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Kunst

Symbolismus, Jugendstil und Fauvismus – Drei Wege in die Moderne

Kunstepochen

Zwischen dem ausklingenden 19. Jahrhundert und dem Beginn des Ersten Weltkriegs durchlief die europäische Kunst eine Phase beispielloser Vielfalt. Drei Strömungen stechen dabei besonders hervor: der Symbolismus, der Jugendstil und der Fauvismus. Auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher kaum sein – hier die dunklen Seelenlandschaften des Symbolismus, dort die ornamentale Schönheit der Jugendstil Kunst, schließlich die entfesselte Farbigkeit des Fauvismus. Und doch verbindet sie ein gemeinsames Anliegen: die Abkehr vom rein Sichtbaren, die Suche nach einem Ausdruck jenseits der bloßen Nachahmung der Natur. Gemeinsam ebneten diese drei Bewegungen den Weg in die Malerei der Moderne – und ihre Werke haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Symbolismus, Jugendstil und Fauvismus – Drei Wege in die Moderne

Symbolismus – Kunst aus Traum und Seele

Der Symbolismus entstand um 1880 als Gegenbewegung zum Naturalismus und Impressionismus. Während die Naturalisten die sichtbare Wirklichkeit möglichst getreu abzubilden suchten und die Impressionisten das flüchtige Spiel des Lichts einfingen, wandten sich die Symbolisten nach innen. Nicht die äußere Erscheinung der Dinge interessierte die Symbolismus Kunst, sondern das, was hinter der Oberfläche lag: Träume, Ängste, Sehnsüchte, das Geheimnisvolle und Numinose. Die Symbolismus Malerei suchte eine seelische Tiefe, die der objektivistische, wissenschaftliche Zugang des Naturalismus vermissen ließ.

Die Wurzeln des Symbolismus lagen in der Literatur. Bereits in den 1850er- und 1860er-Jahren hatten Dichter wie Charles Baudelaire mit seinen Fleurs du Mal, Stéphane Mallarmé und Paul Verlaine eine Poetik entwickelt, die nicht mehr erzählen, sondern evozieren wollte – Stimmungen heraufbeschwören, Empfindungen in Klangbildern verdichten. Das Manifest des literarischen Symbolismus, 1886 von Jean Moréas in Le Figaro veröffentlicht, proklamierte die Idee als Grundlage aller Kunst. Die bildende Kunst folgte dieser Wende. Die Symbolismus Merkmale in der Malerei lassen sich klar benennen: Abstraktion, lineare Ornamentalität, antinaturalistische Komposition und eine Vorliebe für mythologische, religiöse oder traumhafte Sujets.

Ein weiterer entscheidender Impuls kam aus der Psychologie. Sigmund Freuds Arbeiten zum Unbewussten, zur Traumdeutung und zur Rolle verdrängter Wünsche im Seelenleben elektrisierte die Künstler des Symbolismus. Die Vorstellung, dass unter der rationalen Oberfläche des Bewusstseins ein ganzes Universum aus Bildern, Ängsten und Begierden schlummerte, bestätigte das künstlerische Programm der Bewegung. Die Symbolismus Kunst Merkmale – rätselhafte Bildwelten, traumartige Szenerien, das Changieren zwischen Schönheit und Schrecken – waren der Versuch, diese innere Wirklichkeit sichtbar zu machen.

Die wichtigsten Künstler des Symbolismus

Gustave Moreau (1826–1898)

Gustave Moreau gilt als einer der Begründer der symbolistischen Malerei in Frankreich. Seine opulenten, detailreich ausgeführten Gemälde greifen mythologische und biblische Stoffe auf und verwandeln sie in prunkvolle Traumvisionen. Werke wie Jupiter und Semele (1895) oder Die Erscheinung (1876) – Salomé vor dem schwebenden Haupt Johannes des Täufers – sind überladen mit Ornamenten, Juwelen und symbolischen Verweisen. Moreau lehrte an der École des Beaux-Arts in Paris und hatte enormen Einfluss auf die nächste Generation: Unter seinen Schülern befanden sich Henri Matisse und Georges Rouault.

Odilon Redon (1840–1916)

Odilon Redon bewegte sich zwischen Alptraum und Verzauberung. Seine frühen Kohlezeichnungen, die sogenannten Noirs, zeigen eine Welt voller unheimlicher Wesen: schwebendes Auge, grinsende Spinne, kopflose Gestalten. In seinem späteren Werk wandte sich Redon der Farbe zu und schuf Pastelle und Ölgemälde von betörender Leuchtkraft – Blumenarrangements, Schmetterlinge, mythische Figuren in irisierenden Farbwolken. Redon verstand seine Kunst als Brücke zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren und wurde damit zu einer Schlüsselfigur der Symbolismus Malerei.

Arnold Böcklin (1827–1901) und die Toteninsel

Der Schweizer Maler Arnold Böcklin schuf mit der Toteninsel (ab 1880, in fünf Fassungen) eines der berühmtesten Bilder des gesamten Symbolismus. Das Gemälde zeigt eine von dunklen Zypressen bewachsene Felseninsel, auf die ein kleines Boot mit einem weißgekleideten Passagier und einem Sarg zusteuert. Die Szene strahlt eine Stille aus, die an keinen bestimmten Ort und keine bestimmte Zeit gebunden ist – sie ist ein Bild für den Tod schlechthin, und zugleich für die Sehnsucht nach einem Jenseits. Die Toteninsel wurde so populär, dass Reproduktionen in unzähligen bürgerlichen Wohnzimmern hingen. Böcklins Werk steht exemplarisch für die Symbolismus Kunst im deutschsprachigen Raum.

Henri Rousseau (1844–1910)

Henri Rousseau nimmt im Symbolismus eine Sonderstellung ein. Der ehemalige Zollbeamte, als Autodidakt von der Kritik zunächst verlacht, schuf mit seiner „naiven Malerei“ Dschungellandschaften von unheimlicher Suggestivkraft. Gemälde wie Der Traum (1910) zeigen üppige tropische Vegetation, in der sich exotische Tiere und rätselhafte Gestalten verbergen. Obwohl Rousseau nie den Regenwald betreten hatte – seine Vorlagen fand er im Pariser Jardin des Plantes –, gelang es ihm, eine Traumwelt von fast halluzinatorischer Dichte zu erschaffen. Die Avantgarde, allen voran Picasso, erkannte in Rousseaus Werk eine Unmittelbarkeit, die der akademischen Malerei längst verloren gegangen war.

James Ensor (1860–1949)

Der belgische Maler James Ensor schuf mit seinen gespenstischen Maskenparaden und Skelettszenen einige der verstörendsten Werke des Symbolismus. Sein Hauptwerk Der Einzug Christi in Brüssel (1889) zeigt eine groteske Menschenmasse mit verzerrten Maskengesichtern, durch die eine kaum erkennbare Christusfigur zieht – eine Satire auf die bürgerliche Gesellschaft, die zugleich tief in die Abgründe des Menschlichen blickt. Ensors Bildwelt aus Masken, Totenschädeln und Karnevalsszenen machte ihn zu einem Vorläufer des Expressionismus.

Edvard Munch (1863–1944) und Der Schrei

Kein Werk verkörpert die Stimmung des Symbolismus eindringlicher als Edvard Munchs Der Schrei (1893). Das Bild zeigt eine gesichtslose Gestalt auf einer Brücke, die Hände an den Kopf gepresst, den Mund zu einem stummen Schrei geöffnet, während sich Himmel und Landschaft in blutrot-orangenen Wellen aufzulösen scheinen. Symbolismus Der Schrei wurde zum Sinnbild für die Angst und Ohnmacht einer ganzen Generation am Fin de Siècle – für das Gefühl, einer Welt ausgeliefert zu sein, die man nicht mehr versteht. Munchs psychologische Gemälde, geprägt von einer morbiden Endzeitstimmung, machten ihn zum Bindeglied zwischen Symbolismus und Expressionismus. Seine Werke – darunter Der Kuss, Pubertät und Madonna – kreisen beständig um die großen Themen Liebe, Angst, Einsamkeit und Tod.

Jugendstil – Schönheit als Programm

Während der Symbolismus in die Tiefen der Seele blickte, wandte sich der Jugendstil der Oberfläche zu – allerdings mit einer Radikalität, die weit über bloße Dekoration hinausging. Die Jugendstil Kunst entstand in den 1890er-Jahren als umfassende Erneuerungsbewegung, die Malerei, Grafik, Architektur, Kunsthandwerk und Design gleichermaßen erfasste. Ihr Ziel war nichts Geringeres als die ästhetische Durchdringung des gesamten Lebens.

Der Name „Jugendstil“ leitet sich von der Münchner Kunstzeitschrift Jugend ab, die ab 1896 erschien und mit ihren innovativen Illustrationen und Vignetten zum Sprachrohr der neuen Bewegung wurde. In Frankreich sprach man von Art Nouveau, in Österreich vom Sezessionsstil, in Großbritannien vom Modern Style, in Italien vom Stile Liberty. So unterschiedlich die nationalen Ausprägungen waren, teilten sie doch wesentliche Prinzipien: die organische, fließende Linie als Grundelement, die Verschmelzung von Kunst und Handwerk und die programmatische Ablehnung des Historismus, der die Architektur und das Kunstgewerbe des 19. Jahrhunderts beherrscht hatte.

Die Jugendstil Kunst Merkmale lassen sich prägnant zusammenfassen: Die Linie wird zum künstlerischen Hauptmittel – eine geschwungene, organisch fließende Linie, die an Pflanzenstengel, Wellen oder Frauenhaar erinnert. Flächigkeit tritt an die Stelle räumlicher Tiefe, Ornament und Figur verschmelzen zu einer Einheit. Die Jugendstil Malerei orientierte sich am Prinzip l’art pour l’art – Kunst um der Kunst willen – und stellte die Schönheit als höchsten Wert über jede inhaltliche Aussage. Anders als die düsteren Visionen des Symbolismus feierte der Jugendstil das Dekorative, das Elegante, das Sinnliche.

Ein häufig übersehener Aspekt ist die Verbindung von Jugendstil und Architektur. Der belgische Architekt Victor Horta entwarf Stadtpalais, deren tragende Strukturen sich in rankenförmigen Eisenkonstruktionen auflösten. In Paris gestaltete Hector Guimard die legendären Eingänge der Métro-Stationen mit ihren gusseisernen Pflanzenmotiven, die bis heute das Stadtbild prägen. In Wien gründeten Künstler um Gustav Klimt und den Architekten Joseph Maria Olbrich 1897 die Wiener Secession, die mit ihrem Ausstellungsgebäude ein Manifest der neuen Kunst schuf. Die Wiener Werkstätte, 1903 von Josef Hoffmann und Koloman Moser gegründet, setzte das Programm in die Praxis um: Von der Vase über das Besteck bis zum Tapetenmuster sollte jeder Gegenstand künstlerisch gestaltet sein.

Künstler und Werke des Jugendstil

Gustav Klimt (1862–1918) und Der Kuss

Gustav Klimt Jugendstil – diese Verbindung steht für den Höhepunkt der Wiener Sezession. Klimts Gemälde vereinen ornamentale Pracht mit erotischer Intensität. Sein berühmtestes Werk, Der Kuss (1907/08), zeigt ein umarmendes Paar auf einer Blumenwiese, eingehüllt in einen goldenen Mantel aus geometrischen und floralen Mustern. Die Bildoberfläche ist hochgradig ornamentalisiert: Goldblatt, spiralförmige Muster, rechteckige Felder und blumige Motive verschmelzen mit den Figuren zu einem Gesamtkunstwerk von überwältigender dekorativer Wirkung. Der Kuss ist das Inbild der Jugendstil Malerei und zugleich eines der bekanntesten Jugendstil Bilder überhaupt. Klimts „Goldene Phase“, zu der auch das Porträt der Adele Bloch-Bauer I (1907) gehört, schuf eine Bildsprache, die Malerei und Kunstgewerbe, Sinnlichkeit und Abstraktion auf einzigartige Weise verbindet.

Alfons Mucha (1860–1939)

Der tschechische Künstler Alfons Mucha wurde über Nacht berühmt, als er 1894 ein Theaterplakat für die Schauspielerin Sarah Bernhardt entwarf. Seine Plakatkunst – Frauenfiguren mit wallendem Haar, umgeben von floralen Ornamenten und geometrischen Rahmen in zarten Pastellfarben – wurde zum Inbegriff des Pariser Art Nouveau. Muchas Stil prägte Werbeplakate, Buchillustrationen und Innenausstattungen und erwies sich als eine der einflussreichsten Bildsprachen der Jugendstil Kunst. In seinem Spätwerk wandte sich Mucha monumentalen Historienthemen zu; sein Zyklus Das Slawische Epos (1910–1928) ist eines der ambitioniertesten Kunstprojekte des frühen 20. Jahrhunderts.

Antoni Gaudí (1852–1926)

Wie kein anderer Architekt verkörperte Antoni Gaudí die Idee des Jugendstil als Gesamtkunstwerk. Seine Bauten in Barcelona – die Casa Batlló, die Casa Milà und vor allem die bis heute unvollendete Basilika Sagrada Família – lösen die Grenze zwischen Architektur und Skulptur auf. Fassaden wellen sich wie lebende Organismen, Säulen verzweigen sich wie Bäume, Deckengewölbe erinnern an Muschelschalen. Gaudí übertrug die organischen Formen der Jugendstil Kunst in den dreidimensionalen Raum und schuf Bauwerke, die in ihrer Originalität bis heute unerreicht sind.

Fauvismus – Die Befreiung der Farbe

Im Herbst 1905 eröffnete in Paris der Salon d’Automne, eine der wichtigsten Kunstausstellungen des Jahres. In Saal VII hingen Gemälde einer Gruppe junger Maler um Henri Matisse, die beim Publikum und der Kritik einen Schock auslösten. Die Fauvismus Bilder zeigten Landschaften, Porträts und Szenen in grellen, unrealistischen Farben – grüne Gesichter, rote Bäume, violette Schatten. Der Kritiker Louis Vauxcelles, der im selben Saal eine Skulptur im Stil der Renaissance entdeckte, soll ausgerufen haben: „Donatello parmi les fauves!“ – „Donatello unter den wilden Tieren!“ Der Name blieb: Die Künstler wurden als Fauves bekannt, und der Fauvismus war geboren.

Was die Fauvismus Merkmale ausmacht, lässt sich am besten im Kontrast zu den vorangegangenen Strömungen verstehen. Die Impressionisten hatten die Farbe aus dem Atelier ins Freie getragen, doch sie blieb an die Beobachtung der Natur gebunden: Blau war der Himmel, Grün das Gras, Orange der Sonnenuntergang. Die Fauvisten sprengten diese letzte Fessel. Farbe und Form erhielten einen Eigenwert, der von der Nachahmung der Natur vollständig unabhängig war. Ein Baum konnte rot sein, ein Gesicht blau, ein Schatten gelb – nicht weil die Natur es so zeigte, sondern weil der Künstler es so empfand. Nicht der symbolische Gehalt, sondern die künstlerische Form selbst wurde zum Ausdruck. Der Fauvismus nahm die autonome Bildkomposition der Impressionisten auf und führte die Kunst damit endgültig in die Moderne.

Weitere Fauvismus Merkmale sind die skizzenhafte, spontan wirkende Pinselführung, der Verzicht auf Perspektive und Modellierung sowie die Betonung großer, leuchtender Farbflächen. Die Bilder des Fauvismus strahlen eine Energie und Unmittelbarkeit aus, die auf den Betrachter auch über hundert Jahre später noch überwältigend wirkt. Als geschlossene Gruppe existierte der Fauvismus nur rund zwei Jahre – bereits 1907 hatten sich die meisten Künstler anderen Wegen zugewandt. Doch in dieser kurzen Zeitspanne setzten sie einen Impuls, der die gesamte Malerei des 20. Jahrhunderts veränderte.

Die wichtigsten Fauvisten

Henri Matisse (1869–1954)

Henri Matisse Fauvismus – diese Verbindung steht für den Auftakt einer der großartigsten Künstlerkarrieren des 20. Jahrhunderts. Matisse war die treibende Kraft der Bewegung und blieb ihr konsequentester Vertreter. Sein Gemälde Frau mit Hut (Femme au chapeau, 1905), im Salon d’Automne ausgestellt, provozierte das Publikum durch seine grünen und violetten Fleischtöne. Doch Matisse verstand die Farbe nicht als Provokation, sondern als autonomes Ausdrucksmittel. „Wenn ich Grün auftrage, ist das kein Gras; wenn ich Blau auftrage, ist das kein Himmel“, erklärte er.

Matisse' Kompositionen leuchtender Farbfelder – etwa Die Freude des Lebens (Le bonheur de vivre, 1905/06) oder Der Tanz (La Danse, 1910) – vereinen rhythmische Bewegung, dekorative Fülle und eine Heiterkeit, die in der Kunstgeschichte ihresgleichen sucht. In seinem Spätwerk, als eine schwere Erkrankung ihm das Malen erschwerte, entwickelte Matisse seine legendären Gouaches découpées – die Scherenschnitte. Mit Schere und farbigem Papier schuf er Kompositionen von atemberaubender Einfachheit und Kraft, darunter die monumentalen Werke für die Kapelle von Vence und das Buch Jazz (1947). Matisse nannte die Technik „Malen mit der Schere“ – und bewies damit, dass der Impuls des Fauvismus, die Farbe als eigenständige Kraft zu begreifen, bis an sein Lebensende nachwirkte.

André Derain (1880–1954)

André Derain war neben Matisse die zentrale Figur des frühen Fauvismus. Im Sommer 1905 malten die beiden gemeinsam im südfranzösischen Collioure – eine Phase intensiven künstlerischen Austauschs, die als Geburtsstunde der Bewegung gilt. Derains Fauvismus Bilder aus dieser Zeit, vor allem seine Londoner Ansichten (1906), zeigen die Themsebrücken und den Big Ben in explosiven Farben: das Wasser in Gelb und Violett, der Himmel in Rot und Orange. Derain verband die reine Farbigkeit des Fauvismus mit einer durchdachteren kompositorischen Struktur und schuf so eine Brücke zwischen der expressiven Farbe und der geometrischen Strenge, die in Cézannes Werk angelegt war.

Maurice de Vlaminck (1876–1958)

Vlaminck war der Wildeste unter den „Wilden“. Der Autodidakt, der sich rühmte, nie einen Fuß in den Louvre gesetzt zu haben, malte mit einer Vehemenz, die selbst seine Mitstreiter gelegentlich befremdet haben soll. Seine Landschaften – brennend rote Dörfer unter tiefblauen Himmeln, Straßen in peitschenartigen Pinselstrichen – sind Ausdruck einer Malerei, die auf unmittelbaren Ausdruck zielt. Vlaminck bewunderte Vincent van Gogh über alles und übertrug dessen emotionale Pinselführung in die Farbsprache des Fauvismus.

Amedeo Modigliani (1884–1920)

Amedeo Modigliani steht am Rand des Fauvismus, teilt aber mit der Bewegung die Überzeugung, dass künstlerische Form Vorrang vor naturgetreuer Wiedergabe hat. Seine Porträts und weiblichen Akte – mit ihren verlängerten Hälsen, mandelförmigen Augen und geneigten Köpfen – sind von einer inneren Harmonie bestimmt, die sich allein aus der Bildkomposition ergibt. Modigliani stilisierte den menschlichen Körper zu einer beinahe archaischen Schönheit und schuf so ein Werk, das trotz seiner scheinbaren Einfachheit zu den ergreifendsten Leistungen der Malerei im frühen 20. Jahrhundert zählt.

Vom Fauvismus zum Expressionismus

Die Wirkung des Fauvismus reichte weit über Frankreich hinaus. In Deutschland nahmen die Künstler der Brücke – Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff – die Impulse der Fauves auf und radikalisierten sie. Wo Matisse noch Harmonie und Lebensfreude suchte, setzten die deutschen Expressionisten auf dissonante Farben und verzerrte Formen, um gesellschaftliche und seelische Konflikte auszudrücken. Der Fauvismus war so gesehen die französische Variante jener Farbrevolution, die in Deutschland als Expressionismus Gestalt annahm. Beide Bewegungen einte die Überzeugung, dass die Farbe nicht die Wirklichkeit abbilden, sondern eine eigene Wirklichkeit schaffen sollte.

Fazit: Drei Brücken in die Moderne

Symbolismus, Jugendstil und Fauvismus – drei Strömungen, die innerhalb weniger Jahrzehnte aufeinanderfolgten und die Kunst auf drei grundverschiedenen Wegen aus dem 19. in das 20. Jahrhundert führten. Der Symbolismus öffnete die Malerei für das Unbewusste, für Traum, Angst und seelische Tiefe – eine Dimension, die im Surrealismus ihre konsequente Fortsetzung fand. Der Jugendstil brach mit der Trennung von hoher Kunst und angewandtem Handwerk und erhob die Schönheit der Form zum universellen Prinzip – ein Gedanke, der im Bauhaus und in der modernen Designkultur fortlebt. Der Fauvismus schließlich befreite die Farbe endgültig von der Nachahmung der Natur und öffnete damit die Tür zur abstrakten Kunst.

Was diese drei Bewegungen verbindet, ist die Überzeugung, dass die Kunst mehr sein muss als die Wiedergabe des Sichtbaren. Ob in Munchs Schrei, in Klimts goldenem Ornament oder in Matisse' leuchtenden Farbfeldern – stets geht es um die Suche nach einem Ausdruck, der über die bloße Beobachtung hinausreicht. In einer Zeit, in der die Fotografie die naturgetreue Abbildung übernommen hatte und die Industrialisierung die Lebenswelt umwälzte, fanden Symbolisten, Jugendstilkünstler und Fauvisten je eigene Antworten auf die Frage, was die Malerei noch leisten konnte. Ihre Antworten haben die Kunst des 20. Jahrhunderts geprägt – und sie faszinieren bis heute.

Weiterführende Literatur

  • Michael Gibson: Symbolismus. Taschen, Köln 1999 (umfassende Einführung mit zahlreichen Abbildungen).
  • Hans H. Hofstätter: Jugendstil – Druckkunst. Holle Verlag, Baden-Baden 1968 (Standardwerk zur Grafik des Jugendstil).
  • Klaus Berger: Japonismus in der westlichen Malerei, 1860–1920. Prestel, München 1980.
  • John Elderfield: The „Wild Beasts“: Fauvism and Its Affinities. Museum of Modern Art, New York 1976.
  • Werner Hofmann: Das irdische Paradies. Motive und Ideen des 19. Jahrhunderts. Prestel, München 1991.
  • Reinhold Heller: Munch – sein Leben und sein Werk. Prestel, München 1993.

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