Zwischen 1945 und 1960 ereignete sich eine der dramatischsten Verschiebungen der Kunstgeschichte: Das Zentrum der westlichen Kunstwelt verlagerte sich von Paris nach New York. Eine Gruppe amerikanischer Maler – darunter Jackson Pollock, Willem de Kooning, Mark Rothko und Barnett Newman – schuf Werke von einer Radikalität, die alles Bisherige in den Schatten stellte. Ihre Kunst kannte keine Abbilder mehr, keine Erzählungen, keine Kompositionen im herkömmlichen Sinn. Was blieb, war die reine Geste, die reine Farbe, das reine Empfinden. Der abstrakte Expressionismus war geboren – und mit ihm eine Kunstbewegung, die bis heute nachwirkt. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Welche Abstrakter-Expressionismus-Künstler prägten die Bewegung, und warum wurde ausgerechnet die abstrakteste aller Kunstformen zum Symbol westlicher Freiheit?
Überblick
Zeitraum: ca. 1943–1965
Zentrum: New York City (daher auch: New York School)
Hauptströmungen: Action Painting, Color Field Painting, geometrische Abstraktion
Schlüsselkünstler: Jackson Pollock, Willem de Kooning, Mark Rothko, Barnett Newman, Franz Kline, Helen Frankenthaler
Europäisches Pendant: Art Informel (Wols, Jean Dubuffet, Antoni Tàpies)
Schlüsselbegriffe: Action Painting, Informel, All-over Painting, Drip Painting, Color Field, Tachismus
Expressionismus – historischer Hintergrund nach 1945
Europa nach dem Krieg: Künstlerische Orientierungslosigkeit
Der geschichtliche Hintergrund des Expressionismus in seiner abstrakten Ausprägung ist untrennbar mit den Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs verbunden. Europa lag in Trümmern – nicht nur materiell, sondern auch geistig. Die nationalsozialistische Kulturpolitik hatte die europäische Kunstszene systematisch zerstört: Tausende Werke moderner Kunst waren als „entartet“ beschlagnahmt, viele Künstler verfolgt, vertrieben oder ermordet worden. Die Frage, die sich nach 1945 mit unausweichlicher Schärfe stellte, lautete: Was kann Kunst noch leisten nach dem Grauen der Vernichtungslager, nach Hiroshima, nach dem totalen Zusammenbruch aller zivilisatorischen Gewissheiten?
Anders als nach dem Ersten Weltkrieg, als Expressionisten und Dadaisten noch an die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Erneuerung durch Kunst geglaubt hatten, war dieser Optimismus nach 1945 erloschen. Die Künstler glaubten nicht mehr daran, dass ihre Werke die Welt verbessern könnten. Was blieb, war der individuelle Ausdruck – die subjektive Geste als letzter authentischer Akt in einer Welt, die jede Sicherheit verloren hatte. Dieser historische Hintergrund des Expressionismus in seiner abstrakten Spielart erklärt, warum die Bewegung so radikal mit jeder Tradition brach.
Die Emigration: Europas Verlust, Amerikas Gewinn
Eine Schlüsselrolle in der Geschichte des Expressionismus in seiner abstrakten Phase spielte die Emigration europäischer Künstler in die USA. Max Ernst, Piet Mondrian, Fernand Léger und André Breton flohen vor dem Nationalsozialismus nach New York und brachten die Ideen des Surrealismus und der europäischen Abstraktion mit. Besonders der surrealistische Automatismus – die Idee, beim Malen die bewusste Kontrolle aufzugeben – wurde zum entscheidenden Katalysator für die junge amerikanische Avantgarde.
New York als neue Kunsthauptstadt
Museen, Sammler, Mäzene
Dass ausgerechnet New York Paris als Zentrum der Kunstwelt ablöste, war kein Zufall. Die wirtschaftliche Macht der Vereinigten Staaten nach 1945 ermöglichte ein Mäzenatentum, das in Europa seinesgleichen suchte. Das Museum of Modern Art (MoMA), bereits 1929 als private Institution gegründet, und das Solomon R. Guggenheim Museum, 1939 eröffnet, boten den jungen Künstlern eine institutionelle Heimat. Hinzu kamen bedeutende Galeristinnen wie Peggy Guggenheim, die in ihrer Galerie „Art of This Century“ ab 1942 Künstler wie Jackson Pollock förderte und damit maßgeblich zum Durchbruch des abstrakten Expressionismus beitrug.
Hans Hofmann als Lehrer einer Generation
Eine kaum zu überschätzende Rolle spielte der deutsch-amerikanische Maler und Kunstpädagoge Hans Hofmann (1880–1966). Hofmann hatte in Paris die Avantgarde der Vorkriegszeit aus nächster Nähe erlebt und emigrierte 1932 in die USA, wo er in New York und Provincetown einflussreiche Kunstschulen gründete. Seine Lehre verband die europäische Tradition – Cézanne, Matisse, Kandinsky – mit einer Betonung spontaner Farbwirkung und räumlicher Spannung. Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählten Helen Frankenthaler, Lee Krasner und Larry Rivers. Hofmann war die lebende Brücke zwischen der europäischen Moderne und dem abstrakten Expressionismus.
Cedar Tavern und The Club: Treffpunkte der Avantgarde
Das gesellige Zentrum der Bewegung bildeten zwei legendäre Orte im New Yorker Greenwich Village: die Cedar Tavern an der University Place und The Club an der East 8th Street. In der Cedar Tavern trafen sich Pollock, de Kooning und Kline zu nächtlichen Debatten über Kunst und Existenzialismus; The Club veranstaltete freitagabends Vorträge, bei denen Künstler und Kritiker aufeinandertrafen. Der abstrakte Expressionismus entstand nicht in Ateliers allein, sondern auch im Gespräch und im gemeinsamen Ringen um eine neue Kunst.
Abstraktion in der Kunst – warum gegenstandslos?
Die Abstraktion in der Kunst nach 1945 war keine bloße Stilübung, sondern eine ideologisch aufgeladene Entscheidung. Gegenständliche Malerei – die Darstellung erkennbarer Motive – war in den Augen vieler Künstler und Kritiker diskreditiert. Sie schien untrennbar verbunden mit der Propagandakunst totalitärer Regime: der heroischen Figuration der NS-Kunst ebenso wie dem Sozialistischen Realismus der Sowjetunion. Abstrakte Malerei hingegen mit ihrer Offenheit, ihrer Vieldeutigkeit und ihrer Verweigerung jeder Botschaft verkörperte den freien Westen. Sie war das ästhetische Pendant zur liberalen Demokratie – eine Kunst, die nichts vorschrieb und alles zuließ.
Für das Publikum freilich war diese Abstrakter-Expressionismus-Kunst eine Zumutung. Wo frühere Epochen dem Betrachter Geschichten, Landschaften oder Porträts geboten hatten, zeigten die abstrakten Expressionisten Farbschlieren, Tropfspuren und scheinbar willkürliche Flächen. „Schmierereien“ war der häufigste Vorwurf. Doch genau darin lag die revolutionäre Kraft: Der Betrachter konnte nicht mehr passiv „ablesen“, was ein Bild darstellte. Er musste selbst Bedeutung hineinprojizieren, musste sich auf die Farben, Formen und Gesten einlassen. Das Bild entstand gewissermaßen erst im Moment des Betrachtens – eine Idee, die den abstrakten Expressionismus von allen früheren Bewegungen unterschied.
Action Painting und Informel
Jackson Pollock und die Drip-Technik
Der Name, der untrennbar mit dem abstrakten Expressionismus verbunden ist, lautet Jackson Pollock (1912–1956). Ab 1947 entwickelte Pollock eine Technik, die alles sprengte, was bis dahin als „Malen“ gegolten hatte: Er legte die Leinwand auf den Boden und schleuderte, tropfte und goß Farbe aus durchlöcherten Dosen und dicken Pinseln auf die Fläche – das legendäre Drip Painting. Pollock malte nicht im klassischen Sinne, er „tanzte“ um die Leinwand herum, ließ seinen Körper zum Instrument werden. Das Ergebnis waren sogenannte All-over-Gemälde: Bilder ohne Zentrum, ohne Hierarchie, ohne Anfang und Ende – als könnte die Malerei endlos weitergehen.
Abstrakter Expressionismus und Jackson Pollock sind beinahe synonym geworden. Werke wie Number 1A, 1948 oder Autumn Rhythm (1950) gehören zu den Bildern des abstrakten Expressionismus, die am nachhaltigsten im kulturellen Gedächtnis verankert sind. Der Kritiker Harold Rosenberg prägte 1952 den Begriff „Action Painting“: Das Gemälde ist das Protokoll einer Handlung – die Leinwand wird zur Arena. Der Begriff „Informel“ (vom Französischen: „ohne repräsentative Form“) beschreibt denselben Sachverhalt aus europäischer Perspektive.
Franz Kline und die Kraft der Geste
Franz Kline (1910–1962) reduzierte das Action Painting auf seine elementarste Form: gewaltige schwarze Balken auf weißem Grund, gemalt mit breiten Hausstreicherpinseln. Seine Bilder wirken wie Gesten von monumentaler Wucht – Kline malte das Malen selbst.
Geometrische Abstraktion und Color Field Painting
Barnett Newman: Die Erhabenheit der Farbe
Während Pollock und Kline die Geste feierten, verfolgten andere Künstler des abstrakten Expressionismus einen gänzlich anderen Weg. Die Maler der geometrischen Abstraktion und des Color Field Painting eliminierten jede individuelle Handschrift und setzten stattdessen auf große, ruhige Farbflächen, die den Betrachter zur Kontemplation einladen. Barnett Newman (1905–1970) schuf riesige, monochrome Gemälde, die von schmalen vertikalen Linien – seinen berühmten „Zips“ – durchzogen werden. Sein Hauptwerk Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue (eine Serie von vier Gemälden, 1966–1970) besteht aus nichts als gigantischen Farbflächen in den drei Grundfarben. Vor diesen Bildern verlieren Zeit und Raum ihre Bedeutung; die Farben beginnen zu vibrieren, und der Betrachter wird in einen Zustand meditativer Versenkung versetzt.
Mark Rothko: Farbräume der Emotion
Mark Rothko (1903–1970) schuf die vielleicht emotionalsten Werke des abstrakten Expressionismus. Seine reifen Gemälde zeigen zwei oder drei weich begrenzte Farbrechtecke, die übereinander auf einem einfarbigen Grund schweben. Die Ränder der Rechtecke sind bewusst unscharf, sodass die Formen zu atmen scheinen. Rothkos Farben besitzen eine tiefe Räumlichkeit und betonen zugleich die Flächigkeit der Leinwand – ein Paradox, das den Betrachter in seinen Bann zieht. Rothko selbst wollte keine „abstrakten“ Bilder malen; er bestand darauf, dass seine Werke menschliche Grunderfahrungen – Tragik, Ekstase, Untergang – unmittelbar ausdrückten. Die Rothko Chapel in Houston (1971), ein überkonfessioneller Meditationsraum mit vierzehn dunklen Gemälden, bildet den Kulminationspunkt seines Schaffens.
Ad Reinhardt: Die Malerei am Nullpunkt
Ad Reinhardt (1913–1967) trieb die geometrische Abstraktion an ihre äußerste Grenze. Seine späten „Black Paintings“ (ab 1960) erscheinen auf den ersten Blick völlig schwarz. Erst bei längerem Hinsehen offenbaren sie sich als subtile Kreuzformen in minimalst abgestuften Dunkelwerten – Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, Schwarz-Blau. Reinhardt formulierte die radikalste Position innerhalb der Bewegung: Kunst solle „Kunst-als-Kunst“ sein, frei von jeder Bedeutung, jeder Emotion, jeder Botschaft. Mit dieser Haltung wurde er zum Vorläufer des Minimalismus.
Abstrakter Expressionismus – Künstler und ihre Werke
Willem de Kooning und die Woman-Serie
Willem de Kooning (1904–1997), geboren in Rotterdam und 1926 in die USA emigriert, nahm eine Sonderstellung unter den Künstlern des abstrakten Expressionismus ein. Während Pollock und Rothko jede Gegenständlichkeit aufgaben, kehrte de Kooning in seiner berühmten Woman-Serie (ab 1950) provokativ zur menschlichen Figur zurück. Seine Frauengestalten sind grotesk verzerrt, in wilder gestischer Malerei auf die Leinwand geschleudert – zugleich bedrohlich und komisch, monumental und vulgär. Die Woman-Bilder lösten heftige Kontroversen aus: Puristen des abstrakten Expressionismus warfen de Kooning den Rückfall in die Figuration vor, während andere gerade in der Spannung zwischen Abstraktion und Gegenstand die Stärke seines Werks erkannten.
Helen Frankenthaler und die Soak-Stain-Technik
Helen Frankenthaler (1928–2011) entwickelte 1952 mit ihrem Gemälde Mountains and Sea eine Technik, die den abstrakten Expressionismus entscheidend erweiterte: die Soak-Stain-Methode. Anstatt Farbe auf die Leinwand aufzutragen, verdünnte Frankenthaler Ölfarbe mit Terpentin und goß sie auf die ungrundierte Leinwand, sodass die Farbe in den Stoff einsickerte und aquarellartig verlief. Die Farbe wurde nicht mehr Schicht über dem Bildträger, sondern Teil des Gewebes selbst. Diese Technik beeinflusste direkt die Color-Field-Maler Morris Louis und Kenneth Noland und schuf eine Brücke zwischen dem gestischen abstrakten Expressionismus und der kühlen Flächenmalerei der späteren 1960er Jahre.
Wols und der europäische Tachismus
Auf europäischer Seite war Wols (Alfred Otto Wolfgang Schulze, 1913–1951) einer der bedeutendsten Vertreter der informellen Malerei. Der in Berlin geborene und in Paris lebende Künstler schuf fantastische Farbformationen, die an die écriture automatique der Surrealisten anknüpften und sie zugleich radikalisierten. Seine Bilder sind dichte Gewebe aus Farbspritzern, Kratzspuren und zarten Linien – Mikrokosmen, in denen das Organische und das Kosmische ineinanderfließen. Wols starb 1951 mit nur 38 Jahren an einer Lebensmittelvergiftung, doch sein Werk wurde zu einem Eckpfeiler des Tachismus.
Edward Hopper: Abstrakter Realismus in der Gegenständlichkeit
Am Rande des abstrakten Expressionismus steht Edward Hopper (1882–1967), der sich allen Abstraktionstendenzen verweigerte. Hoppers Nighthawks (1942) zeigt die Anonymität der amerikanischen Großstadt mit sachlicher Klarheit. Sein abstrakter Realismus – gegenständlich in der Darstellung, abstrakt in der Reduktion auf Licht und Leere – bildet das stille Gegengewicht zur expressiven Wildheit seiner Zeitgenossen.
Kalter Krieg und Kulturpolitik
Eine der bemerkenswertesten Episoden der Expressionismus-Geschichte ist die verdeckte Förderung des abstrakten Expressionismus durch die CIA. Im Kontext des Kalten Krieges erkannte die amerikanische Regierung das propagandistische Potenzial der abstrakten Kunst: Gegenüber dem starren Sozialistischen Realismus der Sowjetunion sollte die scheinbar unbegrenzte Freiheit der amerikanischen Malerei die Überlegenheit des westlichen Gesellschaftsmodells demonstrieren. Über Tarnorganisationen wie den Congress for Cultural Freedom finanzierte die CIA internationale Ausstellungen, Publikationen und Vortragsreisen, die den abstrakten Expressionismus weltweit bekannt machten.
Die Künstler selbst wussten von der CIA-Förderung vermutlich nichts. Doch die Episode zeigt, wie eng Kunst und Ideologie im 20. Jahrhundert verflochten waren. Der Kritiker Clement Greenberg (1909–1994) wurde zum intellektuellen Vorkämpfer der Bewegung. In Essays wie Avant-Garde and Kitsch (1939) und American-Type Painting (1955) formulierte er eine Theorie, die in der reinen Abstraktion den Höhepunkt moderner Kunst sah: Malerei, die sich ausschließlich auf Fläche, Farbe und Format konzentriert. Greenberg wurde zum mächtigsten Kritiker seiner Zeit und zum entscheidenden Theoretiker des abstrakten Expressionismus.
Art Informel – das europäische Gegenstück
Parallel zum abstrakten Expressionismus entstanden in Europa verwandte Strömungen unter dem Oberbegriff Art Informel. Michel Tapié prägte den Begriff 1951. Jean Dubuffet (1901–1985) entwickelte mit seiner Art brut eine bewusst „rohe“ Malerei, die sich an der Kunst von Kindern und Außenseitern orientierte – eine radikale Absage an jede akademische Konvention.
Antoni Tàpies (1923–2012) in Barcelona arbeitete mit Sand, Zement und Stoff und schuf reliefartige Oberflächen, die an Mauern und Erde erinnern. In Deutschland vertraten Karl Otto Götz, Emil Schumacher und Ernst Wilhelm Nay die informelle Richtung und sorgten dafür, dass der abstrakte Expressionismus auch auf der östlichen Seite des Atlantiks tiefe Spuren hinterließ.
Niedergang, Pop Art und das Erbe der Bewegung
Ab Mitte der 1950er Jahre mehrten sich die Zeichen, dass die Vorherrschaft des abstrakten Expressionismus zu Ende ging. Robert Rauschenberg und Jasper Johns begannen, Alltagsgegenstände in ihre Bilder zu integrieren und stellten damit die heroische Geste der älteren Generation ironisch in Frage. Rauschenbergs Erased de Kooning Drawing (1953) – eine Zeichnung de Koonings, die Rauschenberg systematisch ausradierte – war eine symbolische Geste des Übergangs. Anfang der 1960er Jahre fegte dann die Pop Art über die Kunstszene hinweg: Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Claes Oldenburg feierten die Konsumkultur, die Werbung und die Massenmedien – alles, was die abstrakten Expressionisten verachtet hatten.
Doch das Erbe des abstrakten Expressionismus blieb lebendig. Der Minimalismus radikalisierte die Reduktion Reinhardts und Newmans; die Konzeptkunst übernahm die Idee, dass Kunst Fragen stellen solle statt abzubilden. In den 1980er Jahren erlebte die gestische Malerei ein Comeback – bei den deutschen „Neuen Wilden“ um Baselitz und Kiefer ebenso wie bei den Neo-Expressionisten Schnabel und Basquiat. Wer heute durch die Hallen des MoMA oder der Tate Modern geht, sieht in den großen Rothkos und Pollocks Werke von unverminderter Präsenz.
Fazit
Der abstrakte Expressionismus war mehr als eine Stilrichtung – er war ein Epochenbruch. In kaum zwei Jahrzehnten verlagerte er das Zentrum der Kunstwelt über den Atlantik und definierte neu, was ein Gemälde sein konnte. Pollocks Drip Paintings, Rothkos Farbräume und Newmans monumentale Flächen sind Bilder des abstrakten Expressionismus, die bis heute zu den kühnsten Schöpfungen der Moderne zählen. Diese Bewegung lehrte eine Generation, dass ein Bild keine Geschichte erzählen muss, um zu erschüttern – dass Farbe allein Tragik, Freiheit und Erhabenheit ausdrücken kann.
Weiterführende Literatur
- Irving Sandler: The Triumph of American Painting. A History of Abstract Expressionism. Harper & Row, New York 1970 (Standardwerk).
- Clement Greenberg: Art and Culture. Critical Essays. Beacon Press, Boston 1961 (Schlüsseltexte des einflussreichsten Kritikers).
- Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt. Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg. Siedler, Berlin 2001 (zur Kulturpolitik).
- Werner Haftmann: Malerei im 20. Jahrhundert. Prestel, München (Standardwerk zur Kunst der Moderne).
- Ingo F. Walther (Hrsg.): Kunst des 20. Jahrhunderts. Taschen, Köln 2000 (Überblickswerk mit Einordnung der Strömungen).
