OKTOBER
2009

 
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SPRACHE

UNSERDEUTSCH
Eine deutschbasierte Kreolsprache

Deutsch auf Papua-Neuguinea? Nicht ganz, denn das Unserdeutsch, das dort auch nur noch von sehr wenigen Leuten gesprochen wird, ist eine eigene Sprache. Sie entstand während der Kolonialzeit und hat eine eigene Grammatik.


Das Besondere am Unserdeutschen ist, dass es sich dabei – neben verschiedenen z. B. auf dem Englischen, Französischen, Portugiesischen, Spanischen oder Niederländischen beruhenden Kreolsprachen – um die einzige deutschbasierte Kreolsprache handelt. Kreolsprachen entstanden während der Kolonialzeit. Kolonialisten und angestammte Bevölkerung mussten einen Weg finden, miteinander zu kommunizieren. So entstanden sehr einfach strukturierte Hilfssprachen, die großteils auf dem Wortschatz der jeweiligen europäischen Sprache gründeten, aber stark vereinfacht und um Elemente aus der Sprache der dortigen Bevölkerung ergänzt wurden. Diese Hilfssprachen, die meist auf wenige Lebensbereiche beschränkt waren, nennt man Pidgin. Wenn ein solches Pidgin aber zur Muttersprache einer Sprechergemeinschaft wird, so spricht man von einer Kreolsprache. Die Herkunft des Wortes Kreol ist übrigens nicht genau geklärt. Es könnte sich vom portugiesischen „crioulo“, das einen in der Kolonie geborenen Europäer bezeichnet, oder vom spanischen „criar“ (aufziehen, ernähren) herleiten.

Ein solcher Wandel zur Muttersprache fand beim Unserdeutschen statt und machte es zur Kreolsprache. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Kolonie Deutsch-Neuguinea. Dort mussten die Missionsschwestern von Vunapope in der Nähe der Stadt Rabaul mit den von ihnen betreuten Waisenkindern kommunizieren. Und auch in der Schule wurde eine gemeinsame Sprache benötigt. So entstand das Unserdeutsch oder auch Rabaul Creole German.

V. a. der Wortschatz des Unserdeutschen liegt sehr nahe an der deutschen Sprache. So kann man den Satz „Der Koenig dann sagen zu sie“ aus Rumpelstilzchen oder die Worte „I bezeugen, O mein Gott, Du has geschaffen mi“ aus einem Gebet sicherlich leicht verstehen. Dennoch hat das Unserdeutsch sich dem einheimischen Lautinventar angepasst und besitzt seine eigene Grammatik: So gibt es nur einen einzigen Artikel (der), die Mehrzahl wird durch das Wörtchen „alle“ markiert etc.

Neben dem Unserdeutschen als Kreolsprache existiert z. B. auch das Küchendeutsch oder Namibian Black German in Namibia, das allerdings nur eine Pidginsprache darstellt. Während der Kolonialzeit gab es auch Bestrebungen, ähnlich den Pidginsprachen künstliche Hilfssprachen zu entwerfen. So das Kolonial-Deutsch des Kolonialbeamten Emil Schwörer oder das als völkerübergreifende Verständigungssprache gedachte Weltdeutsch. Allerdings war diesen Projekten kein Erfolg beschieden bzw. versandeten sie, bevor sie überhaupt richtig begonnen wurden.

Auch das Unserdeutsch wird heute nur noch von sehr wenigen Sprechern – man schätzt ihre Zahl auf ca. 100 Personen, die außerdem allesamt noch mehrere andere Sprachen sprechen – beherrscht. Sie leben auf Papua-Neuguinea und im Südosten von Queensland in Australien.

Gebet der Bahai auf Unserdeutsch: http://de.wikipedia.org/wiki/Unserdeutsch
Rumpelstilzchen auf Unserdeutsch: http://www.uni-koeln.de/gbs/unserdeutsch/rumpelstiltskin.html

bk

© ceryx.de

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