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LITERATUR


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Hemingways letzte Obsession - das Schreiben
"Ernest Hemingway on writing"
Hg.: Larry W. Phillips
Touchstone 1999
Ernest Hemingway war vielleicht nicht der größte Schriftsteller seiner Generation, aber der größte Schriftsteller aller Zeiten. Er tat für die Prosa, was Coco Chanel für die Mode tat - auch wenn ihm dieser Vergleich mißfallen würde: die Befreiung von allem Überflüssigen, die Definition einer klaren, eleganten Linie. Beide inspirierten etliche Nachahmer. Und beide wurden wegen ihres Ideals der Einfachheit später oft als phantasielos und langweilig gescholten. Doch gerade diese Vorwürfe zeigen, wie sehr sich beide in ihrem Metier durchsetzten. Der Purismus Hemingways und Chanels scheint heute so alltäglich, daß viele übersehen, wie revolutionär ihre Ansätze damals waren - zu Zeiten der blumigen Gewänder und der blumigen Phrasen.

Hemingways Stil wurde und wird häufig kopiert. Er selbst hielt sich mit Ratschlägen zurück. Er war der Meinung, über Literatur zu sprechen, hätte den gleichen Effekt wie über Schmetterlingsflügel oder über das Gefieder eines Adlers zu sprechen - die Faszination würde bei zu genauer Betrachtung verschwinden. In Interviews, in Briefen und in seinen Büchern äußerte er sich dennoch oft über das Schreiben. Hemingway-Fan Larry W. Phillips hat sich die Mühe gemacht, diese Zitate zusammenzutragen. Das Resultat dieser Recherche ist ein interessantes und amüsantes Buch: "Hemingway on writing".

In dreizehn Kapiteln findet man Hemingways Kommentare zu: was schreiben ist und bewirkt, den Qualitäten eines Schriftstellers, dem Schmerz und dem Vergnügen des Schreibens, Themen, Tips für junge Schriftsteller, Arbeitsgewohnheiten, Romanfiguren, was auszulassen ist, Obszönität, Titeln, anderen Schriftstellern, Politik und dem Leben des Schriftstellers.

Hemingway, dessen Stil stark von den "Goldenen Regeln des Kansas City Star" geprägt war, erklärte, Zeitungsarbeit sei für junge Schriftsteller nützlich, sofern sie rechtzeitig den Absprung fänden. Aufschlußreich ist auch ein Auszug aus einem Brief an F. Scott Fitzgerald: "You just have to go on when it is worst and most helpless - there is only one thing to do with a novel and that is go straight on through to the end of the damn thing." Ob Fitzgerald von dem Ratschlag profitierte, ist nicht überliefert.

1940 schrieb Hemingway an seine Verleger Charles Scribner, ihm gefalle am Krieg, daß es jede Nacht möglich sei, getötet zu werden, was bedeutet, daß er am nächsten Tag nicht schreiben müsse. Ironisch fährt er fort: "I have to write to be happy whether I get paid for it or not. But it is a hell of a disease to be born with. I like to do it. Which is even worse. That makes it from a disease into a vice. Then I want to do it better than anybody has ever done it which makes it into an obsession. An obsession is terrible. Hope you haven't gotten any. That's the only one I've got left." Obsession und literarischer Fanatismus waren wohl auch nötig, um Bücher zu schreiben, die bis heute als Maßstab gelten.

vh