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Hollywood-Klassiker: Misfits - nicht gesellschaftsfähig
Misfits – nicht gesellschaftsfähig
John Huston
USA 1960
Mit Clark Gable, Marilyn Monroe, Montgomery Clift, Eli Wallach, u.a.
 

Roslyn fährt nach Reno, um sich dort scheiden zu lassen. In einer Kneipe lernt sie den alternden Cowboy Gay Langland kennen und verliebt sich in ihn. Zu dem Paar gesellen sich der ehemalige Testpilot Guido und der sensible Perce. Alle vier sind Außenseiter, verloren, vereinsamt. Alle vier haben – seelische oder körperliche – Verletzungen, die sie daran hindern, ihr Leben so zu führen, wie sie es sich vorgestellt hatten. Sie bilden eine Notgemeinschaft, doch zu wirklicher Kommunikation sind sie nicht fähig. Zusammen wohnen sie auf Guidos Ranch und fahren schließlich in die Wüste Nevadas, wo sie Wildpferde fangen wollen. Aus dem Abenteuer wird Ernst, als herauskommt, daß die Pferde gefangen, verkauft und zu Hundefutter verarbeitet werden sollen. Die kindlich-naive Roslyn wendet sich gegen die Brutalität der Cowboys und stellt damit alle vor existentielle Fragen. “Misfits – nicht gesellschaftsfähig” wird dieses Jahr häufig zu sehen sein. Am 1. Februar war Clark Gables 100. Geburtstag. Marilyn Monroe würde am 1. Juni 75 Jahre alt. “Misfits” war der einzige Film, den die beiden Stars zusammen drehten. Es war auch für beide der letzte. Gable starb zwölf Tage nach Drehschluß. Monroe knapp zwei Jahre später.

Nicht nur diese biographischen Details machen den Film so tragisch. Der Film zeigt die häßliche Kehrseite des amerikanischen Traums, zeigt Menschen, die durch den täglichen Konkurrenzdruck aussortiert wurden, Menschen, die übrig geblieben sind. – Menschen, die in einer Welt leben, die aus den Fugen geraten scheint, die darin leben und eigentlich schon tot sind.

Arthur Miller verbrachte 1956 mehrere Wochen in Nevada, als er sich von seiner ersten Frau scheiden ließ, um Marilyn Monroe zu heiraten. Dort lernte er Menschen kennen, die ihn zu der Geschichte der “Misfits” inspirierten. Die Erzählung erschien 1957 im “Esquire”. Miller schrieb das Drehbuch für die Verfilmung. Die Rolle der Roslyn war ein Geschenk für seine Frau Marilyn Monroe, die sich danach sehnte, endlich als Schauspielerin ernst genommen zu werden. Doch die Dreharbeiten verliefen ähnlich dramatisch wie die Handlung des Films. Am Drehort in Nevada fand ein morbides Spektakel statt, das nicht im Drehbuch stand. Die Schauspieler waren dem psychischen Zusammenbruch nahe. Regisseur John Huston verbrachte so viel Zeit im Casino wie am Set. Und Monroe verließ Miller, nachdem der Film fertig gestellt war.

Eine Chronik dieser Tortur hat der französische Filmkritiker Serge Toubiana in Zusammenarbeit mit Arthur Miller herausgebracht – illustriert mit Fotos der Magnum-Fotografen, die die Dreharbeiten dokumentieren sollten.

Clark Gable – der sterbende “König von Hollywood” – spielte mit Marilyn Monroe – Amerikas unglücklichem “sweetheart”. Dabei kam nicht nur ein bewegender Film und ein stilistisches Meisterwerk Hustons heraus, sondern auch ein Zeugnis des Untergangs des alten Starsystems.

vh