FEBRUAR
2004

 
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LITERATUR


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Handbuch für den russischen Debütanten

Gary Shteyngart
Handbuch für den russischen Debütanten
Berlin Verlag 2003

Trotz seiner relativ wohlhabenden Eltern fristet Vladimir Girshkin mit seinen 25 Jahren ein trostlos bescheidenes Leben. Zwölfjährig mit seinen Eltern 1980 von Leningrad nach New York ausgewandert, sitzt der russische Jude seine miserabel bezahlten Arbeitsstunden beim Emma-Lazarus-Verein zur Förderung der Integration von Einwanderern ab, um sich eine baufällige Zwei-Zimmer-Wohnung mit seiner Freundin, einer ebenso depressiven wie korpulenten Domina, leisten zu können.

Dabei trügt der Anschein, Vladimir habe sich selbst bereits erfolgreich integrieren können. Er betrachtet sich als „Beta-Immigranten“ – auffällig unauffällig, nicht zu viel zu gebrauchen, ein Mensch, den kaum jemand haben möchte; angepaßt, ohne dazuzugehören.

Bis er eines Tages eher versehentlich, weil sturzbetrunken, eine andere Frau kennenlernt und ein Streit im Wartezimmer vor seinem Büro sein Leben verändert.

Seine neue Freundin Francesca, Tochter von Hochschuldozenten, führt ihn in ihr New York ein, wo er als interessanter Exot begeistert herumgereicht wird. Bald muß Vladimir jedoch feststellen, daß er sich dieses neue Leben, an das er sich gefährlich schnell gewöhnt hat, eigentlich gar nicht leisten kann – so daß er ein Angebot seines alten Freundes Baobab nicht ablehnen kann.

Daraufhin muß er mit Hilfe eines seiner Klienten aus den Fängen der katalanischen Mafia aus dem Land und in die Arme der russischen fliehen, bei der er mit der Errichtung eines Schneeballsystems auf Kosten der amerikanischen Exilgemeinde rasch Karriere macht. Während er seine geschäftlichen Beziehungen knüpft, lernt er Morgan kennen, die fern von zu Hause ihren eigenen, privaten Kampf gegen eine Unterdrückung führt, die es nicht mehr gibt und von der sie nie betroffen war.

Handbuch für den russischen Debütanten beschreibt das Leben eines ewigen Außenseiters, das aber sehr einfühlsam und oft genug sogar lustig, obwohl es im wesentlichen eine traurige Geschichte erzählt. Unverkennbar hat der Autor autobiographische Details in seine Erzählung eingebaut: Gary Shteyngart wanderte mit seinen Eltern von Leningrad nach New York aus, und als Schriftsteller ist er Debütant. Es bleibt unbedingt zu hoffen, daß es nicht dabei bleibt.

mp