NOVEMBER
2007

 
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Robert Rodriguez' "Planet Terror"

"Planet Terror"
Robert Rodriguez
USA 2007

"Planet Terror" (2007) von Regisseur Robert Rodriguez ist der zweite Teil von "Grindhouse", einem Exploitation Double Feature, betitelt nach den gleichnamigen Kinos ("Grindhouses") in den USA, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf trashige B-Movies spezialisiert hatten. Während Quentin Tarantino im ersten Film, "Death Proof", die Geschichte eines psychopathischen Stuntmans erzählt, der vom Jäger zum Gejagten wird, konzentriert sich Rodriguez im zweiten Teil ganz auf das Horrorfilm-Genre, das im Exploitationkino ebenfalls eine zentrale Rolle spielte. "Planet Terror" ist ein reiner Zombie-Splatter-Streifen.

Lt. Muldoon (Bruce Willis) hat seiner Nation einen großen Dienst erwiesen, er hat den Oberschurken Osama bin Laden mit seiner Spezialeinheit aufgestöbert und höchstselbst zur Strecke gebracht. Bedauerlichweise war das aber von höherer Stelle zu diesem Zeitpunkt keineswegs erwünscht. Da bin Laden nicht tot sein durfte (ein lebendes Feindbild ist praktischer) musste die Sache vertuscht werden und Muldoon sollte samt seiner Truppe eliminiert werden.

Mittel zum Zweck war dafür ein neues Virus, dem Muldoon und seine Männer in Form eines Gases, DC2, ausgesetzt wurden und das sie zu Zombies mutieren lassen sollte, bis sie schließlich ganz das Zeitliche segnen. Doch Muldoon und seine Untergebenen lernen die Wirkung des Gases zu kontrollieren, indem sie es sich in reduzierter Dosierung selbst immer wieder zuführen.

Um diesen Zustand zu beenden, plant der wahnsinnige Muldoon möglichst viele weitere Menschen zu infizieren, um so die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass doch noch ein Gegengift entwickelt werden kann (da unter den "Probanden" auch solche zu finden sein dürften, die immun sind). Dazu lässt er sich von dem skrupellosen und geldgierigen Biochemiker Abby (Naveen Andrews) beraten und mit dem Gas beliefern.

Abby, der seine Widersacher bevorzugt mit einer Spezialschere entmannt und ihre Hoden mit sich rumschleppt, ist ein kaum weniger durchgedrehter Psychopath als Muldoon. Als beide in Streit geraten, schießt Abby auf einige Gastanks, um im so entstehenden Chaos das Weite zu suchen. Als "Kollateralschaden" gerät das DC2 nun in die Umwelt und infiziert Personen, die in der Umgebung leben. Damit ist die Ausgangslage jedes Zombiefilms gegeben: Infizierte Untote breiten sich aus, die verbliebenen Nicht-Infizierten versuchen der "Plage" Herr zu werden und fangen an, die Zombies zu bekämpfen.

In besagter Umgebung befindet sich auch "The Bone Shack", ein heruntergekommenes Restaurant, in dem der Koch und Geschäftsführer J.T. Hague (Jeff Fahey) einsam versucht, die beste BBQ-Sauce in Texas zu kreieren. Dabei liegt er im Clinch mit seinem Bruder, Sheriff Hague (Michael Biehn).

Einziger Gast im "Bone Shack" ist zunächst die Gogo-Tänzerin Cherry Darling (Rose McGowan). Zu ihr gesellt sich dann zufällig der zweite Hauptprotagonist des Films, der junge Abschleppunternehmer El Wray (Freddy Rodriguez). Wie sich herausstellt, waren Wray und Cherry früher einmal verlobt, hatten sich aber getrennt. Nach einem unterkühlten Dialog beschließt Cherry bei Wray mitzufahen, da sie eine Mitfahrgelegenheit braucht.

Auf der Straße weicht Wray ein paar Zombies aus (ohne sie zunächst als solche zu erkennen) und überschlägt sich mit seinem Truck mehrfach. Sowohl er als auch Beifahrerin Cherry bleiben zunächst unverletzt, doch dann attackieren die Zombies den Truck und zerren Cherry ins Freie. Wray stellt die Zombies und erschießt sie, doch diese haben sich zuvor schon an einem Bein von Cherry zu schaffen gemacht - es wurde abgetrennt und verschleppt.

Wray bringt Cherry ins Krankenhaus und wird dort von Sheriff Hague verhört, der Wray die ganze Geschichte nicht abnehmen will. Aus dem Dialog wird deutlich, dass die Skepsis des Sheriffs auch etwas damit zu tun hat, dass Wray früher bereits des Öfteren mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist.

Leitender Arzt im Krankenhaus ist Dr. William Block (Josh Brolin), ein brillanter und wahnsinniger Mediziner. William hat seine Frau, die Ärztin Dr. Dakota Block (Marley Shelton), in Verdacht, ihn zu betrügen. Nicht zu unrecht, tatsächlich hat Dakota eine Affäre und plant ihren Mann mit dem gemeinsamen Sohn Tony (Rebel Rodriguez, der Sohn des Regisseurs) zu verlassen.

Wray wurde inzwischen von Sheriff Hague aufs Polizeirevier gebracht. Dort platzt Deputy Tolo (Tom Savini) aufgeregt in das Verhör. Ihm wurde bei der Verhaftung von ein paar Randalierern ein Finger abgebissen. Der Sheriff geht mit ein paar weiteren Deputys vor die Tür, um die Randalierer zu holen, doch diese haben sich inzwischen aus Tolos Einsatzfahrzeug befreien können und greifen zusammen mit weiteren Zombies den Sheriff und seine Männer an. Mit Mühe und unter Verlusten gelingt es dem Sheriff, die Oberhand zu gewinnen.

Sheriff Hague fährt nun gemeinsam mit Wray und dem Rest seiner Deputys zum Krankenhaus, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dort ist inzwischen die Hölle ausgebrochen, denn die Infizierten stellen die Mehrheit und essen die Nicht-Infizierten auf. Wray muss sich den Weg zu Cherry mit zwei Butterflymessern freikämpfen. Wray schafft es, die unter Schock stehende Cherry wieder aufzubauen, und "bastelt" ihr eine Ersatzprothese in Form eines Stuhlbeins. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht aus dem Krankenhaus.

Inzwischen hat William Gewissheit, dass seine Frau ihn betrügt. Er schnappt sich eine von Dakotas berüchtigten Betäubungsspritzen, die sie als Anästhesistin immer mit sich herumschleppt, und sticht damit in ihre Hände. Wegen der sich zuspitzenden Lage im Krankenhaus kann William aber seine Frau nicht töten.

Während William auf dem Flur infiziert wird, gelingt Dakota die Flucht. Wegen ihrer betäubten Hände hat sie starke Probleme, ihr Auto in Gang zu setzen, schafft aber trotzdem noch rechtzeitig den Abgang. Zu Hause holt sie Sohn Tony ab und fährt mit ihm zum Haus ihres Vaters, dem aus dem Tarantinouniversum schon gut bekannten Marshall Earl McGraw (Michael Parks). Der Zustand des Hauses von McGraw lässt jedoch nichts Gutes vermuten. Dakota lässt ihren Sohn mit einer Waffe im Auto zurück, wo er sich versehentlich selbst erschießt. Dakota stürzt entsetzt zurück zum Auto, doch in dem Moment taucht der inzwischen infizierte William samt anderen Zombies auf.

Nur knapp kann sich Dakota in das Haus ihres Vaters retten, der inzwischen seine eigene Frau töten musste, da diese sich ebenfalls in eine Untote verwandelt hatte. Während Earl zurückbleibt, kämpft sich Dakota zu J.T.’s "Bone Shack" durch. Das auf einer Anhöhe gelegene Restaurant dient inzwischen den Nicht-Infizierten als letzte Verteidigungslinie.

Sheriff Hague hat unterdessen herausgefunden, dass Wray nicht nur einfach Wray ist, sondern "El Wray", ein bekannter Killer, der wie kein zweiter mit Pistolen umgehen kann. Unter diesen Voraussetzungen vertraut der Sheriff Wray endlich zwei Waffen an. Wray, der Sheriff, die Deputys, Cherry, Dakota, J.T. und die anderen Überlebenden bilden nun einen Fahrzeugkonvoi, der sich zur Militärbasis durchkämpft.

In der Militärbasis hat Lt. Muldoon den Wissenschaftler Abby inzwischen wieder eingefangen und weggesperrt. Auch Wray und seinem Treck ergeht es nicht besser. Wray und Abby gelingt es jedoch, die Wachen auszuschalten. Sie befreien zunächst Cherry und Dakota, die kurz davor standen, von einem Soldaten (Quentin Tarantino) vergewaltigt zu werden. Cherrys Holzbein geht bei der Niederstreckung des Soldaten zu Bruch, doch Wray sorgt für Abhilfe, indem er Cherry ein neues Bein in Form eines Maschinengewehrs (samt integriertem Raketenwerfer) als Prothese anschraubt.

Nachdem Lt. Muldoon eliminiert wurde, schießt Cherry dem Trupp den Weg frei, und man versucht, sich zu den Transporthubschraubern vorzukämpfen. Dabei verliert Abby jedoch buchstäblich seinen Kopf. Als Biochemiker wäre er der Einzige gewesen, der ein Gegenmittel hätte entwickeln können.

Stattdessen wird jetzt eine Flucht nach Mexiko in Angriff genommen. Dabei stirbt der Hauptprotagonist Wray, und auch Sheriff Hague und sein Bruder J.T. opfern sich im Sterben liegend, indem sie als letzten Akt die Militärbasis in die Luft sprengen. Dakota wird im Helikopter noch einmal von ihrem mutierten Ehemann William abgefangen, doch im letzten Moment taucht Vater Earl auf und exekutiert William endgültig. Unter der Führung von Cherry setzen sich die letzten Überlebenden wie geplant nach Mexiko ans Meer ab, um dort einen Neuanfang zu wagen.

Regisseur Robert Rodriguez spickt "Planet Terror" mit den klassischen Zombiefilm-Plots von "Sich in einem Haus verschanzen" ("Night of the Living Dead") bis hin zu "Einen Konvoi bilden" ("Land of the Dead"). Dabei strotz sein Film aber natürlich nur so vor Parodien, etwa wenn Wray den Konvoi der Überlebenden auf einem Pocket Bike anführt und den Zombies dann praktisch auf Kniehöhe entgegenrast.

Ähnlich wie Tarantino spielt Rodriguez auch auf das eigene Werk an, wenn auch indirekter. Die platzenden Körper und abgetrennten Glieder, die Orgie aus Schleim und Blut, erinnert natürlich sofort an seinen Klassiker "From Dusk Till Dawn", während "El Wray" offensichtlich eine Parodie auf "El Mariachi" aus der "Mariachi Trilogie" ist. Cherry erinnert als Charakter stark an "Perdita Durango" - ein Film, der zwar nicht von Rodriguez ist, seinem Style aber sehr nahe kommt.

Auch die Besetzung ist solide gewählt. Rose McGowan ist in erster Linie aus der Hexenserie "Charmed" bekannt. Während sie in "Death Proof" nur in einer Nebenrolle als "blondes Opfer" zu sehen war, spielt sie in "Planet Terror" eine der Hauptrollen als toughe Überlebenskünstlerin mit pechschwarzer Mähne. Freddy Rodriguez (nicht verwandt mit dem Regisseur) ist am ehesten noch durch seine Nebenrolle als Federico Diaz in der Kultserie "Six Feet Under" bekannt. Die Rolle des Underdogs "El Wray" füllt er ebenso so souverän aus wie Rose McGowan die der "Cherry Darling".

Ähnlich wie Tarantino schon bei "Death Proof" arbeitet auch Rodriguez bei "Planet Terror" mit Bildstörungen, Fehlschnitten und fehlenden Filmrollen, um möglichst nahe an einen echten Exploitationfilm heranzukommen.

Welcher der beiden Regisseur den besseren Ansatz hat, ist eine Frage der Perspektive. Einerseits ist Tarantions Beitrag deutlich besser inszeniert, Tarantino erschafft ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, das Rodriguez so wohl nie auf die Reihe kriegen könnte. Andererseits führt gerade die Tatsache, dass "Planet Terror" noch deutlich trashiger ist als "Death Proof", wohl dazu, dass Rodriguez dem klassischen Exploitationkino näher kommt als Tarantino.

"Planet Terror" ist ein sehenswerter Film für alle Fans von trashigen Splatterfilmen. Wer mit umherfliegenden Gedärmen und Blutfontänen ein Problem hat, sollte dagegen lieber die Finger von dem Film lassen. Auch wenn es das erklärte Ziel des Regisseurs ist, an die alten Exploitationfilme anzuknüpfen, sollte man darüber hinaus natürlich immer im Hinterkopf behalten, dass es hier letztlich um eine Persiflage geht, um künstlichen Trash, der echten Trash karikiert und damit etwas Eigenes schafft.

nw