FEBRUAR
2003

 
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Die Literatur als Ursprung unserer heutigen Redewendungen

Sie sind alltäglich. Fallen in der einen oder anderen Situation. Wir haben sie von kleinauf gelernt. Aber woher kommen Sie? - unsere Redewendungen.

Viel Lärm um Nichts wird oftmals gemacht, wenn man die aufbauschensten Geschichten hört und gerade deswegen ist es keineswegs Verlorene Liebesmüh, den wahren Ursprüngen unserer heutigen Redewendungen auf den Grund zu gehen. Aber wer ist sich bereits bei diesen Worten bewußt, Shakespeare zu zitieren? Die Titel seiner Komödien „Much Ado About Nothing“ und „Love's Labour‘s Lost“ wurden mit diesen unseren heutigen Redewendungen übersetzt.

Auch Goethe ist allgegenwärtig durch seine Verse im „Faust“: Grau, treuer Freund, ist alle Theorie. Schon damals haftete dem Adjektiv „grau“ ein negativer Symbolwert an im Sinne von „farblos, eintönig, unlebendig“. In Tradition Goethes werden auch heute damit Ansätze bezeichnet, die nur theoretisch denkbar scheinen und in der Praxis noch nicht bewiesen sind.

Als der griechische Philosoph Platon um 380 v. Chr. sein Werk „Das Gastmahl“ („Symposion“) schrieb, hätte er sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, fast 2200 Jahre später Element unserer Rede zu sein, in die sich die Wendung platonische Liebe seit dem 18. Jahrhundert integrierte. In Platons „Symposion“ unterhalten sich einige Philosophen über die verschiedenen Formen und Funktionen der Liebe (des Eros). Wenn wir allerdings heute darunter die nicht sexuelle Liebe zwischen Männern und Frauen verstehen, so meinte Platon damals diese zwischen Männern und Jünglingen, die er aus dem sinnlichen in den geistig-seelischen Bereich erhob. Heutzutage führt platonische Liebe wahrscheinlich manchmal zu Mißverständnissen und das eine oder andere Mal kann es vielleicht auch passieren, dass einem in Erklärungsnot die Leviten gelesen werden.

Seit dem 8. Jahrhundert ist diese mittelalterliche Sitte bekannt, die aber ursprünglich bedeutete, den Geistlichen aus dem „Leviticus“ (3. Buch Mose), den Vorschriften für Priester und Leviten, vorzulesen. Bereits zu dieser Zeit verstand man darunter durchaus eine Art von Strafpredigt. Die Leviten waren im frühen Mittelalter die Gehilfen des Priesters. Ihre Bezeichnung geht auf die Angehörigen des isrealischen Stammes der Leviten zurück, die ursprünglich als Priester, dann als Tempeldiener tätig waren und alle sieben Jahre das Gesetz vorlesen mussten.

Die Literatur ist nicht die einzige Wiege unserer Redewendungen. Sie stammen aus Geschichte, Bibel, Alltagsbräuchen und vielem anderen. Für einige Entdeckungsreisen in deren Geschichte gibt es den Duden "Redewendungen: Wörterbuch der deutschen Idiomatik", Duden Verlag, 2002.

tm