MAI
2005

 
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LITERATUR


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Im Sumpf des Literaturbetriebs: Martin Suter,"Lila, Lila"

Martin Suter
"Lila, Lila"
Diogenes 2004


David ist dreiundzwanzig und Kellner - natürlich nur übergangsweise, wie er sich selbst einzureden versucht. Man könnte ihn als typischen Verlierer bezeichnen, antriebsarm und passiv. David verlangt nicht viel vom Leben, und doch verliebt er sich in Marie, Literaturstudentin, intelligent, gutaussehend. Was macht ein Typ wie David, um von einer Frau wie Marie beachtet zu werden? In Ermangelung eigener Ideen kommt ihm das Manuskript eines offensichtlich unveröffentlichten Romans gerade recht, das er in einer alten Kommode findet - eine ergreifende Liebesgeschichte aus den fünfziger Jahren.

Es ist eine Kleinigkeit, das alte Manuskript einzuscannen, den eigenen Namen darunter zu setzen und das Ganze der literaturliebenden Marie in die Hand zu drücken. Und tatsächlich, Davids Plan scheint aufzugehen, denn Marie ist begeistert - zu begeistert, denn ehe sich David versieht, hat sie das Manuskript heimlich an einen Verlag geschickt, der es zu allem Übel auch noch veröffentlichen will. David will nichts weniger als das, zu groß ist die Gefahr, dass der Schwindel auffliegt. Doch nun, da der Stein einmal ins Rollen gekommen ist, kann David ihn nicht mehr aufhalten. "Lila, Lila" avanciert zum Bestseller, und David und Marie werden ein Paar. Ohnmächtig lässt sich David durch den Literaturbetrieb schubsen, quält sich mit einem bemerkenswerten Mangel an Vortrags-Talent durch die obligatorischen Provinzlesungen und lässt sich schließlich auch noch von einer Art Schmierenkomödianten erpressen, der behauptet, der echte Autor von "Lila, Lila" zu sein. Und das alles nicht etwa des Geldes wegen oder des Ruhmes, sondern einzig und allein, um Marie nicht zu verlieren.

Mit seiner quälenden Gleichmut ist die Hauptfigur David für den Leser oft kaum zu ertragen. Diese Tatsache schadet und nutzt Martin Suters Roman zugleich. Einerseits ist Davids Naivität ein gelungener Kniff, um die Satire auf den Buchbetrieb auf die Spitze zu treiben. Im Sumpf von Verlagsinteressen, Bestseller-Hype und größtmöglicher Ausbeutung ist David nicht mehr als ein Statist. Andererseits vermag sich der Leser aufgrund der unsympathischen Hauptfigur für die Liebesgeschichte zwischen David und Marie nicht wirklich zu erwärmen. Insgesamt sollte man "Lila, Lila" daher vor allem als interessanten Einblick in das Verlagsleben lesen - in diesem Bereich vermag der Roman am besten zu überzeugen.

aw