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LITERATUR


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Die 13½ Leben des Käpt'n Blaubär
Walter Moers
"Die 13½ Leben des Käpt'n Blaubär"
Hardcover: Eichborn Verlag 1999
Taschenbuch: Goldmann

Gibt es tatsächlich noch Menschen, die Käpt'n Blaubär nicht kennen? Diese Vorstellung mutet inzwischen so außergewöhnlich an wie die halbe Autobiographie des populären Plüschtiers. Richtig gelesen, die halbe. Denn zamonische Buntbären haben nicht nur ihre jeweils ganz persönliche Farbe, sondern auch 27 Leben, von denen manche dreizehneinhalb zu erzählen bereit sind.

„Die 13½ Leben des Käpt'n Blaubär“ ist ein herausragend phantasievolles Buch. Der Gedanke, daß der Erfinder des Kleinen Arschlochs, eines nicht jugendfreien Jugendcomics, Kinderbücher schreibt, mag vielen fremd, gewöhnungsbedürftig oder gar besorgniserregend erscheinen. Das ist nicht ganz fair. Walter Moers, geboren 1957, begann seine Karriere als Comiczeichner Mitte der 1980er Jahre. Aus den zunächst unbeholfen illustrierten Geschichten für Erwachsene entwickelte sich ein ganz eigener Stil, dem seit jeher eine schonungslose Offenheit zu eigen war. Doch Walter Moers kann nicht nur auf das erst in den 90er Jahren erfundene Kleine Arschloch reduziert werden.

Viel früher schon schrieb Moers hervorragende und mit liebevollen Zeichnungen versehene Kinderbücher wie beispielsweise Professor Schimauski. Wer als Kind in den Bann dieses erfinderischen und geheimnisvollen Mäuserichs geraten ist, den hat die Faszination darüber bis heute kaum verlassen.

Die Biographie des Käpt'n Blaubär steht ganz in dieser Tradition. Nur ist sie kein Kinderbuch im eigentlichen Sinne; treffender wäre es, sie als „ein Buch nicht nur für Erwachsene“ zu bezeichnen. Nichts ist einfacher, als sich für Stunden in die Lektüre der abenteuerlichsten Überlegungen zu verlieren, wie: „Eine andere Dimension könnte zum Beispiel komplett aus gefrorener Langeweile bestehen (...), aus Starkstrom oder aus unerfüllten Wünschen.“

Man kann davon ausgehen, daß Moers Klassiker wie Per Anhalter durch die Galaxis sowie alle vier Fortsetzungsbände gelesen und teilweise wiedergegeben hat, wenn auch unbewußt. Sein Verdienst ist es aber, Bücher wie dieses, wie Sophies Welt und wie Harry Potter auf eine ansprechende und auch für Kinder verständliche Weise zu vereinen. Mit Ausnahme des intergalaktischen Reiseführers kann man sich die anderen nach der Buntbärenbiographie beinahe sparen.

mp