NOVEMBER
2007

 
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LITERATUR


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"Reisepass auf iranische Art" – ein amüsanter Einblick in den iranischen Alltag

Nahal Tajadod
"
Passeport à l'iranienne"
JC Lattès 2007

An Schlagzeilen über den Iran mangelt es zur Zeit nicht in den Zeitungen. Während wir mit den neuesten Neuigkeiten über die iranische Atompolitik versorgt werden, bleibt allerdings unser Bild vom Alltagsleben dort vage. Umso interessanter ist das 2007 in Frankreich erschienene Buch Passeport à l'iranienne (Reisepass auf iranische Art) von Nahal Tajadod. Zwar liefert es sicherlich kein wissenschaftlich oder journalistisch fundiertes und ausgearbeitetes Porträt der iranischen Gesellschaft. Aber es lässt in Form eines humorvoll erzählten Romans den einen oder anderen Einblick zu. Ein kleiner Wehmutstropfen – bis jetzt ist das Buch nur auf Französisch zu haben.

In einem biographischen Bericht schildert die in Frankreich lebende Iranerin Nahal Tajadod die Odyssee durch die Teheraner Behörden, die sie durchläuft, um bei einem Aufenthalt im Iran ihren Reisepass verlängern zu lassen. Und das tut sie auf eine sehr kurzweilige Art und Weise: Durch eine Umstellung auf Computerverarbeitung herrscht Chaos in den Passbehörden und jede einfache Verlängerung eines Passes droht eine monatelange fatale Affäre zu werden. Da die Autorin pünktlich zu einer Konferenz in Frankreich zurück sein muss, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um die lange Wartezeit und das willkürliche behördliche Durcheinander zu umgehen. Hilfe erhält sie von den Fotografen, bei denen sie ihr Passfoto anfertigen lässt und die jemanden kennen, der jemanden kennt... Auch ihre beste Freundin Narguess, ihre Tante und die gesamte Nachbarschaft und Verwandtschaft versuchen, zumindest mit guten Ratschlägen, zu helfen. Und dann wären da noch der Arzt der Familie, der Portier, der Satellitenschüssel-Monteur, ein Marionettenspieler und und und...

Bis der verlängerte Pass aber endlich in den Händen der Antragstellerin liegt, muss diese sich über einige Irrwege durch den Behördendschungel manövrieren und schildert auf eine vergnügliche und liebevolle Art die Menschen, die ihr dabei über den Weg laufen sowie die Gewohnheiten und Gebräuche der Iraner, aber am Rande auch die staatlichen Zwänge, denen sie unterliegen. Diesen alltäglichen Iran stellt uns Nahal Tajadod in ihrem Buch vor.

Nahal Tajadod, die diese Geschichte wirklich im Jahr 2005 erlebt hat, wurde 1960 in Teheran geboren und kennt den Iran also seit ihrer Kindheit. Auch die Tatsache, dass sie seit 1977 in Frankreich lebt und arbeitet, hat ihre Verbindung zu ihrer Heimat nicht abgeschnitten. Als Doktorin der Sinologie beschäftigt sie sich mit den historischen Beziehungen zwischen Persien und China. Sie widmet sich in einigen ihrer Arbeiten vor allem der Geschichte des Christentums im präislamischen Iran und dem Weg des christlichen Glaubens vom Iran ins Reich der Mitte, lange bevor dort katholische Missionare tätig waren. Zu diesem Thema ist eine ihrer Publikationen auch auf Deutsch erhältlich (Das unbekannte Persien. Magier, Ketzer und Christen. Patmos 2003). Zu ihren bisherigen Veröffentlichungen zählt außerdem ein weiterer biographischer Roman über das Leben des persischen Dichters Roumi (Roumi le brûlé. Lattès).

Wen ein unterhaltsamer Einblick in die Eigenheiten der Iraner interessiert, dem sei Tajadods Roman wärmstens empfohlen. Eine gesellschaftliche Analyse sollte man natürlich nicht erwarten, es handelt sich um einen subjektiven Bericht, bei dem das Erzählerische im Vordergrund steht. Zu hoffen ist für alle Nicht-Französischsprachigen, dass das Buch auch in deutscher Übersetzung erhältlich sein wird

bk