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Auf Wolke sieben schweben – Vom Wetterdienst in die Sprache des Glücks

Was es heißt, auf Wolke sieben zu schweben

Wer auf Wolke sieben schwebt, ist überglücklich. Die Redewendung beschreibt einen Zustand höchster Glückseligkeit – jenes Hochgefühl, das sich einstellt, wenn alles im Leben zusammenzupassen scheint: eine neue Liebe, ein lang ersehnter Erfolg, ein Augenblick vollkommener Zufriedenheit. Das Bild ist dabei so anschaulich wie poetisch. Man schwebt, man hat den Boden unter den Füßen verloren, und der Ort des Glücks ist nicht irgendein beliebiger Platz, sondern eine ganz bestimmte Wolke – die siebte.

Auf Wolke sieben schweben – Vom Wetterdienst in die Sprache des Glücks

Im Deutschen begegnet die Wendung in mehreren Varianten. Man hört „auf Wolke sieben schweben“ ebenso wie „auf Wolke 7 schweben“ oder schlicht „auf Wolke sieben sein“. Allen Formen gemeinsam ist die Vorstellung, dass Glück etwas Schwereloses hat, etwas, das den Menschen der Erde entrückt und ihn in höhere Sphären hebt. Doch warum ausgerechnet die Zahl Sieben? Und woher stammt dieses Bild, das für deutsche Ohren so vertraut klingt, obwohl es seinen Ursprung sehr wahrscheinlich im Englischen hat?

Auf Wolke sieben – kurz erklärt

„Auf Wolke sieben schweben“ bedeutet, überglücklich und wie entrückt zu sein. Die Wendung ist vermutlich eine Lehnübersetzung aus dem Englischen (to be on cloud seven). Im Englischen hat sich inzwischen cloud nine als bevorzugte Form durchgesetzt.

Wolkenklassifikation: Die sieben und neun Wolken der Meteorologie

Eine der gängigsten Erklärungen für den Ursprung der Redewendung führt in die Meteorologie. Der US-amerikanische Wetterdienst verwendete in früheren Jahrzehnten eine Wolkenklassifikation, die verschiedene Wolkentypen nach ihrer Höhe ordnete. In bestimmten Fassungen dieses Systems bezeichnete „cloud nine“ – die neunte Wolke – den höchsten Wolkentyp: den mächtigen Cumulonimbus, jene gewaltigen Türme aus Wasserdampf und Eiskristallen, die bis in Höhen von über zwölf Kilometern aufragen können.

Die internationale Wolkenklassifikation, wie sie heute von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verwendet wird, unterscheidet zehn Hauptgattungen: Cirrus, Cirrocumulus, Cirrostratus, Altostratus, Altocumulus, Nimbostratus, Stratocumulus, Stratus, Cumulus und – als höchste und eindrucksvollste Form – Cumulonimbus. Wenn der Cumulonimbus in einer älteren Nummerierung die Nummer neun trug, lag die Vorstellung nahe, dass die höchste Wolke auch dem höchsten Glück entsprach. Wer auf „cloud nine“ stand, befand sich buchstäblich am Gipfel des Himmels.

Doch die Verbindung zur Zahl Sieben lässt sich aus der Meteorologie weniger zwingend ableiten. Die siebte Wolke in den üblichen Klassifikationssystemen wäre der Stratocumulus – eine durchaus respektable, aber keineswegs besonders spektakuläre Wolkenform. Es scheint daher wahrscheinlich, dass die Zahl Sieben in der Redewendung weniger auf meteorologische Tatsachen als auf eine ältere, tief im kulturellen Gedächtnis verwurzelte Symbolik zurückgeht.

Die Sieben in Religion und Mystik

Die Zahl Sieben gehört zu den ältesten und bedeutungsvollsten Zahlen der Menschheitsgeschichte. In nahezu allen Kulturen, die wir kennen, nimmt sie eine Sonderstellung ein. Im Alten Testament schöpft Gott die Welt in sechs Tagen und ruht am siebten – die Sieben steht für Vollendung und Perfektion. Die Offenbarung des Johannes kennt sieben Siegel, sieben Posaunen und sieben Schalen des Zorns. Im Judentum ist der siebenarmige Leuchter, die Menora, eines der ältesten religiösen Symbole überhaupt.

Besonders aufschlussreich für die Redewendung ist die Vorstellung der sieben Himmel, wie sie im Islam, aber auch in älteren jüdischen und christlichen Traditionen begegnet. Der Koran erwähnt die sieben Himmel an mehreren Stellen, und in der islamischen Kosmologie durchschreitet der Prophet Mohammed während seiner Himmelsreise (Mi’radsch) alle sieben Himmelssphären, bis er schließlich in die unmittelbare Nähe Gottes gelangt. Der siebte Himmel ist demnach der höchste, der Ort größter Nähe zum Göttlichen – und damit auch der Ort höchster Seligkeit.

Diese Vorstellung findet sich nicht nur in den monotheistischen Religionen. Bereits in der babylonischen Astronomie kannte man sieben Himmelskörper – Sonne, Mond und die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten –, denen man sieben Sphären zuordnete. Die antike Planetenlehre, die über Ptolemäus ins mittelalterliche Europa gelangte, prägte das Weltbild über Jahrhunderte und verankerte die Sieben als kosmische Ordnungszahl im Bewusstsein der Menschen. Wenn also jemand „auf Wolke 7“ schwebt, schwingt in dieser Formulierung ein Jahrtausende altes Echo mit: die Idee, dass der siebte Ort am Himmel der vollkommenste ist.

Von cloud seven zu cloud nine

Im Englischen kennt man die Redewendung in zwei Varianten: to be on cloud seven und to be on cloud nine. Die ältere Form ist cloud seven, doch im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich cloud nine als die bei weitem gebräuchlichere Wendung durchgesetzt. Die Gründe für diesen Wechsel sind Gegenstand linguistischer Debatten, und es gibt mehrere Erklärungsansätze.

Eine verbreitete Theorie verweist auf die bereits erwähnte meteorologische Klassifikation, in der der Cumulonimbus als neunte Wolkenform geführt wurde. Wer sich auf der höchsten Wolke befand, war dem Himmel am nächsten – ein naheliegendes Bild für überirdisches Glück. Eine andere, populärere Erklärung verweist auf die amerikanische Radioserie Johnny Dollar, die in den 1950er Jahren beim Sender CBS ausgestrahlt wurde. In dieser Sendung pflegte der Held nach besonders heftigen Auseinandersetzungen das Bewusstsein zu verlieren und in einem Zustand seliger Benommenheit auf „cloud nine“ zu erwachen. Die Popularität der Serie trug möglicherweise dazu bei, die Form cloud nine im amerikanischen Englisch zu verbreiten.

Allerdings gibt es ältere Belege für cloud nine, die vor der Radioserie liegen, sodass sich der Ursprung nicht auf eine einzige Quelle zurückführen lässt. Wahrscheinlicher ist, dass verschiedene Einflüsse – Meteorologie, Zahlensymbolik und Populärkultur – zusammenwirkten und die Neun allmählich die Sieben verdrängte. Im Englischen variierte die Zahl ohnehin: Neben cloud seven und cloud nine begegnet gelegentlich auch cloud eight, was darauf hindeutet, dass die genaue Nummer weniger wichtig war als das Bild des Schwebens auf einer besonders hohen Wolke.

Die deutsche Sprache übernahm die Wendung offensichtlich als Lehnübersetzung aus dem Englischen, und zwar in der älteren Form mit der Sieben. „Auf Wolke sieben schweben“ hat sich im Deutschen fest etabliert, während die englische Variante mit der Neun hierzulande kaum bekannt ist. Es ist einer jener Fälle, in denen eine Redewendung beim Transfer in eine andere Sprache gewissermaßen auf einer früheren Entwicklungsstufe eingefroren wird: Das Original verändert sich weiter, die Übersetzung jedoch bleibt bestehen.

Wolke sieben in Literatur und Popkultur

Die Vorstellung, auf Wolke sieben zu schweben, hat längst Eingang in die Literatur, die Musik und die Alltagskultur gefunden. In der deutschsprachigen Schlagermusik gehört die Wolke sieben zu den beliebtesten Motiven überhaupt. Zahllose Liedtexte beschwören das Bild des Schwebens als Metapher für die Verliebtheit, und der Ausdruck hat sich als feste Formel im Repertoire der Liebeslyrik etabliert. Auch in der Unterhaltungsliteratur und im Journalismus ist „Wolke sieben“ allgegenwärtig: Boulevardzeitungen titeln über Prominente, die sich frisch verliebt haben, mit Wendungen wie „Auf Wolke sieben!“, und in Romanen dient das Bild als Kurzformel für euphorische Gefühle.

Im Englischen hat cloud nine eine ähnliche kulturelle Präsenz erlangt. Der Ausdruck taucht in Filmtiteln, Albumbezeichnungen und Markennamen auf. George Harrisons Soloalbum Cloud Nine (1987) trug den Titel ebenso selbstverständlich, wie The Temptations 1969 ihren Hit Cloud Nine benannten. Die Wendung ist so tief in der englischen Sprache verankert, dass sie kaum noch als Metapher wahrgenommen wird – sie ist schlicht zur Standardbeschreibung von Glück geworden.

Bemerkenswert ist der Unterschied im Gebrauch: Während cloud nine im Englischen in nahezu allen Kontexten auftaucht – von der Liebeserklärung bis zur Sportberichterstattung –, bleibt „Wolke sieben“ im Deutschen stärker an den Bereich der romantischen Liebe gebunden. Ein Fußballspieler, der ein entscheidendes Tor geschossen hat, schwebt im Deutschen eher „im siebten Himmel“ als „auf Wolke sieben“. Dieser feine Unterschied zeigt, wie Redewendungen in verschiedenen Sprachen unterschiedliche semantische Nischen besetzen können, selbst wenn sie denselben Ursprung teilen.

Verwandte Ausdrücke des Glücks

Die deutsche Sprache verfügt über ein bemerkenswertes Arsenal an Redewendungen, die Glück und Freude durch räumliche Höhe ausdrücken. Neben „auf Wolke sieben schweben“ kennt man „im siebten Himmel sein“ – eine Wendung, die noch deutlicher auf die religiöse Vorstellung der sieben Himmel zurückgeht. Beide Ausdrücke teilen die Grundidee, dass Glück etwas Erhebendes ist, das den Menschen über seinen Alltag hinausträgt.

Daneben gibt es Wendungen, die Glück mit anderen Bildern einfangen. „Außer sich sein vor Freude“ betont den Kontrollverlust, das Heraustreten aus dem gewöhnlichen Ich. „Auf Rosen gebettet sein“ verbindet Glück mit Luxus und Bequemlichkeit. „Schmetterlinge im Bauch haben“ – eine jüngere Lehnübersetzung aus dem Englischen (butterflies in one’s stomach) – beschreibt das körperliche Gefühl der Verliebtheit. Und wer „einen Narren an jemandem gefressen hat“, drückt eine Zuneigung aus, die an freudige Besessenheit grenzt.

Was alle diese Wendungen verbindet, ist die Beobachtung, dass großes Glück sprachlich schwer direkt zu fassen ist. Wir greifen zu Bildern – Wolken, Himmeln, Rosen, Schmetterlingen –, um auszudrücken, was sich dem nüchternen Wort entzieht. Die Wolke sieben ist dabei vielleicht das schönste dieser Bilder, weil es so vieles zugleich transportiert: Höhe, Leichtigkeit, Entrücktheit und jene traumwandlerische Sicherheit, mit der Glückliche durch die Welt gehen, als könnten sie tatsächlich auf Luft und Wasserdampf stehen.

Wenn Sie also das nächste Mal jemandem begegnen, der sichtlich „auf Wolke sieben“ schwebt, dann wissen Sie nun, dass hinter dieser alltäglichen Formel ein ganzes Geflecht aus Meteorologie, religiöser Zahlensymbolik, englischer Radiotradition und kultureller Lehnübersetzung steckt. Die Wolke mag imaginär sein – die Geschichte, die sie trägt, ist es nicht.

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