SEPTEMBER
2002

 
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Was heißt'n das: "Messie"

 

Mes-sie

Messie - das klingt eigentlich ganz niedlich, wie ein Kosename. Doch hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich etwas ganz anderes - Müllberge nämlich, Sammelwut, unüberwindbares Chaos, Dreck, dem man nicht mehr Herr werden kann, Schamgefühle und soziale Isolation.

"Messie" kommt von dem englischen Wort mess - das Chaos, die Unordnung. Und nicht umsonst bedeutet to be in a mess im übertragenen Sinne "sich in einem schlimmen Zustand befinden". Denn die Messies leiden sehr unter der Unfähigkeit ihren Haushalt zu organisieren. Das geht weit über das "ganz normale Chaos", das wohl jeder kennt, hinaus und ist eine ernst zu nehmende psychische Krankheit.

Betroffen sind Menschen aller Altersklassen. Meist beschränkt sich ihr "Messie-Sein" auf ihren Haushalt; im Berufsleben kennt man sie als korrekte, zuverlässige und hilfsbereite Mitarbeiter. Wer unter dem Messie-Syndrom, oder auch Vermüllungssyndrom leidet, versucht dies nach Kräften zu verbergen, igelt sich in seinem Chaos ein, grübelt darüber nach, wie er es verheimlichen und beseitigen könnte, weiß nicht wo er anfangen soll, kurz, fühlt sich einfach überfordert. All dies ist mit einem unvorstellbarem Kraftaufwand verbunden; für das eigentliche Aufräumen bleibt keine Energie mehr.

Die Ursachen dieser Krankheit können individuell sehr unterschiedlich sein: Oft haben die Betroffenen ein mangelndes Urvertrauen. Besonders bei alten Menschen, die den Krieg miterlebt haben, entsteht die Sammelwut aus Verarmungsängsten heraus. Traumatische Erlebnisse, wie der Verlust des Partners o.ä., können ebenfalls zu der Herausbildung des Messie- Syndroms führen.

Lange Zeit sprach niemand über diese Krankheit; erst vor wenigen Jahren wendete sich die Forschung der Thematik zu und die Messies erfuhren, dass es auch andere Menschen mit denselben Problemen gibt. Heute gibt es eine Vielzahl von Selbsthilfegruppen und Therapieangeboten.

jn