DEZEMBER
2006

 
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MUSIK


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Mérida, Stadt der Trova Yucateca
Golondrinas, golondrinas,
que cruzando el cielo van,
alegren con sus cantares
a mi lindo Yucatán,
a mi Mérida querida,
la ciudad blanca y gentil,
la tierra de Guty Cárdenas
y Ricardo Palmerín.

Schwalben, Schwalben,
die den Himmel durchqueren,
erheitern mit ihrem Gesang
mein schönes Yucatán,
mein geliebtes Mérida,
die weiße, anmutige Stadt,
die Heimat von Guty Cárdenas
und Ricardo Palmerín.

Acuarela de Mérida, Miguel Angel Gallardo
Zu Mérida auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán gehört nicht nur die Hitze, die Palmen auf dem Zócalo, dem Marktplatz, und die Limonensuppe. Der Musikstil der Trova Yucateca ist genauso untrennbar mit der "ciudad blanca y gentil" (der weißen, anmutigen Stadt), wie sie in einem der Lieder besungen wird, verbunden.

Die Trova Yucateca, eine der typischen Volksliedarten Yucatáns, deren Name sich von den französischen "Troubadours" ableitet, entstand Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert, führte musikalische und poetische Traditionen zusammen und war Teil des sozialen und kulturellen Lebens. Dabei trafen sich unterschiedliche Einflüsse, v. a. aus Kolumbien und dem von den Häfen Yucatáns aus relativ nahegelegenen Kuba. So stammen auch die drei Hauptformen der Trova, nämlich Bolero sowie Clave und Bambuco aus Kuba und Kolumbien und vermischten sich mit der Tradition Yucatáns und der Maya. Es ist also nicht nur Zufall, wenn die Trova Yucateca an den weltweit bekannten Stil des Buena Vista Social Club aus Havanna erinnert. Zunächst als Duo, später meist als Trio auftretend, begleiten die Trovadores ihren Gesang mit Gitarre und Requinto, einer sechsseitigen, etwas kleineren und höheren Gitarre.

Die Blütezeit der Trova in Mérida lässt sich ungefähr zwischen 1900 und 1940, etwas enger gefasst um 1920, datieren. Damals wurde auch von Luis Rosado Vega, einem yukatekischen Dichter, der Versuch unternommen, in einer Liedsammlung die bisher nur mündlich tradierten Stücke festzuhalten. Zu dieser Zeit lebten und sangen die bekanntesten Trovadores, wie Cirilio Baqueiro, Fermín Pastrana, Guty Cárdenas, Ricardo Palmerín und viele andere. Diese begannen auch nach Mexiko Stadt zu fahren, um dort Aufnahmen ihrer Kunst zu machen. Und noch heute gibt es Trovadores in Mérida, die sogar von Verehrern, die ihrer Liebsten ein Ständchen zukommen lassen möchten, gebucht werden können.

Dementsprechend sind viele der Lieder der Trova Yucateca Liebeslieder, die sich mit der tragischen und melancholischen Seite der unerwiderten Anbetung, der Verehrung und Sehnsucht nach der Geliebten auseinandersetzen. Dass die yukatekischen Gemüter aber durchaus nicht ausschließlich von Schwermut geprägt sind, zeigt eine andere eng mit der Musik verbundene Tradition, die der Bomba Yucateca: Auf Feiern oder bei ähnlichen Gelegenheiten wird die Musik plötzlich unterbrochen und eingeleitet durch den Ruf "Bomba", hat jeder die Gelegenheit seiner Begleiterin ein Gedicht, meist in Form eines Vierzeilers, darzubringen. Dieses drückt wie folgendes Beispiel aber nicht nur schmeichelhaft, sondern auch leicht ironisch und humorvoll die Zuneigung aus:

¡Bomba!
Ayer salí de misa
Te vi muy sonriente,
pero entre tu sonrisa
había un frijol en tu diente.
¡Bomba!

Bombe!
Gestern kam ich aus der Messe
Und sah Dich mit einem breiten Lächeln,
aber in Deinem Lächeln
hattest Du eine Bohne zwischen den Zähnen
Bombe!

bk