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MUSIK


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Dido: No Angel
Dido
"No Angel"
Arista Records 1999

"I am what I am. I do what I want", singt Dido in "Here with me" und beweist damit nicht nur eine vorbildliche Lebenseinstellung, sondern vertritt auch ein postfeministisches Frauenbild. Sie folgt einer Tradition charmanter Emanzen, die seit Joan Baez, Carol King, Melanie und Suzanne Vega mit Trotz, Respektlosigkeit und Talent überzeugen.

Die britische Sängerin arbeitete schon mit der Gruppe "Faithless" zusammen, zu der auch ihr Bruder Rollo gehört, und wirkte bei den Soundtracks zu den Gwyenth-Paltrow-Filmen "Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht" und "Bounce" mit. "Here with me" wurde Titellied der amerikanischen Serie "Roswell". Bekannt wurde Dido aber vor allem dadurch, daß sie die erste Strophe ihres Liedes "Thank you" als Refrain zu Eminems "Stan" sang. Nach dieser gelungenen Kooperation berichtete Dido, der Skandal-Rapper aus Detroit sei eigentlich ein ganz reizender Mensch. Im Moment schreibt sie an Songs für das neue Britney-Spears-Album. Sollte Britney Spears demnächst also durch sinnvolle Texte auffallen, ist das wohl Dido zu verdanken.

Stimmlich erinnert Dido, die eine irische Großmutter hat, an Cranberries-Sängerin Dolores O'Riordan Burton und vor allem an Sinead O'Connor, die zornig darauf bestand "No Animal in the Zoo" und "No Man's Woman" zu sein. Didos Aussagen sind zwar weniger militant, aber genauso bestimmt. Sie fordert flehend "Let me go" und erklärt resigniert "I'm tired and bored of waiting for you and all those things you never do". Sie singt von ihrem Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit, nach einem selbstbestimmtem Leben, aber auch von Sehnsucht, Schutzbedürfnis und Tagen, an denen alles schief geht. Mit zuckersüßen Worten schimpft sie über die neue Freundin ihres Ex-Freundes. Sie tröstet eine verzweifelte Freundin und warnt vor zu viel Selbstmitleid.

Ironisch ist das Titelstück "I'm no Angel". Die Sängerin bezichtigt sich selbst unzuverlässig, rechthaberisch, ängstlich und lebensüberdrüssig zu sein - eben "No Angel". Zu ihrer Verteidigung führt sie an, sie könne lächeln und sei zumindest nicht langweilig. Sie verspricht auch, sich zu bessern - was Dido eigentlich gar nicht nötig hat, denn bleibt sie ihrem Motto - "I am what I am. I do what I want" - treu, können wir uns noch auf viele hervorragende Alben von ihr freuen.

vh