JULI
2005

 
Rubriken
 
Service
 
Kontakt
MUSIK


abebooks.de

Sich mit fremden Noten schmücken, in fremden Nestern fiedeln - Plagiat und Fälschung in der Musik
Während es van Goghs Sonnenblumen nur ein einziges Mal auf der Welt gibt, so kann Mozarts Kleine Nachtmusik tausende Male aufgeführt und auf CD verkauft werden, ohne dass es sich um eine Fälschung handelt. Diese Eigenschaft musikalischer Werke hat aber keineswegs zur Folge, dass ein mit Notenschlüssel gesichertes Werk auch wirklich vor Diebstahl oder vorm Einschleichen fremder Klänge gefeit wäre. Plagiat und Fälschung gibt es auch in der Musik, in der Klassik wie auch im Pop.

Der Diebstahl von Gedankengut wurde schon im alten Rom von Martial mit Menschenraub (lat. plagium = Menschenraub) verglichen und war dementsprechend verwerflich. Und dies ist bis heute der Fall, besieht man sich nur einmal die Zahl der rechtlichen Streitigkeiten, die dieses Thema schon angefacht hat. V. a. in der Popmusik sind derartige Vergehen keine Besonderheit. Da wäre z. B. Vanilla Ice, der für seinen Song "Ice Ice Baby" Queen und David Bowie das charakteristische Bassriff aus "Under Pressure" klaute. Allerdings konnte man sich hier noch gütlich einigen. Derer Fälle gibt es noch viele mehr und in der immer kurzlebigeren Popbranche nimmt dieses Phänomen auch sicherlich nicht ab. Davon zeugen sogar schon Web-Sites, die versuchen Lieder zu vergleichen und in langen Listen Melodieklaus in Popsongs aufzudecken.

Schwierig ist dabei immer festzulegen, wo das Plagiat beginnt: Sind es nun bis zu sieben Takte, die sich ähneln dürfen, oder reicht es schon, wie die GEMA meint, wenn eine Melodie, und sei sie auch noch so kurz, wiederauftaucht? Was in vielen Fällen strittig ist, lässt in anderen wiederum keinen Zweifel offen. So blieben auch die Klassiker nicht von ideellen Raubzügen verschont: Johann Sebastian Bach musste es sich z. B. gefallen lassen, dass sein Sohn Wolfgang Friedemann einfach die Initialen austauschte und, wohl aus Geldnot, das eine oder andere väterliche Werk als das eigene ausgab.

Aber in der klassischen Musik gibt es dagegen auch eine große Anzahl von Werken, die berühmten Komponisten sozusagen untergeschoben wurden und sich dann aber als Fälschungen herausstellen. Haydn soll angeblich Beethoven, als dieser noch sein Schüler war, sogar selbst geraten haben, seine Kompositionen mit dem Namen des damals noch bekannteren Lehrers, also Haydn, zu versehen, um durch den berühmten Namen, den Erfolg der Stücke zu vergrößern. Dem Rat ist Beethoven aber nicht gefolgt. In der Tat gibt es jedoch genügend Fälle von Fälschungen, z. B. scheint es sich bei dem Adelaide-Konzert und einem Violinkonzert von Mozart um solche zu handeln. Mit Sicherheit stammt auch die sogenannte Gmunden-Gasteiner Symphonie von Schubert nicht von ihm selbst. Und der findige Henri Casadesus versuchte die Literatur für das vernachlässigte Instrument Bratsche aufzubessern, indem er u. a. ein selbstgeschriebenes Bratschenkonzert kurzerhand unter Händels Namen laufen ließ.

Und auch heute kommt es ab und zu vor, dass plötzlich verschwunden geglaubte Stücke auftauchen und sich dann zur großen Enttäuschung als mehr oder weniger aktuelle Fälschungen herausstellen, wie z. B. gewisse Klaviersonaten von Haydn. Dass es also an echt Gefälschtem nicht mangelt, zeigt sich übrigens auch daran, dass damit schon ganze Konzertreihen gefüllt werden können, wie im Brucknerhaus in Linz im vergangenen Jahr.

bk