JANUAR
2003

 
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"Die Entdeckung des Himmels (De ontedekking van de hemel)"
"Die Entdeckung des Himmels"
Buch: Harry Mulisch, 1992
Film: Jeroen Krabbé, 2001


1992 erschien Harry Mulischs Roman „Die Entdeckung des Himmels“, der inzwischen zu den großen Romanen des 21. Jahrhunderts gezählt wird. 10 Jahre später hat Mulischs Landsmann, der Niederländer Jeroen Krabbé, den Roman verfilmt. Seit Ende Dezember ist die Verfilmung des Bestsellers in bundesdeutschen Kinos zu sehen. Berlinale-Fans ist dieser niederländische Regisseur als Mitglied der Jury oder durch seinen Film „Left luggage“ mit Isabella Rosselini ein Begriff. Auch dieser als Kulturgroteske bezeichnete Film verstrickt wieder die Folgen des Holocaust mit der Nachkriegsgeschichte Europas.

Mulischs Roman / Krabbés Film erzählt die Dreiecksgeschichte von Max Delius, Onno Quist und Ada Brons, aus der der Sohn Quinten Quist hervorgeht. Die Geschichte führt vom Ende der 60er in die späten 80er Jahre. Noch vor der Geburt ihres Kindes fällt Ada Brons durch einen schweren Unfall in ein Koma - ohne im Klaren darüber zu sein, ob der Astronom Max Delius oder der zum sozialdemokratischen Politiker mutierte Linguist Onno Quist Vater ihres Kindes ist. Das hinter der fast doppelten Vaterschaft ein himmlischer Plan steckt, kann keiner der Protagonisten ahnen. Die surreale Ebene des Buches greift Krabbés Verfilmung auf, in dem er sich sehr an die Romanvorlage hält. Die Zwischenkapitel ­ Dialoge der Engel, die das Leben des Quinten Quist seiner himmlischen Bestimmung folgend steuern ­ werden wie die vier Kapitels des Buches chronologisch getreu wiedergeben.

Der Frauenheld Max beschließt mit Adas Mutter den Jungen Quinten aufziehen. Seine geheimnisvolle erotische Beziehung zu Adas Mutter wird im Film nur angedeutet. Die Figur von Max Delius (Greg Wise), der zu Beginn des Films schauspielerisch überzeugt, verblasst zunehmend. Seine Reise nach Auschwitz fasst der Film aber in kurze, sehr ausdrucksstarke Bilder. Onno Quist, im Film durch den Schauspieler und Schriftsteller Stephen Fry überzeugend verkörpert, geht in den 70er Jahren seiner Politikerkarriere nach. Doch das himmlische Schicksal greift immer wieder in das Leben der Figuren ein. Auch Onno Quists politische Karriere scheitert an den Verstrickungen auf Kuba.

Auch Ada und ihr Sohn Quinten sind hervorragend besetzt ­ beiden (Flora Montgomery und Neil Newbon) ist die charismatische­engelsgleiche Wirkung, die die Figuren ihnen abverlangen, gemein. Über seinen Film sagt Krabbé: „Was mich persönlich am meisten an der Geschichte fasziniert, ist die vielfache Bedeutung von 'Schicksal'. Mulisch spielt mit der Idee, dass 'Schicksal' nicht zufällig sein könnte. Das Ende der Geschichte lässt uns in einem starken Zwiespalt der Gefühle zurück, zwischen 'von Gott verlassen zu sein' und Trotz gegen einen unmenschlichen 'Himmel'.“

Doch ist es gerade die surreale Ebene des Buches über die der Film stolpert. Krabbé versucht die Bilder des Buches getreu in cineastische Bilder umzusetzen ­ doch das Medium Film wirkt völlig anders als die Literatur. Als Onno und Quinten sich nach vielen Wirrungen in Rom wiederfinden und ihre Mission auf dem Tempelberg in Jerusalem erfüllen, bekommt der Film die kitschige Ebene eines mittelklassigen Fantasy-Films. Literaturverfilmungen bleiben schwierig ­ vor allem wenn die Vorlage fast 800 Seiten umfasst, ist die Gefahr einer allzu schnell geschnittenen Bilderflut sehr groß.

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