FEBRUAR
2003

 
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SPRACHE


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Unwort des Jahres

Alle Unwörter des Jahres seit 1991 unter
www.unwortdesjahres.org/unwort_g.html

Seit 1991 wählt die "Sprachkritische Aktion 'Unwort des Jahres'" jährlich einen Begriff aus der öffentlichen Sprache, der im jeweiligen Jahr besonders negativ aufgefallen ist. Das Rennen für 2002 hat die Ich-AG gemacht, ein Terminus aus dem "Hartz-Papier", der, so die Jury, bereits sachlich unter "lächerlicher Unlogik" leide, da ein Individuum keine Aktiengesellschaft sein könne. Auch als ironisches Bild sei das Wort nicht hinzunehmen, da sich die aktuelle Arbeitslosigkeit mit dieser Art von Humor kaum vertrage. Am schlimmsten aber sei "die Herabstufung von menschlichen Schicksalen auf ein sprachliches Börsenniveau".

Auf Platz zwei brachte es der Begriff Ausreisezentrum, ein Euphemismus, der freiwillige Auswanderung oder gar Urlaubsreisen evoziert, in Wirklichkeit aber ein Sammellager für abgewiesene Asylanten meint.

Nur auf Platz drei ist der Zellhaufen gekommen, eine biotechnische Verdinglichung von menschlichem Leben, die den ersten Platz verdient hätte. Einen sogenannten "Zellhaufen" kann man natürlich viel leichter manipulieren oder töten als einen "menschlichen Embryo".

Bis 1994 wurde das "Unwort des Jahres" im Rahmen der Gesellschaft für deutsche Sprache gekürt, bevor sich die Jury nach einem Konflikt mit dem Vorstand selbständig machte. Sie versteht sich keinesfalls als Zensurinstanz, sondern will mit ihrer Aktion lediglich zu mehr sprachkritischer Reflexion anregen. Jedes Jahr sucht die aus unabhängigen Mitglieder bestehende Jury sprachliche Missgriffe aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Kultur und Medien, die sachlich unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen. Jeder Bürger kann das ganze Jahr über Vorschläge einreichen; die "heiße Phase" liegt aber zwischen Oktober und Anfang Januar, bevor die Jury dann das Unwort des vorangegangenen Jahres kürt.

Die Häufigkeit eines eingereichten Vorschlags ist allerdings nicht ausschlaggebend, da man so möglichen Manipulationen vorbeugen will. So wurde dieses Jahr vor allem George W. Bushs Begriff von der Achse des Bösen vorgeschlagen, der von der Jury deshalb nicht aufgegriffen wurde, weil kein deutscher Politiker oder Journalist ihn ernsthaft gebraucht hätte, ohne sich von ihm zu distanzieren.

aw