APRIL
2002

 
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Edward Hopper: Die Schnittstelle von Natur und Zivilisation

„Nachtschwärmer“, „Chop Suey“, „Hotelfenster“, „Automat“, „Fremdenzimmer“, „Kleinstadt-Büro“, „Motel im Westen“, „Abteil C, Waggon 193“, „Bahnübergang“, „Fenster bei Nacht“, „Sommerabend“, ... - wer kennt sie nicht, Edward Hoppers eigentümlich leblose Bilder - Hoppers Bilder, die Amerika zeigen, oder zumindest das, was sich Europäer unter Amerika vorstellen. Hopper markierte die Schnittstelle von Natur und Zivilisation. Er stellte isolierte, einsame Individuen, meistens Frauen, in den Mittelpunkt seiner Bilder. Und doch sind es fast immer die Orte, die Tages- oder Jahreszeit, Situationen, die dem Bild den Namen geben. Titel wie „Eine Frau in der Sonne“ sind die Ausnahme. „Vielleicht bin ich nicht sehr menschlich. Mein Anliegen bestand darin, Sonnenlicht auf einer Hauswand zu malen,“ sagte Hopper lakonisch.

Edward Hopper führte kein Bohemienleben. Er wurde am 22. Juli 1882 in Nyack, New York geboren. Gestorben ist er am 15. Mai 1967 in seinem Studio am Washington Square in New York City. In New York verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens. Er besuchte dort die Kunstschule für Werbung und dann die New York School of Art. Er war 43 Jahre, bis zu seinem Tod, mit der selben Frau verheiratet. Josephine Verstille Nivison, Hoppers Ehefrau seit 1924, war selbst Malerin, fungierte aber auch als Kommentatorin und Managerin ihres Mannes.

In den Jahren 1906, 1909 und 1910 reiste Edward Hopper nach Europa, besuchte England, Holland, Deutschland, Belgien, Frankreich und Spanien, hielt sich die meiste Zeit in Paris auf. Er malte einige vom Impressionismus inspirierte Landschaftsbilder. Bald prägte sich jedoch sein individueller Stil aus - der vor allem von seiner Arbeit als Werbezeichner und Illustrator beeinflußt war: kräftigen Farben, oft maskenhaft wirkenden Gesichter. Für Hoppers Bilder ist aber, im Gegensatz zu Werbezeichnungen, ein schonungsloser Realismus charakteristisch - zu sehr scheint seinen Figuren die Verbitterung, die Enttäuschung, die Entfremdung ins Gesicht geschrieben. Ironischerweise gab Hopper den Frauenfiguren, die er einer technisierten, automatisierten, kalten Welt aussetzte, häufig die Züge seiner Frau Josephine.

Edward Hoppers Werk kann nicht wie das vieler anderer Künstler in Epochen eingeteilt werden. Er blieb seinem Stil treu. Technisch gesehen ist sein Frühwerk nicht von seinem Alterswerk abzugrenzen. Hopper weigerte sich, seine Bilder intellektuell zu analysieren. Auch den Betrachter animieren sie eher zur freien Assoziation als zur nüchternen Untersuchung. Sie regen dazu an, sich Geschichten auszudenken. Hoppers Figuren, die oft auf Reisen sind, wirken, als seien sie auf der Flucht, scheinen gehetzt und eignen sich deshalb als Projektionsfläche für düstere Geheimnisse, eine zweifelhafte Vergangenheit und alle vorstellbaren Perversionen.

vh


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Edward Hopper: The intersection of nature and civilisation

“Nighthawks”, “Chop Suey”, “Hotel Window”, “Automat”, “Rooms for Tourists”, “Office in a Small City”, “Western Motel”, “Compartment C, Car 193”, “Railroad Crossing”, “Night Windows”, “Summer Evening”, … - who doesn’t know Edward Hopper’s strangely lifeless paintings - Hopper’s paintings revealing America, or what Europeans expect America to be. Hopper marked the intersection of nature and civilisation. He focused on isolated, lonesome individuals, mostly women. Even though places, hours, seasons, situations generally give the title. Titles like “A Women in the Sun” are exceptions. Hopper admitted that he wasn’t too much interested in human beings, but in sunlight on a wall.

Edward Hopper never led a Bohemian life. He was born on July 22, 1882 in Nyack, New York and died on may 15, 1967 in his studio near Washington Square in New York City. He spent most of his life in New York where he attended an art school of advertising and later The New York School of Art. He has been married to the same woman for 43 years, till the day of his death. Josephine Verstille Nivision, Hopper’s wife since 1924, was a painter herself, but also acted as her husband’s commentator and manager.

In 1906, 1909, 1910, Hopper travelled to Europe. He visited England, the Netherlands, Germany, Belgium, France and Spain. It was in Paris where he spent most of the time. He made some landscape paintings inspired by impressionism. But soon he found his individual style - influenced by his work as an illustrator and commercial artist: strong colours, mask-like faces. Opposite to ad illustrations, an unsparing realism is typical for Hopper’s paintings - bitterness, disappointment, alienation are too much written in his figure’s faces. Ironically, Hopper gave all those women - out in a mecanised, automated, cold world - the features of his wife Josephine.

It is hardly possible to distinguish epochs in Hopper’s work. He was faithful to his style. Technically, his early paintings are not to be demarcated from his late work. Hopper always refused to comment on his work. They draw the beholder more to free association, instead of intellectual analysis. They encourage inventing stories. On Hopper’s figures, often travelling, fleeing, seemingly chased, you may project sinister secrets, a dubious past and every imaginable perversion.

vh