APRIL
2003

 
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Was heißt'n das: "Pomeranze"

Po-me-ran-ze /
Land-po-me-ran-ze

Wir danken Robert für die Frage nach der Pomeranze.
Wer sonst noch ein Wort erklärt haben möchte,
schicke es an
redaktion@ceryx.de.

Als Landpomeranze betitelt man etwas abwertend ein unbeholfenes, einfältiges Mädchen vom Lande, das sich mit den Sitten und Gebräuchen der großen, weiten Welt nicht auskennt. Woher aber stammt diese Bezeichnung?

Eine Pomeranze ist ein Zitrusgewächs, dessen bittere Schale gerne als Gewürz verwendet wird. Des weiteren trägt auch der Baum, an dem die Pomeranze reift, den gleichlautenden Namen. Das Wort Pomeranze stammt aus dem Italienischen und ist eine Zusammensetzung aus pomo - Apfel und arancia - bittere Apfelsine.

So weit so gut, aber dies klärt noch nicht, warum man jene "Landeier" Pomeranzen nennt. Die Antwort auf diese Frage findet sich wahrscheinlich in einem Tiroler Märchen.

Demzufolge lebte einmal ein reicher Grafensohn, der sich standhaft weigerte, eine Frau zu heiraten, die von einer Mutter geboren worden war. Auf der Suche nach einer Braut, begegnete er einem alten Mütterlein, die ihm den Weg zu einem Haus wies, in dem er nach schweren Prüfungen zu einem Tisch gelangte, auf dem Pomeranzen lagen.

Als er eine dieser Früchte aufschnitt, stieg eine wunderschöne Jungfrau heraus, in die der Grafensohn sich Hals über Kopf verliebte. Dennoch ließ er die schöne Jungfrau alleine zurück um einen Wagen zu holen, der sie in seine Grafschaft bringen sollte, wo sie heiraten wollten.

Der Jungfrau wurde die Wartezeit alsbald gar zu lang und so erzählte sie in ihrer Einfalt den Nachbarn vertrauensvoll, was sich zugetragen hatte. Leider handelte es sich bei den Nachbarn um böse Hexen, die der Jungfrau ihr Glück nicht gönnten und sie kurzerhand mit einem Nadelstich in eine Taube verwandelten.

Als der Grafensohn nun zurückkehrte fand er an Stelle seiner Geliebten eine hässliche Hexe vor, die behauptete, sie sei es gewesen, die aus der Pomeranze gestiegen war und den Grafensohn an sein Heiratsversprechen erinnerte. So blieb ihm nichts anderes übrig, als mit der bösen Hexe in seinem Wagen abzufahren.

Wie sie da so fuhren, flog eine Taube um den Wagen herum, die war so anmutig, dass der Grafensohn sie auf seinen Schoß nahm und streichelte. Und siehe da - er entdeckte die winzige Nadel, die in ihrem Kopf steckte und zog sie heraus. Sofort verwandelte sich die Taube in seine schöne Jungfrau.

Der Graf warf die garstige Hexe aus dem Wagen und fuhr mit seiner Geliebten heim, wo das Paar glücklich heiratete.

Goethe hat das Thema Pomeranze poetisch wie folgt bearbeitet:

AN SEINE SPRÖDE

Siehst du die Pomeranze?
Noch hängt sie an dem Baume;
Schon ist der März verflossen,
Und neue Blüten kommen,
Ich trete zu dem Baum
Und sage : Pomeranze,
Du reife Pomeranze,
Du süße Pomeranze,
Ich schüttle, fühl, ich schüttle,
O fall in meinen Schoß!

jn