NOVEMBER
2004

 
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MUSIK


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Liang Shanbo und Zhu Yingtai: Chinas Romeo und Julia







Romeo und Julia - die Liebesgeschichte par excellence in der westlichen Kultur - regte, nachdem Shakespeare sie im 16. Jahrhundert berühmt gemacht hatte, nicht wenige musikalische Umsetzungen an: Charles Gounod schrieb die Oper "Roméo et Juliette", Hector Berlioz komponierte eine dramatische Symphonie, ebenso basiert Peter Tschaikowskys Fantasieouvertüre "Romeo i Dzul'etta" auf dem Stoff wie auch nicht zuletzt Sergej Prokofjevs Ballett "Romeo et Juliette" oder das Musical "Westside Story". Was weniger bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass es in China eine ganz ähnliche und dort ebenso bekannte Liebesgeschichte gibt: "Butterfly Lovers", das Schmetterlingsliebespaar. Und auch dort inspirierte die Geschichte Künstler und Komponisten z. B. zu einem sehr bekannten Violinkonzert.

Die Geschichte der beiden Liebenden handelt von Liang Shanbo und Zhu Yingtai, die auch oft als Chinas Romeo und Julia bezeichnet werden. Die Geschichte ist aber um einiges älter als Shakespeares Drama und dessen Vorläufer: Sie spielt im 4. Jahrhundert. Ein hübsches Mädchen, Zhu Yingtai, das als Junge verkleidet verreist, verliebt sich in den armen Liang Shanbo. Zuerst sind sie befreundet, dann aber gelingt es Zhu Yingtai, sich Liang Shanbo ohne ihre Verkleidung zu zeigen und ihre Liebe wird erwidert. Allerdings scheitert, wie auch bei Romeo und Julia, die Liebe am Zwang durch die Familien. Zhu Yingtai ist bereits an einen reichen Herrn versprochen. Zhu Yingtai lehnt sich dagegen auf und stürzt sich in den Tod. Liang Shanbu folgt ihr. Jedoch erweicht Zhu Yingtai das Herz der Götter durch ihre Klagen derart, dass die beiden Liebenden nach dem Tod als Schmetterlinge dem Grab entsteigen.

Derzeit bewirbt sich China bei der UNESCO dafür, die Legende in das nichtmaterielle Weltkulturerbe 2006 aufzunehmen. Dafür haben sogar alle sechs Städte, die beanspruchen Ursprungsort der Geschichte zu sein, beschlossen fürderhin an einem Strang zu ziehen, um die Bewerbung voranzutreiben. Angesichts der Wichtigkeit, die die Geschichte also für Chinas Kultur darstellt, ist es nur natürlich, dass sie in vielen traditionellen Opern, Filmen, etc. eingegangen ist. Besonders bekannt ist aber ein modernes Violinkonzert, das den Stoff aufgreift.

Komponiert wurde das Violinkonzert "Liangzhu" oder "The Butterfly Lovers" von Gang Chen und Tan Hao He im Jahre 1958 - übrigens genau zwanzig Jahre nach der Uraufführung von Prokofievs Ballett. Seitdem ist es zu einem der bekanntesten und beliebtesten Stücke in China geworden. Für sinfonische Besetzung arrangiert, ist es auch für westliche Zuhörer nicht schwer zu erschließen. Dennoch ist die Melodieführung eindeutig chinesisch. Auch wenn das 25 bis 30 Minuten lange Konzert keine einzelnen Sätze aufweist, kann man doch aufeinanderfolgende Etappen, wie das Kennenlernen der beiden Hauptpersonen, das Fehlschlagen der Hochzeitspläne und die Verwandlung heraushören. Auf alle Fälle bieten die schönen Melodien, die einem förmlich die Vorstellung von chinesischen Gärten und exotischer Schönheit erwachsen lassen, einen einfachen und zugleich doch eindrücklichen Zugang zu chinesischer Musik.

Im Gegensatz zu Romeo und Julia steht bei Liang Shanbo und Zhu Yingtai aber das versöhnlichere Ende. Immerhin dürfen die unglücklich Verliebten als Schmetterlinge weiterleben. Prokofiev überlegte übrigens auch, ob in seinem Ballett Romeo nicht überleben könnte. Allerdings weniger aus Mitleid mit dem Schicksal des Liebespaares, sondern aus praktischen Gründen: Ein totes Liebespaar kann nicht mehr tanzen.

bk