JANUAR
2005

 
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MUSIK


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Böse Menschen kennen keine Lieder: Das "Orchestre pour la Paix"







Böse Menschen kennen keine Lieder, drum wo man singt, da lass dich ruhig nieder. So heißt es in einem Sprichwort und diese friedliche und friedensstiftende Wirkung von Musik kann eigentlich keine bessere Veranschaulichung finden als im "Orchestre pour la Paix", dem Orchester für den Frieden.

Das Orchestre pour la Paix versucht, das Unmögliche möglich zu machen und damit neue Hoffnung auf Frieden v. a. im Nahen Osten zu schaffen: Seite an Seite spielen Musiker unterschiedlicher Nationen und Religionen: Musiker aus Ländern wie Algerien, dem Iran, Ägypten, Marokko, Tunesien, dem Libanon, Jordanien, dem Irak spielen zusammen mit Amerikanern, Argentiniern, Franzosen und Usbeken klassische Musik. Ein israelischer Dirigent dirigiert u. a. palestinensische Musiker und umgekehrt. Hier wird also bewiesen, dass ein Dialog, den man vielleicht für unmöglich halten würde, doch nicht völlig unmachbar und v. a. fruchtbar ist.

Gegründet wurde das Orchester 2002 von Miguel Angel Estrella und hat inzwischen bereits mehrere erfolgreiche Tourneen in Frankreich absolviert. Der berühmte argentinische Pianist hat neben der Mission, Brücken zu bauen auch das Ziel, mit dem Orchestre pour la Paix ein Publikum in Brennpunktvierteln, in marginalisierten Bevölkerungsschichten oder auf dem Land zu erreichen, das nicht allzu oft die Gelegenheit hat, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Auf diese Weise soll ein neuer Zugang zu Musik als Mittel für Toleranz eröffnet werden.

Der 1937 in Argentinien geborene Estrella selbst musste wegen seines Engagements, Musik auch den unteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen, unter der argentinischen Diktatur im Gefängnis Folter ertragen. Zwei Jahre nach seiner Befreiung 1980 gründet er in Frankreich "Musique Espérance", eine internationale Organisation, die für die Rechte von Musikern kämpft und sich durch Musik für Frieden und Menschenrechte einsetzt, indem sie Konzerte in Ländern veranstaltet, die sich in einer schwierigen politischen Lage befinden oder unter Armut leiden. Einige seiner Projekte führt er auch in Kooperation mit der Unesco durch und ist außerdem der Unesco-Botschafter Argentiniens.

Hat man einmal das "Orchestre pour la Paix" und auch Estrella als Pianisten erlebt, wie er immer wieder zwischendurch kurze Geschichten erzählt über das Glück, das Musik Menschen bescheren kann, dann kann man auch wieder ein bisschen Hoffnung schöpfen, dass Versöhnung selbst in den schwierigsten Situationen möglich sein könnte.

bk