AUGUST
2003

 
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MUSIK


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200 Troubadixe auf dem Bardentreffen in Nürnberg
Lagerfeuer, Wildschwein am Spieß, Asterix und Obelix beim Feiern und der Barde Troubadix sitzt mal wieder gefesselt und geknebelt in der Ecke, damit keiner unter seinem misstönenden Gesang zu leiden hat. So mag es vielleicht in einem gewissen kleinen gallischen Dorf aussehen, nicht aber im schönen Frankenland in Nürnberg. Da strömen beim alljährlichen Bardentreffen die Zuhörer nur so in die Altstadt, um den Klängen der eigens angereisten Barden lauschen zu dürfen.

Wie immer drei Tage lang fand dieses Jahr das 28. Bardentreffen vom 25. bis zum 27. Juli unter freiem Himmel und gratis in Nürnberg statt. Angefangen hatte das Ganze 1976, als man den 400. Geburtstag von Hans Sachs, dem berühmten Nürnberger Schuhmacher, Meistersinger und Poeten, gebührlich begehen wollte. Was damals noch ein Treffen von nebenberuflichen Musikern und Amateuren des Liedermachergenres war, hat sich bis heute einigermaßen gewandelt: Auf den sieben Bühnen spielen heute Profis und bieten eine Vielfalt, die von Folk und Jazz bis zu Rock, Pop und Weltmusik reicht. Die heutigen Barden und Troubadixe sind also weit davon entfernt, wie ihre keltischen Vorgänger ausschließlich Heldenlieder zur Harfe vorzutragen.

Neben den programmgemäß vorgesehenen Konzerten kann man sich aber zusätzlich an den vielen kleinen Gruppen und einzelnen Straßenmusikanten erfreuen, die während der drei Tage quasi an jeder Ecke musizieren. Und nicht nur die Zuschauer – dieses Jahr waren es um die 200.000 – schätzen die Atmosphäre. Gerade auch diese fahrenden Künstler zieht das Festival wegen seiner freundlichen Stimmung und der Aussicht auf gutes Trinkgeld an. Manch einer plant seine Route extra so, dass er pünktlich zum Bardentreffen in Nürnberg ist.

Wer sich als Besucher nicht gezielt ein bestimmtes Konzert herausgepickt hat, kann ganz einfach auch von einem Veranstaltungsort zum anderen schlendern, überall ein bisschen hineinschmecken und dabei auch die wunderbare Kulisse der mittelalterlichen Nürnberger Altstadt genießen. Ob in der Ruine des Katharinenklosters, auf dem Hauptmarkt direkt neben dem "Schönen Brunnen", in der Nähe der Pegnitz auf der Insel Schütt oder vor der romanischen Sebalduskirche, die Spielorte liegen alle in Gehweite voneinander entfernt.

Und man kann sich sicher sein, dass jeder etwas für seinen Geschmack findet: Dieses Jahr traten ca. 200 Künstler aus 18 Ländern bei über 50 Konzerten auf, womit das Bardentreffen wohl auch die größte kostenlose Open-Air-Veranstaltung ist. Darunter waren z.B. das serbische Blasorchester "Boban Markovic Orkestar" oder das Roma-Trio "Talisman" (Geige, Akkordeon, Gitarre), die das Publikum mitrissen. Die Band "Salsa Bruja" begeisterte ebenso, wie die Blues- und Gospelsängerin Karen Caroll. Daneben standen chinesische, französische und polnische Musik, Kinderbands und Britpop bzw. Rock mit relativ bekannten Namen, wie J. J. Liefers oder Wolf Mahn auf dem Programm.

Organisiert wird das Festival von der Stadt Nürnberg und dem Kulturreferat in Zusammenarbeit u.a. mit dem Bayerischen Rundfunk, dem Kinderfunk und Studio Franken und wird durch Sponsoren, den Verkauf der Programmhefte und Vergabe von Gastronomierechten finanziert. Es findet jeweils am ersten bayerischen Sommerferienwochenende statt. Für das nächste Jahr heißt das also vom 30.7 – 1.8.2004 (weitere Infos unter http://www.bardentreffen.de).

Besonderes Glück hatte der diesjährige Besucher auch deshalb, weil das Spektakel terminlich mit dem Klassik Open Air auf der großen Wiese des Luidpoldhain zusammenfiel. So konnte, wer wollte – und das waren trotz Regens immerhin 45.000 Leute –, am Sonntagabend das musikalisch schon überreiche Wochenende noch mit einem Picknick zu Tschaikowski, Verdi, Mahler u.a. im wahrsten Sinne des Wortes ausklingen lassen.

bk