdrückung der Religion oder staatliche Vereinnahmung kirchlicher Institutionen ausging, mag mit ausschlaggebend für Morus' Heiligsprechung gewesen sein.

Werkausgaben (Auswahl):
Morus, Th.; Omnia Latina opera; Löwen 1566.
Morus, Th.; Opera omnia; Ffm 1689.
More, Th.; Die Briefe des Heiligen Thomas More aus dem Gefängnisse; ed. u. übers. Schmidthüs, Kh.; (Zeugen des Wortes 2); Freiburg i. Br. 1938.
More, Th.; Trost im Leid. Ein Dialog; ed. u. übers. Freundlieb, M.; München 1951.
More, Sir Th.; Neue Briefe; ed. Schulte Herbrüggen, H.; (Neue Beiträge zur englischen Philologie 5); Münster/Westf. 1966.
Morus, Th.; Utopia; 8. Aufl. Leipzig 1990.

Literatur (Auswahl):
Beetz, G.; (Art.) Morus 2.; in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG); Bd. 4; 3.Aufl. Tübingen 1960; Sp. 1142.
Gay, J.A.; Thomas More. Biographie; London 2000.
Girra, D./Lais, S.; Wegweiser zu Berlins Straßennamen. Neukölln; Berlin 1995; S. 251.
Lindner, F.; (Art.) More, Sir Thomas; in: Alexander, D./Lange, E. (Hgg.); Philosophenlexikon; 3. Aufl. Berlin 1984; S. 668-673.
Uhlig, C.; (Art.) Dichtung und Prosa in England; in: Propyläen Geschichte der Literatur; Bd. 3: Renaissance und Barock. 1400-1700; Berlin/Ffm/Wien 1984; S. 258-280; hier: S. 262-264.



ZUSAMMENFASSUNG
Thomas Morus
Sir Thomas More (Morus) - Sohn eines Richters und nachmaliger Humanist, Staatsmann sowie Heiliger der römischen Kirche - wurde am 7. Februar (1477 oder) 1478 in London geboren. Mit 13 Jahren war er Page beim Erzbischof von Canterbury. Ab 1492 studierte er an der Universität zu Oxford zunächst Griechisch und Philosophie, nach zwei Jahren auf Wunsch seines Vaters in London bis 1499 Rechtswissenschaften. Mit 23 wurde er ebendort Anwalt, mit 26 Mitglied des Parlaments. Er war mit Erasmus von Rotterdam befreundet. Morus' programmatischer, vom Humanismus geprägter Roman "Utopia" über die Gestaltung des idealen Gemeinwesens erlangte Weltgeltung.

1518 nahm ihn Heinrich VIII. in Dienst. Morus bekam diplomatische Aufträge. Wissen und Können, aber auch sein besonderes Geschick machten ihn dem König bald unentbehrlich. Bereits 1521 geadelt, führte ihn sein Weg über die Stationen Unterschatzkanzler und Kanzler des Herzogtums Lancaster im Jahre 1529 zum Amt des Großsiegelbewahrers und Lordkanzlers Englands, also zum zweitwichtigsten Manne nach dem König. Er half diesem bei einer Kampfschrift gegen die Anhänger Luthers, was Heinrich VIII. 1521 die Verleihung des Titels Defensor fidei (Verteidiger des Glaubens) durch den Papst einbrachte.

Als sich der König von seiner spanischen Frau Katharina von Aragon scheiden lassen wollte, beantragte dieser einen päpstlichen Dispens - ohne Erfolg. Daraufhin betrieb Heinrich VIII. die Loslösung der anglikanischen Kirche von Rom. Er hoffte dabei auf die Unterstützung seines Freundes Morus. Diese Angelegenheit wurde für diesen letztlich zum Verhängnis. Denn er weigerte sich mit aller Kasuistik des Advokaten, die Scheidung von Katharina und reformatorischen Neuerungen mitzuvollziehen. Für ihn gab es nach dem Kirchenrecht Toleranz immer nur gegenüber etablierten Religionen, die Reformation sah er aber als Ketzerei innerhalb des Christentums an. So verweigerte er 1534 den "Suprematseid", den Treueeid auf die neue Verfassung, die die endgültige Vormachtstellung des Königs über die englische Kirche festschrieb. Morus wurde wegen Hochverrats angeklagt und nach fünfzehnmonatiger Towerhaft am 6. Juli 1535 enthauptet.

Die römisch-katholische Kirche sprach ihn 1886 selig und 1935 heilig. Im Oktober 2002 ernannte ihn Papst Wojtila zum Patron der Regierenden und Politiker.