MAI
2003

 
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"Eliza": Ein netter Plausch mit dem Computer?
"Hallo, ich bin Eliza. Erzähle mir von Deinem Problem...". So oder ähnlich könnte die Begrüßung lauten, wenn man sich mit Eliza unterhalten möchte. Eliza ist von Beruf Therapeutin, geht inzwischen auf die vierzig zu und hört sich geduldig jede Art von Sorgen und Problemen an. Doch halt, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Auf die Couch wird man sich dabei wohl nicht legen müssen, eher vor den Computer setzen. Denn Eliza ist ein Computerprogramm. Aber kann sich denn ein Computerprogramm unterhalten und einen psychotherapeutischen Dialog führen?

Auf den ersten Blick sieht es so aus. Eliza stellt Fragen, die auf die Eingaben des Gesprächspartners eingehen, reagiert mit vollständigen Sätzen auf die Sorgen des "Patienten" und ermuntert ihn weiterzuerzählen. Aber früher oder später wird man an ihre Grenzen stoßen, je nachdem wie raffiniert Eliza programmiert ist. Die ursprüngliche Idee stammt von Joseph Weizenbaum vom Massachusetts Institute of Technology, der als erstes die virtuelle Psychotherapeutin erschuf. Das Prinzip beruht darauf, dass ein Therapeut im wesentlichen Fragen stellt und den Patienten zur Schilderung seiner Probleme animiert. Dazu muss er eigentlich selbst nichts aussagen, sondern nur die Äußerungen des Gegenübers aufgreifen und nachhaken. Und das kann Eliza wirklich gut: Durch die geschickte Identifizierung von Schlüsselwörtern in den Eingaben, die Eliza dann weiterverwendet oder mit Ober- oder Unterbegriffen verknüpft, durch geeignete Umstellung der eingegebenen Sätze oder durch geschickt plazierte Standardantworten und Fragen gelingt es in gewissem Maße, die Illusion eines Gesprächs zu schaffen. Deshalb ist wegen der einfacheren Grammatik Eliza fürs Englische auch einfacher und besser zu programmieren als z.B. fürs Deutsche.

Dabei versteht Eliza natürlich von alledem, was ihr anvertraut wird und worauf sie scheinbar gezielt reagiert, selbst nichts. Damit wird das Programm auch den sogenannten Turing-Test nicht bestehen. Dabei handelt es sich um einen Vorschlag Alan Turings, wie man feststellen kann, ob ein Programm wirklich intelligent ist. Danach soll eine Versuchsperson nicht unterscheiden können, ob bei einem Gespräch über eine Computerverbindung die Antworten von einer zweiten Versuchsperson oder vom Computer stammen. Ein Einwand gegen die Tauglichkeit dieses Tests fand allerdings Ned Block. Da man in endlicher Zeit nur eine endliche Anzahl von Gesprächen führen kann, wäre es theoretisch möglich, all diese Dialoge schon vorher im Computer zu speichern, sodass dieser den Turing-Test mit Bravour besteht ohne über Intelligenz zu verfügen.

Solch intelligentes Verhalten, das dem Verhalten des Menschen ähnelt, wäre aber gerade das Ziel der Forschungsrichtung Künstliche Intelligenz, aus deren Anfangszeit das bis heute noch bekannte Eliza-Programm stammt. Eliza verfügt allerdings nicht über Problemlösungs-, Planungs-, Wissensrepräsentations-, Lern- oder Sprachverarbeitungsfähigkeiten. Als die Künstliche Intelligenz in den 50er Jahren als wissenschaftliche Disziplin aufkam, war man aber sehr optimistisch, schnelle Fortschritte machen zu können. Bis heute mussten jedoch die Erwartungen heruntergeschraubt werden. Mathematische Theoreme können Computer bis heute nicht entdecken und beweisen, wie man damals z.B. erwartet hatte.

Interessant ist übrigens auch der "Eliza-Effekt". Obwohl Eliza nicht über tatsächliche - schon gar nicht über kommunikative Verhaltensweisen wie Emotionen, die über die rein sprachliche Verständigung herausgehen -, sondern nur über vermeintliche Fähigkeiten verfügt, versucht mancher dennoch ein echtes Gespräch mit dem Programm zu führen oder bestimmte Reaktionen von Eliza zu provozieren. Es besteht also die Tendenz menschliches Verhalten in Systeme hineinzuprojizieren und den Computer zu überschätzen. Davor warnte auch Weizenbaum in seinem Aufsatz "Computer Power and Human Reason".

Wer sich spaßeshalber einmal von einem Computer analysieren lassen möchte findet im Internet zahlreiche Versionen von Eliza. Dann kann es einem sogar passieren, dass Eliza bei der Verabschiedung schon den Brief mit der Honorarrechnung ankündigt. Natürlich nur ein Scherz des Programmierers, denn auch Geschäftstüchtigkeit ist bei Eliza nur simuliert.

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