JUNI
2009

 
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MUSIK

DIE URUGUAYISCHE BAND NO TE VA A GUSTAR
Es wird euch gefallen

Dem Namen der Band No te va a gustar („Wird dir nicht gefallen“) kann man bezogen auf ihre Musik getrost widersprechen. Bester Beleg dafür sind die Konzerthallen, die die uruguayische Band in ihrer Heimat füllt. Und die wachsende Beachtung, die sie mittlerweile auch in Europa erfährt.


Ihren Reiz habenNo te va a gustar zum einen ihrer Besetzung zu verdanken, die über die einer normalen Rock-Band hinausgeht: Zu Gitarre/Gesang, Schlagzeug und Bass kamen 1997, drei Jahre nach der Gründung der Band, Trompete, Posaune, Saxophon, Percussion, Keyboard und manchmal ein zweiter Gitarrist hinzu. Zum anderen ermöglicht dies ihren vielfältigen und originellen Stil, der von unterschiedlichen Einflüssen geprägt ist. Neben Rock und Punk finden sich Elemente aus karibischem Reggae, Salsa-Rhythmen, aber auch Candombe, einem uruguayischen Tanzstil im 2/4-Takt und mit Trommeln als Rhythmus-Instrument. Die Zeitung Nación (23.03.09) aus Costa Rica charakterisiert die Bandbreite mit einem treffenden Wortspiel: „Claro está es una banda de rock, pero sus propuestas sonoras la hacen casi una banda elástica“ („Klar handelt es sich um eine Rockband, aber ihrem klanglichen Spektrum nach zu gehen sind sie eher ein musikalisches Gummiband“). Die Band selbst beschreibt auf ihrer Webseite ihren Stil als eine Mischung „entre lo autóctono y lo cosmopolita“ („aus traditionellen, eingesessenen und kosmopolitischen Klängen“).

Seit ihrer Gründung wuchs der Erfolg stetig. Nach einem gewonnenen Nachwuchswettbewerb für uruguayische Bands touren sie durch das Land und bringen 1999 ihre erste CD („Solo de noche“) heraus. Darauf folgen bis heute fünf weitere. Mit der zweiten CD („Este fuerto viente que sopla“) gewinnen sie in Uruguay Platin. Dort und auch im Nachbarland Argentinien füllen sie mittlerweile große Stadien bzw. müssen mehrere Male spielen, um dem Ansturm der Konzertbesucher Herr zu werden. Eine Konzertarena mit 20.000 Besuchern zu füllen ist an sich schon eine Leistung, umso mehr, wenn man bedenkt, dass ganz Uruguay nur ca. 3 Millionen Einwohner hat. Aber nicht nur in Uruguay, Argentinien und generell in Lateinamerika treten No te va a gustar auf. Auch nach Europa haben sie es auf ihren Touren geschafft (u. a. Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Spanien).

Gerade vor wenigen Wochen waren sie in Berlin. Nach der Vorstellung ihrer sechsten und neuesten CD („El camino más largo“) im Velodrom von Montevideo Mitte März 2009 spielten sie im Mai diesen Jahres in Deutschland und in Spanien. Auf der neuen CD befinden sich 14 Lieder, die von Rock („Niño“, „Navegar“) über Reggae („El camino“, „El mismo canal“) zu Punk („Rata“) oder Ska („Esta plaga“) reichen, dabei aber durch die lateinamerikanische Einfärbung dennoch ein Gesamtkunstwerk bilden. Neben mitreißenden, schnellen Stücken – z. B. „Mirarte a los ojos“ mit einer großartigen Ukulelen-Eingangssequenz – finden sich auch ruhigere Lieder wie „Solo tu boca“.

Dass ihre Musik das Publikum begeistert, war auch ganz klar bei dem Konzert in Berlin Anfang Mai im Glashaus der Arena zu spüren. Auch wenn es sich von den Besucherzahlen her für No te va a gustar eher um einen kleineren Auftritt (verglichen mit den Konzerten in Uruguay) gehandelt hat, so wurden sie doch vom Publikum hartnäckigst zu mehreren Zugaben genötigt. Im Tourtagebuch auf ihrer Internetseite ist zu lesen: „Acabamos de tocar en berlin, no sé que le pasa a la gente acá pero piden bises a más no poder. siguieron aplaudiendo y pidiendo más como diez minutos después de terminado el show, lo mismo pasó en 2007. súper cálidos los alemanes, a pesar del prejuicio que tenemos de que son fríos“ („Wir haben gerade in Berlin gespielt, und ich weiß nicht, was in die Leute dort gefahren ist, aber sie wollen Zugaben bis zum Abwinken. Sie haben noch zehn Minuten nach Ende des Konzerts weitergeklatscht und nach Zugaben gerufen, das war schon 2007 so. Total heiß, die Deutschen, im vollem Gegensatz zu unserem Vorurteil, dass sie eher unterkühlt sind“. Nun, diese unerwartete Heißblütigkeit der Deutschen kam nicht von ungefähr. No te va a gustar und die uruguayische Musik werden ihnen schon eingeheizt haben.

bk

Abb.: No te va a gustar, „El camino más largo“, 2008.

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