AUGUST
2003

 
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LITERATUR


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Literatenstraßen: Johann Peter Uz

Das abgebildete Straßenschild findet sich in Ansbach (Mittelfranken), der einstigen Residenzstadt der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Da in der Straße auch das einstige Wohnhaus des Dichters steht, trug sie zu Ehren des bedeutendsten Vertreters der deutschen Anakreontik bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Namen Uzens-Straße.

ZUR ZUSAMMENFASSUNG DES ARTIKELS

Johann Peter Uz kam am 3. Oktober 1720 in der fränkischen Residenzstadt Ansbach zur Welt. Er war der einzige das Jünglingsalter überlebende Sohn des Goldschmieds Friedrich August Uz und dessen aus der Schwabacher Goldschmiedefamilie Reisenleiter stammenden Ehefrau Elisabeth. Allerdings arbeitete sein Vater nicht in seinem erlernten Beruf. So stand dieser bereits als Inspektor des fürstlichen Laboratoriums und Aufseher über eine Lederfabrik in staatlichen Diensten. Johann Peter Uz besuchte bis 1739 das heimische, aus einer alten Lateinschule hervorgegangene Gymnasium Carolinum illustre und ging dann nach Halle/Saale, um dort hauptsächlich Jurisprudenz, aber auch Philosophie und Geschichte zu studieren. Dort fand in der Rengerschen Buchhandlung die schicksalhafte Begegnung mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim statt.


Ansicht des Uz-Hauses in Ansbach

Die beiden einte der Wunsch nach gefühlsbetonter Jünglingsfreundschaft und ausgelassener Daseinsfreude. Zusammen mit Johann Nikolaus Götz und dem früh verstorbenen Paul Peter Rudni[c]k vereinigten sie sich zu einem empfindsamen Musenkleeblatt, dem sog. Halleschen Dichterkreis. In ausgelassenen Rosen- und Becherfesten huldigten sie dem Geist des griechischen Lyrikers Anakreon. Dabei übertraf Uz seine Freunde in Frohsinn und Übermut erheblich. Er konnte stundenlang tanzen und war von solch einem Drang nach choreographischer Bewegung, daß er ein größeres Zimmer anmieten mußte. Ihre Schäferpoësie, in der sich die antikisierten Jünglinge zu immer neuen Freundespaaren vereinigten, sollten Lebensgefühl und Kunstgeschmack einer ganzen Generation beeinflussen.

Die vier wurden stark durch den damals in Halle lehrenden Alexander Gottlieb Baumgarten und dessen Schüler Georg Friedrich Meyer beeinflußt. Sie hörten deren philosophische Vorlesungen und befaßten sich eingehend mit den Schriften zur Kunstkritik, darunter Meyers 1744 erschienene „Gedancken von Schertzen“. An die Kunsttheorie dieser Philosophen knüpfte der Hallenser Dichterkreis auf allen Ebenen seiner Poësie an. Allerdings hatte Uz darüber hinaus ein weit tieferes philosophisches Wissen als seine Freunde erworben. So stellt Uz mit seinem großen ästhetisch-theoretischen und poëtologischen Interesse auch eine Ausnahme unter den Anakreontikern dar. Jedoch wollte er selbst keine Ars poetica der Zärtlichkeit - also eine Poëtik der Anakreontik - verfassen.

1743 wollte er sein Studium in Leipzig fortsetzen. Er blieb dort jedoch nur ein Semester, denn bereits im August ging er auf Befehl seiner Mutter (sein Vater war bereits verstorben) zurück nach Ansbach. Hier lebte er - aus seiner Gefühlsseligkeit herausgerissen - im Elternhaus mit Mutter und zwei älteren Schwestern in bescheidenen Verhältnissen. Oftmals klagte er darüber, daß er sich in seiner Heimatstadt wie in einer Wüste vorkäme. Ihm, dem an einer poëtisch orientierten Lebensform und einer anakreontisch geprägten Geselligkeitskultur so viel gelegen war, fehlte es hierzu an Gleichgesinnten. Um so bedeutender wurde für ihn der briefliche Kontakt zu seinen Hallenser Freunden. Gemeinsam mit Götz übersetzte er 1746 Die Oden Anakreon in reimlosen Versen. Aber auch seine eigenen Werke entstanden in engem Kontakt zu seinen Freunden. Ihnen sandte er alle Entwürfe vor Drucklegung zu.

1748 wurde er zum Sekretär am Ansbacher Justizratskollegium ernannt. Hierbei hat sich bei fast allen Biographen die irrige Auffassung eingebürgert, Uz hätte diese Stelle gut fünfzehn Jahre lang ohne Einkommen bekleidet. Dabei hätten er und seine Angehörigen bei den Teuerungen, die in jenen Jahren in Ansbach herrschten, kaum alleinig vom ererbten Vermögen leben können. So macht auch der Nekrolog Schlichtegrolls deutlich, daß Uz diese Stelle lediglich ohne Pensionsansprüche innegehabt habe. Nach damaligem Sprachgebrauch war eine Pension ein zusätzliches Gnaden-Geld, das jemand für Verdienste oder aus (landesherrlicher) Gunst ohne besondere Gegenleistung erhielt.

1749 gab Gleim die „Lyrischen Gedichte“, Uzens erstes eigenes Werk, heraus und versah dieses mit einer Vorrede. Als programmatisch erweist sich „Die lyrische Muse“, das erste der neunundzwanzig Gedichte:

Denn nur von Lust erklingt mein Saitenspiel,
Und nicht von Leichenvollem Sande
Und kriegrischem Gewühl
Und vom gekrönten Sieg im blutigen Gewande.

Das Werk bietet eine breite Palette anakreontischer Motive. So die Macht der Liebe im Gedicht „An Amor“, der Lob des Weines in „Die Weinlese“, die Schäferidylle in „Morgenlied der Schäfer“ oder der Frühling als Lebensspender in „Frühlingslust“. Des weiteren lobt er das einfache Landleben gegenüber dem höfischen (in „Die Zufriedenheit“) und dem städtischen (in „Die Muse bey den Hirten“). Gegen Buchgelehrsamkeit und Metaphysik stellt Uz das Ideal des Weisen auf dem Lande.

Vom 16. Mai 1752 an hielt sich Uz für längere Zeit dienstlich in Römhild auf. 1710 war es nach dem Tode des kinderlosen Herzogs Heinrich zu Erbstreitigkeiten unter verschiedenen sächsisch-thüringischen Fürstentümern gekommen. Diese eskalierten, als Herzog Anton Ullrich von Sachsen-Meiningen 1752 eigenmächtig Amtsstellen besetzen ließ, die vertragsgemäß gemeinsam zu besetzen gewesen wären. Als Einsprüche des kaiserlichen Hofes nichts bewirkten, wurde eine Exekutionskommission nach Römhild entsandt, der auch Uz als Sekretär beigeordnet war. Da sich Anton Ullrich unbeugsam zeigte, zog sich der Aufenthalt der Kommission bis Oktober 1753 hin, als dieser endlich einem Verglich zustimmte.

In Römhild verlebte Uz nach eigenem Urteil die glücklichste Zeit seines Lebens. Dort traf er auf den vier Jahre jüngeren Advokaten Johann Peter Grötzner. Beide konnten sich die Intensität ihrer Gefühle füreinander nicht erklären. Als sie jedoch die merkwürdige Gleichheit ihrer Familienwappen entdeckten, führten sie ihre Zuneigung auf die angebliche Verwandtschaft zurück. Diese Freundschaft - in die er auch Grötzners Schwester Elisabeth Johanna einbezog - sollte Uz zu seinen besten Liedern und Oden beflügeln. Auch Grötzner war Literaturkenner und schrieb selbst Gedichte, von denen jedoch nur wenige weit nach seinem Tode 1821 im „Koburger Taschenbuch“ erschienen. Diese intensive Verbindung sollte bis zum Tode Grötzners, 1783, halten. Der Briefwechsel der beiden ist - wie derjenige Uzens an andere geistesverwandte Zeitgenossen - nicht nur persönlichen, sondern auch philosophischen, ästhetischen und satirischen Inhalts und stellt beinahe selbst schon Literatur dar.

Oftmals läßt sich lesen, Elisabeth Johanna sei Uzens einzige Liebe gewesen. Er jedoch blieb zeit seines Lebens ehelos. Aus seiner späteren Begründung, daß sein Einkommen in jungen Jahren für einen eigenen Hausstand nicht ausgereicht hätte und er später zu alt zum Heiraten gewesen wäre, wollten viele Biographen schließen, daß er eine unbesoldete Sekretärsstelle innegehabt hätte. Vielmehr ist jedoch zu vermuten, daß er an Frauen eher ein geistig-lyrisches als ein erotisches Interesse hatte. Hierin dürfte er seinem Freunde Gleim wesensgleich gewesen sein. Dies zeigt sich in dessen späterem Austausch von erotischen Briefen mit Anna Louisa Karschin, der sich auf rein literarischer Ebene hielt und für Gleim - anders als für sie - immer nur Spiel blieb. Und als Gleim zum Erstaunen aller seiner Freunde selbst eine standesgemäße Ehe eingehen wollte und brüsk abgelehnt wurde, tröstete Uz ihn an 2. 10. 1753 mit einem langen Kunstschreiben, in dem der Ehegott Hymen als der Tod der wahren Liebe verspottet wird.

Ach! Hymen ists, und ihn verlangt ich nicht!
Wie Amor und sein Chor verschwand,
Sobald er neben sich den trägen Hymen fand,
Den ekelhaft Gepräng noch ekelhafter machet?
O schrecklich Wort: o Ehestand!
Mein Saitenspiel entschläft, und schlüpft mir aus der Hand

Einen weiteren Seelenverwandten sollte er, dem es in Ansbach so sehr an schöngeistigen Partnern fehlte, in seinem jugendlichen und unverheirateten Vorgesetzten, dem Freiherrn Johann Friedrich von Cronegk, finden. Er verehrte diesen als „standhaften Weisen“ und bedichtete ihn als Idealgestalt des Stoïkers. Als Cronegk 1758 im blühenden Alter von 27 Jahren an den Pocken verstarb, bemühte sich Uz um die Sammlung dessen dichterischen Werks. 1760/61 erschien die Erstausgabe, der er eine liebevolle Lebensbeschreibung Cronegks vorangestellt hatte.


Angeregt durch die allgemein positive Aufnahme seines ersten eigenen Werks (u. a. von Lessing), entschloß sich Uz zu einer aufs Doppelte vermehrten Neuauflage unter dem Titel „Lyrische und andere Gedichte“, die 1755 - und in verbesserter Form erneut 1756 - erschien. Auch wenn alle Aspekte, die der wohlwollenden Zeichnung Anakreons als Weisen (wie etwa Trunksucht) oder dem Sittenkodex des 18. Jahrhunderts (wie Knabenliebe) widersprachen, ausgeblendet blieben, lieferten die Werke doch Anlaß zu vielerlei Auseinandersetzungen. Zum einen waren es innerliterarische Streitigkeiten, an denen sich u. a. Wieland beteiligte. Zum anderen geriet Uz mit Überzeugungen des Piëtismus‘ in Konflikt - vor allem mit der Adiaphora-Lehre, nach der dem Menschen nur erlaubt sei, was bereits in der Bibel belegt wäre. Dabei hatte sich Uz selbst bereits mehr und mehr der ernsthaften weltlichen und geistlichen Dichtung zugewandt. Neben der von Herder gelobten hohen Ode „Theodicee“ von 1755, die Gedanken Leibniz‘ in Verse umsetzt, ist der dem Epikureertum verpflichtete „Versuch über die Kunst stets fröhlich zu seyn“ sein bedeutendstes Lehrgedicht.


Pastell-Bildnis Uzens
1763, also dreiundvierzigjährig, wurde er zum Assessor am in Ansbach ansässigen Kaiserlichen Landgericht im Burggrafentum Nürnberg ernannt. Für Gespräche diente ihm nur seine Zechgesellschaft. Darunter waren sein Kollege Georg Ludwig Hirsch und der Theologe Johann Zacharias Leonhard Jungheim, mit denen er gemeinsam 1773 bis 1775 eine Prosaübersetzung der Gedichte Horaz‘ herausgab. Als Johann Friedrich Degen 1176 als Lehrer ans Carolinum kam, fand Uz in diesem einen weiteren gleichgesinnten Gesprächspartner der sein Interesse an antiker Literatur teilte. Auf Grund des Einflusses seines Freundes Jungheim war er auch Ende der 70er Jahre Mitarbeiter am 1781 erschienenen „Neuen Anspachischen Gesangbuch“.

Hierin kommt u. a. in Uzens Neutextungen zu bekannten Liedern seine Naturbegeisterung zum Ausdruck. Durchaus dem aufklärerischen Denken verpflichtet, ist die Schöpfung für ihn wundervolle, von GOtt nach einem Plan gemachte Welt. Jedoch sei sie nicht für den Menschen allein erschaffen; er sei mit allen Wesen ebenso verwandt, wie von ihnen entfernt. Das Gesangbuch galt seinen Zeitgenossen als äußerst gelungen.

So muß es als besonderer Witz der Geschichte angesehen werden, daß der von vielen verehrte und auch besuchte Dichter dem eigenen Landesherren Alexander von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth lange Jahre gänzlich unbekannt geblieben war. Der Markgraf wurde erst während seines Rom-Aufenthalts auf Uz aufmerksam gemacht. Anläßlich eines Besuchs beim Papst, erklärte dieser ihm, daß er sich besonders freue, ihn zu empfangen, weil Alexander das Glück habe, einen der ersten Dichter in seinen Landen zu besitzen.

Dabei läßt sich aus Briefen allerdings erschließen, daß Uz seine eigentliche dichterische Produktion bereits um 1765 eingestellt hatte - und zwar im vollen Bewußtsein, daß er sich als Schriftsteller bereits überlebt habe. Nachdem Markgraf Alexander 1791 freiwillig zugunsten Preußens abgedankt hatte und als Privatmann nach England gegangen war, wurde Uz wenige Wochen vor seinem Tode noch zum Königlich-preußischen Justizrat und Direktor des Landgerichts Ansbach ernannt. Er selbst soll diese Rangerhöhung nur mit einem „So!“ kommentiert haben. Am 12. Mai 1796 verstarb er. Johann Peter Uz liegt in einer Gruft auf dem Ansbacher Heilig-Kreuz-Friedhof begraben. Seine Bibliothek von an die 5000 Bänden hat sich leider nicht erhalten. Allerdings gibt das Verzeichnis, das seine Schwester Esther Sophia anfertigen ließ, um die Sammlung verkaufen zu können, einen genauen Überblick.


Grabmal Uzens auf dem Ansbacher Heilig-Kreuz-Friedhof


Uz-Denkmal im Ansbacher Hofgarten

Auch wenn die anakreontische Lyrik an sich bereits als unmodern galt, blieb doch Uzens Œuvre bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in hohem Ansehen. So vertonte beispielsweise Franz Schubert einige seiner Lieder. Bürger der Stadt Ansbach ließen 1825 die durch C. A. von Heideloff geschaffene Bronzebüste im Hofgarten aufstellen. Die Inschrift lautet: „Dem Weisen, dem Richter, dem Menschenfreund seine Verehrer“. Wenn Uz heute im breiten Bewußtsein recht unbekannt ist, so mag dies wohl auch daran liegen, daß viele seiner Gedanken damals zwar neu waren, uns heutigen aber als selbstverständlich gelten.

Das mag manchen schöpferischen Menschen so ergehen, daß weiterlebt, was sie angestoßen haben, sie selbst jedoch vergessen sind. In germanistischen Kreisen gilt Uz zwar als der begabteste und vielseitigste unter den Anakreontikern. Als textkritische Ausgabe muß allerdings noch immer auf diejenige von 1890 zurückgegriffen werden.

Werkausgaben (Auswahl):
Uz, J. P.; Sämtliche poetische Werke; ed. Sauer, A.; (Deutsche Litteraturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts in Neudrucken 33-38); Stuttgart 1890 (Nachdruck Nendeln 1968).
Ders.; Briefe an einen Freund [= Grötzner] aus den Jahren 1753-1782; ed. Henneberger, A. v.; Leipzig 1886.
Schüddenkopf, C. (Hg.); Briefwechsel zwischen Gleim und Uz; (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 218); Tübingen 1899.

Literatur (Auswahl):
Grötzner, Ch.; Johann Peter Uz in Römhild; Würzburg 1930.
(Art.) Uz, Johann Peter.; in: Hergemöller, B.-U.; Mann für Mann. Ein biographisches Lexikon; Ffm 2001; S. 703-704.
Hoffman, V./Leibrock, F.; (Art.) Johann Peter Uz; in: Jens, W. (Hg.); Kindlers Neues Literatur-Lexikon; Bd. 16; München 1991; S. 984-986.
Killy, W.; (Art.) Uz; in: Killy, W./Vierhaus, R. (Hgg.); Deutsche biographische Enzyklopädie (DBE); Bd. 10; München 1999; S. 173.
Rohmer, E./ Verweyen, Th. (Hgg.); Dichter und Bürger in der Provinz. Johann Peter Uz und die Aufklärungen in Ansbach; (Frühe Neuzeit. Studien und Dokumente zur europäischen Literatur und Kultur im europäischen Kontext 42); Tübingen 1998.
Verweyen, Th./Witting, G.; (Art.) Uz, in: Killy, W. (Hg.); Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache; Bd. 11; Gütersloh/München 1991; S. 500-502.
Zeltner, H. R.; Johann Peter Uz. Von der „Lyrischen Muse“ zur „Dichtkunst“ (Diss.); Zürich 1973.


ZUSAMMENFASSUNG
Johann Peter Uz

Johann Peter Uz kam am 3. Oktober 1720 in der fränkischen Residenzstadt Ansbach zur Welt. Er besuchte bis 1739 das heimische Gymnasium und ging dann nach Halle/Saale, um dort hauptsächlich Jurisprudenz, aber auch Philosophie und Geschichte zu studieren. Dort traf er auf Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Die beiden einte der Wunsch nach gefühlsbetonter Jünglingsfreundschaft und ausgelassener Daseinsfreude. Zusammen mit Johann Nikolaus Götz und dem früh verstorbenen Paul Peter Rudni[c]k vereinigten sie sich zu einem empfindsamen Musenkleeblatt, dem sog. Halleschen Dichterkreis. In ausgelassenen Rosen- und Becherfesten huldigten sie dem Geist des griechischen Lyrikers Anakreon.

Im August 1743 mußte er auf Befehl seiner Mutter (sein Vater war bereits verstorben) zurück nach Ansbach. Oftmals klagte er darüber, daß er sich in seiner Heimatstadt wie in einer Wüste vorkäme. Es fehlte ihm an Gleichgesinnten. Um so bedeutender wurde für ihn der briefliche Kontakt zu seinen Hallenser Freunden. Gemeinsam mit Götz übersetzte er 1746 Die Oden Anakreon in reimlosen Versen. Aber auch seine eigenen Werke entstanden in engem Kontakt zu seinen Freunden.

1748 wurde er zum Sekretär am Ansbacher Justizratskollegium ernannt. 1749 gab Gleim die "Lyrischen Gedichte" heraus, Uzens erstes eigenes Werk, das eine breite Palette anakreontischer Motive bietet. Vom 16. 5. 1752 bis Oktober 1753 hielt sich Uz dienstlich in Römhild auf, wo er nach eigenem Urteil seine glücklichste Zeit verlebte. Hier hegte er enge Gefühle für den vier Jahre jüngeren Advokaten Johann Peter Grötzner. Dies sollte Uz zu seinen besten Liedern und Oden beflügeln.

1755 erschien die aufs Doppelte vermehrte Neuauflage Uzens Verse unter dem Titel "Lyrische und andere Gedichte" und erneut 1756 in verbesserter Form. Allmählich wandte er sich aber mehr und mehr der ernsthaften weltlichen und geistlichen Dichtung zu. Neben der von Herder gelobten hohen Ode "Theodicee" von 1755, die Gedanken Leibniz' in Verse umsetzt, ist der dem Epikureertum verpflichtete "Versuch über die Kunst stets fröhlich zu seyn" sein bedeutendstes Lehrgedicht.

1763, also dreiundvierzigjährig, wurde er zum Assessor am in Ansbach ansässigen Kaiserlichen Landgericht im Burggrafentum Nürnberg ernannt. Auf Grund des Einflusses seines Freundes Jungheim war er Mitarbeiter am 1781 erschienenen "Neuen Anspachischen Gesangbuch". Hierin kommt in seinen eigenen Texten eine aufklärerische Naturbegeisterung zum Ausdruck. Das Gesangbuch galt seinen Zeitgenossen als äußerst gelungen.

Um 1765 hatte er allerdings seine eigentliche dichterische Produktion bereits eingestellt - und zwar im vollen Bewußtsein, daß er sich als Schriftsteller bereits überlebt habe. Am 12. Mai 1796 verstarb er. Sein Grab befindet sich in einer Gruftkapelle auf dem Ansbacher Heilig-Kreuz-Friedhof. In germanistischen Kreisen gilt Johann Peter Uz als der begabteste und vielseitigste unter den Anakreontikern.