Was ist Impressionismus?
Der Impressionismus zählt zu den einflussreichsten Kunstströmungen der europäischen Geschichte. Er entstand in den 1860er-Jahren in Frankreich und veränderte die Malerei von Grund auf. Statt idealisierter Historienbilder oder minutiös ausgeführter Atelierstücke stellten die Impressionisten das flüchtige Spiel von Licht und Farbe in den Mittelpunkt ihrer Kunst. Der Augenblick – die momentane Impression – wurde zum eigentlichen Gegenstand des Bildes.
Was den Impressionismus als Epoche so revolutionär macht, ist seine radikale Abkehr von der akademischen Tradition. Die Künstler verließen ihre Ateliers, malten unter freiem Himmel (plein air) und fingen die Atmosphäre eines bestimmten Augenblicks ein: das Flirren der Mittagshitze über einer Seine-Landschaft, den Dunst über einem Hafen im Morgengrauen, das Schillern des Lichts auf einem Seerosenteich. Nicht die Dinge an sich interessierten die Impressionisten, sondern die Art und Weise, wie das menschliche Auge sie unter wechselnden Lichtbedingungen wahrnimmt. Damit begründeten sie ein völlig neues Verständnis von Wahrnehmungspsychologie in der bildenden Kunst.
Die Epoche des Impressionismus wird in der Kunstgeschichte gewöhnlich auf den Zeitraum von etwa 1860 bis 1910 datiert, wobei die Kernphase der Bewegung in die 1870er- und 1880er-Jahre fällt. In diesen beiden Jahrzehnten schufen die Impressionisten jene Bilder und Gemälde, die heute zu den bekanntesten und meistgeschätzten Werken der gesamten Kunstgeschichte gehören.
Wie entstand der Impressionismus?
Die Geschichte des Impressionismus beginnt mit einer Ablehnung. Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmte der Salon de Paris – die jährliche Kunstausstellung der Académie des Beaux-Arts – nahezu allein, welche Kunst in Frankreich als wertvoll galt. Die Jury des Salons bevorzugte Historienmalerei, mythologische Szenen und sorgfältig geglättete Oberflächen. Künstler, deren Werke nicht den akademischen Konventionen entsprachen, wurden regelmäßig abgewiesen. Diese Zurückweisung traf eine wachsende Gruppe junger Maler, die sich in den Cafés des Pariser Viertels Batignolles trafen und über neue Wege der Malerei diskutierten.
Bereits 1863 hatte Kaiser Napoleon III. den Salon des Refusés eingerichtet, eine Parallelausstellung für abgelehnte Werke. Dort sorgte Édouard Manets „Le Déjeuner sur l’herbe“ für einen handfesten Skandal: Eine nackte Frau inmitten bekleideter Männer in einer Alltagsszene – das empfand das Publikum als Provokation. Manet wurde zwar später oft als Wegbereiter des Impressionismus bezeichnet, lehnte das Etikett für sich selbst jedoch zeitlebens ab. Dennoch war sein freier Umgang mit Farbe und seine Missachtung akademischer Regeln eine entscheidende Inspiration für die jüngere Generation.
Der entscheidende Moment in der Geschichte des Impressionismus kam am 15. April 1874. An diesem Tag eröffnete im ehemaligen Atelier des Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines die erste gemeinsame Ausstellung einer Gruppe, die sich Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs et graveurs nannte. Unter den dreißig teilnehmenden Künstlern befanden sich Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas, Camille Pissarro, Alfred Sisley und Berthe Morisot – Namen, die heute untrennbar mit dem Impressionismus verbunden sind.
Die Reaktion der Kritiker fiel vernichtend aus. Der Journalist Louis Leroy griff in seiner spöttischen Rezension für die Zeitschrift Le Charivari den Titel eines Gemäldes von Claude Monet auf: „Impression, soleil levant“ – Impression, Aufgehende Sonne. Leroy schrieb, selbst eine Tapete im Rohzustand sei fertiger als dieses Marinebild. Er verwendete das Wort „Impressionisten“ als Schimpfwort. Doch die Künstler machten die Bezeichnung zu ihrem Markenzeichen. Zwischen 1874 und 1886 folgten sieben weitere Gruppenausstellungen, in denen die impressionistische Kunst allmählich an öffentlicher Anerkennung gewann.
Welche Künstler prägten den Impressionismus?
Die Impressionisten waren keine homogene Schule, sondern eine lose Gemeinschaft von Malern, die bestimmte ästhetische Überzeugungen teilten, sich in Stil und Motivwahl aber durchaus unterschieden. Einige der wichtigsten Künstler verdienen eine nähere Betrachtung.
Claude Monet (1840–1926)
Monet gilt als der konsequenteste Vertreter des Impressionismus. Sein gesamtes Schaffen kreiste um die Frage, wie Licht die sichtbare Welt formt und verwandelt. Er malte dasselbe Motiv – die Kathedrale von Rouen, Heuhaufen auf einem Feld, Seerosen in seinem Garten in Giverny – zu verschiedenen Tageszeiten und Jahreszeiten, um die Veränderungen der Lichtstimmung festzuhalten. Seine späten Nymphéas (Seerosen), monumentale Gemälde von nahezu abstrakter Qualität, gelten als Bindeglied zwischen dem Impressionismus und der abstrakten Malerei des 20. Jahrhunderts.
Pierre-Auguste Renoir (1841–1919)
Renoir brachte eine sinnliche Wärme in die impressionistische Kunst ein. Während Monet vorwiegend Landschaften bevorzugte, interessierte sich Renoir vor allem für das gesellschaftliche Leben: tanzende Paare, fröhliche Gesellschaften, badende Frauen. Sein „Bal du Moulin de la Galette“ (1876) – eine Szene aus einem beliebten Pariser Tanzlokal – verbindet impressionistisches Lichtspiel mit einer Lebensfreude, die das Bild zu einem der berühmtesten Impressionismus-Gemälde überhaupt macht.
Edgar Degas (1834–1917)
Degas nahm innerhalb der Bewegung eine Sonderstellung ein. Er teilte mit den übrigen Impressionisten das Interesse am modernen Leben, malte jedoch bevorzugt Innenräume: Ballettproben, Pferderennen, Wäscherinnen bei der Arbeit. Degas legte größeren Wert auf Zeichnung und Komposition als die meisten seiner Kollegen und experimentierte intensiv mit ungewohnten Blickwinkeln und asymmetrischen Bildausschnitten, die an die Fotografie erinnern. Seine Pastellarbeiten mit Tänzerinnen zählen zu den ikonischen Bildern des Impressionismus.
Camille Pissarro (1830–1903)
Pissarro war der älteste der Gruppe und fungierte als eine Art Vaterfigur der Bewegung. Er war der einzige Künstler, der an allen acht Impressionisten-Ausstellungen teilnahm. Pissarro malte vorwiegend ländliche Szenen – Bauern bei der Arbeit, Obstgärten, Dorfstraßen – und später auch Stadtansichten von Paris und Rouen. Seine Offenheit für neue Entwicklungen führte ihn zeitweise sogar zum Pointillismus, bevor er zu einem freieren Stil zurückkehrte. Als Lehrer und Mentor hatte er erheblichen Einfluss auf jüngere Künstler, darunter Paul Cézanne und Paul Gauguin.
Berthe Morisot (1841–1895)
Morisot war die bedeutendste Malerin des Impressionismus und gehörte von Anfang an zum engsten Kreis der Bewegung. Sie nahm an sieben der acht Gruppenausstellungen teil. Ihre Gemälde – häusliche Szenen, Frauen in Gärten, Mütter mit Kindern – zeichnen sich durch eine außergewöhnlich lockere, fast skizzenhafte Pinselführung aus. Morisot war mit Édouard Manets Bruder Eugène verheiratet und bewegte sich selbstverständlich in der Pariser Kunstszene, obwohl die Gesellschaft Frauen als Malerinnen kaum ernst nahm.
Alfred Sisley (1839–1899)
Sisley, geboren in Paris als Sohn englischer Eltern, widmete sich nahezu ausschließlich der Landschaftsmalerei. Seine Darstellungen der Flüsse Seine und Loing, verschneiter Dörfer und wolkenreicher Himmel gehören zu den poetischsten Werken des Impressionismus. Er blieb zeitlebens dem impressionistischen Stil treu und erlebte, anders als Monet oder Renoir, keinen kommerziellen Durchbruch zu Lebzeiten.
Édouard Manet (1832–1883)
Manets Verhältnis zum Impressionismus war ambivalent. Er gilt als Wegbereiter der Bewegung, weigerte sich aber, an den Gruppenausstellungen teilzunehmen, und strebte stattdessen nach Anerkennung im offiziellen Salon. Gleichwohl beeinflusste sein mutiger Umgang mit Farbe, sein Verzicht auf akademische Modellierung und seine Hinwendung zu Alltagsszenen die Impressionisten zutiefst. Sein Spätwerk, etwa die Barszene „Un bar aux Folies Bergère“, zeigt deutlich impressionistische Züge.
Was kennzeichnet die impressionistische Maltechnik?
Die impressionistische Maltechnik brach radikal mit den Konventionen der akademischen Malerei. Die Änderungen betrafen nahezu jeden Aspekt des künstlerischen Prozesses – vom Malort über die Farbwahl bis zum Pinselstrich.
Plein-air-Malerei
Die wohl augenscheinlichste Neuerung war die konsequente Freilichtmalerei. Die Impressionisten verließen das Atelier und stellten ihre Staffeleien an Flussufern, in Parks und auf belebten Boulevards auf. Erst die Erfindung der Tube aus Zinnblech in den 1840er-Jahren hatte diese Arbeitsweise praktisch ermöglicht, da Farben nun transportabel waren. Die Arbeit im Freien zwang die Maler, schneller zu arbeiten, denn das Licht veränderte sich rasch – und gerade diese Geschwindigkeit prägte den charakteristischen Stil dieser Kunstbewegung.
Gebrochener Pinselstrich
Statt die Farbe glättend zu vermalen, trugen die Impressionisten sie in sichtbaren, kurzen Pinselstrichen auf – sogenannten touches. Nebeneinandergesetzte Farbflecken in Komplementärfarben verschmolzen erst im Auge des Betrachters zu einer Gesamtwirkung. Dieses Prinzip der optischen Mischung beruhte auf den Erkenntnissen der zeitgenössischen Farbtheorie, insbesondere auf Michel Eugène Chevreuls Werk über den Simultankontrast komplementärer Farben.
Der Eigenwert der Farbe
In der akademischen Malerei war die Farbe der Zeichnung untergeordnet. Im Impressionismus verhält es sich umgekehrt: Die Farbe selbst wird zum primären Ausdrucksmittel. Der Eigenwert der Farbe – ihre Fähigkeit, unabhängig vom dargestellten Gegenstand Stimmung und Licht zu transportieren – wurde zur zentralen ästhetischen Kategorie. Schatten waren nicht länger braünlich oder schwarz, sondern erschienen in Blau, Violett oder Grün. Diese Entdeckung, dass Schatten farbig sind, war eine der revolutionärsten Einsichten der impressionistischen Malerei.
Komplementärfarben und Licht
Die Impressionisten nutzten die Wirkung komplementärer Farbpaare – Blau und Orange, Rot und Grün, Gelb und Violett – um Leuchtkraft und Vibration in ihren Bildern zu erzeugen. Indem sie diese Farben unvermischt nebeneinandersetzten, schufen sie ein Flimmern, das dem natürlichen Licht auf erstaunliche Weise nahekommt. Die Palette wurde heller, die düsteren Erd- und Bitumentöne der Akademiemalerei wichen reinen, leuchtenden Farben.
Der flüchtige Augenblick
Das zentrale Anliegen der impressionistischen Kunst war das Einfangen des Augenblicks – der impression. Die Maler suchten nicht das Überzeitliche, sondern das Flüchtige: den Dampf eines Zuges, das Glitzern des Wassers, den Schatten einer Wolke auf einer Wiese. Diese Haltung bedeutete auch einen bewussten Verzicht auf erzählerische oder moralische Inhalte. Das Bild sollte nichts „bedeuten“ – es sollte ein visuelles Erlebnis sein. Diese Hinwendung zur reinen Wahrnehmung macht den Impressionismus zu einer Schlüsselepoche auf dem Weg zur modernen Kunst.
Welche Werke sind besonders bedeutend?
Einige Impressionismus-Bilder haben sich so tief in das kulturelle Gedächtnis eingegraben, dass sie weit über die Kunstwelt hinaus bekannt sind. Die folgenden Gemälde stehen stellvertretend für die Vielfalt und den Reichtum der Epoche.
„Impression, soleil levant“ – Claude Monet (1872)
Dieses Bild, das den Hafen von Le Havre im Morgennebel zeigt, gab der gesamten Bewegung ihren Namen. Die Szene ist in Blau- und Grautöne getaucht, durch die sich die glutrote Sonne als leuchtender Akzent brennt. Konturen lösen sich im Dunst auf, die Schiffe sind kaum mehr als Andeutungen. Es ist weniger ein Hafenbild als die Darstellung eines Wahrnehmungsmoments – und genau darin liegt seine Bedeutung für die Geschichte des Impressionismus.
„Le Déjeuner sur l’herbe“ – Édouard Manet (1863)
Manets Frühstück im Grünen zählt zu den Schlüsselwerken auf dem Weg zum Impressionismus. Die Darstellung einer nackten Frau neben vollständig bekleideten Männern in einer zeitgenössischen Parklandschaft verstörte das Publikum zutiefst. Nicht die Nacktheit an sich war anstößig – sie war in mythologischen Szenen durchaus üblich –, sondern ihre Verlagerung in den alltäglichen Kontext. Manet durchbrach damit eine fundamentale Grenze der akademischen Kunst.
„Bal du Moulin de la Galette“ – Pierre-Auguste Renoir (1876)
Renoirs Meisterwerk zeigt ein Freiluft-Tanzfest auf dem Montmartre. Das Sonnenlicht fällt durch Blätter und zeichnet bewegte Licht- und Schattenmuster auf die Tanzenden. Die Szene vibriert vor Lebensfreude und Bewegung. Das großformatige Gemälde vereint alles, was die impressionistische Malerei auszeichnet: Licht, Farbe, Bewegung und die Feier des modernen Lebens. Es hängt heute im Musée d’Orsay in Paris.
„La Grenouillère“ – Monet und Renoir (1869)
Im Sommer 1869 malten Monet und Renoir Seite an Seite am beliebten Badeort La Grenouillère an der Seine. Beide stellten dasselbe Motiv dar – das auf dem Wasser schaukelnde Restaurant, die Badenden, das Spiel der Reflexionen –, doch jeder in seinem eigenen Stil. Diese gemeinsame Arbeit gilt als Geburtsstunde der impressionistischen Technik. Hier erprobten die beiden Maler erstmals systematisch den aufgelösten Pinselstrich und die helle Farbpalette, die diese Kunstrichtung prägen sollten.
„Les Nymphéas“ – Claude Monet (1897–1926)
Monets Seerosen-Zyklus ist das vielleicht eindrücklichste Spätwerk des Impressionismus. Über fast drei Jahrzehnte malte Monet den Seerosenteich in seinem Garten in Giverny – immer wieder, in allen Jahreszeiten und Lichtstimmungen. Die späten, großformatigen Tafeln, die heute in der Orangerie in Paris ausgestellt sind, lösen Gegenstand und Raum nahezu vollständig auf. Sie stehen an der Schwelle zur Abstraktion und hatten enormen Einfluss auf den Abstrakten Expressionismus des 20. Jahrhunderts.
Was kam nach dem Impressionismus?
Ab den späten 1880er-Jahren empfanden mehrere Künstler die impressionistische Methode als zu begrenzt. Sie übernahmen die farbige Palette und die Offenheit der Epoche, suchten aber nach größerer Struktur, tieferem Ausdruck oder symbolischer Bedeutung. Die Kunstgeschichte fasst diese Strömungen unter dem Begriff Post-Impressionismus zusammen – ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Positionen, die die Bewegung fortführten und zugleich überwanden.
Paul Cézanne (1839–1906)
Cézanne, der an der ersten Impressionisten-Ausstellung von 1874 teilgenommen hatte, wandte sich zunehmend von der flüchtigen Impression ab. Er wollte, wie er selbst sagte, „aus dem Impressionismus etwas Solides und Dauerhaftes machen, wie die Kunst der Museen“. Seine Gemälde – Stillleben, Landschaften der Provence, Badende – zerlegten die sichtbare Welt in geometrische Grundformen: Zylinder, Kugel, Kegel. Damit ebnete er den Weg für den Kubismus und wurde zum Wegbereiter der gesamten modernen Kunst. Picasso nannte ihn „den Vater von uns allen“.
Georges Seurat (1859–1891) und der Pointillismus
Seurat trieb das impressionistische Prinzip der optischen Farbmischung auf die Spitze. In seinem Pointillismus (auch Neoimpressionismus oder Divisionismus genannt) setzte er winzige Farbpunkte systematisch nebeneinander, streng nach den Gesetzen der Farbtheorie. Sein Hauptwerk „Un dimanche après-midi à l’Île de la Grande Jatte“ (1886) zeigt Pariser Sonntagsausflügler am Ufer der Seine – in einer Technik, die wissenschaftliche Präzision mit monumentaler Ruhe verbindet. Pissarro folgte dem Pointillismus für einige Jahre, kehrte aber schließlich zu einer freieren Malweise zurück.
Vincent van Gogh (1853–1890)
Van Gogh kam 1886 nach Paris und nahm dort die helle Farbpalette der Impressionisten auf. Doch er wollte mehr als die bloße Wiedergabe des Sichtbaren: Seine Kunst sollte innere Zustände ausdrücken – Freude, Verzweiflung, Einsamkeit. Er entwickelte eine unverwechselbare pastöse Technik: dicht gesetzte, wirbelnde Pinselstriche, die der Leinwand eine fast plastische Oberfläche verleihen. Werke wie „Sternennacht“ oder „Weizenfeld mit Krähen“ gehören zu den ausdrucksstärksten Gemälden der abendländischen Kunst. Van Gogh wurde zum Vorläufer des Expressionismus.
Paul Gauguin (1848–1903)
Gauguin, anfangs Schüler Pissarros, brach ebenfalls mit der Bewegung und suchte nach einer Kunst jenseits der europäischen Zivilisation. Seine Reisen nach Tahiti ab 1891 inspirierten Bilder von überwältigender Farbkraft: große, flächig aufgetragene Farbfelder in kräftigen, oft unrealistischen Tönen. Gauguin war davon überzeugt, dass die Farbe eine eigenständige symbolische Bedeutung besitzt und nicht an die Nachahmung der Natur gebunden sein muss. Sein Ansatz beeinflusste den Fauvismus und später die gesamte expressionistische Bewegung.
Die Wirkung des Impressionismus auf die Moderne
Die Bedeutung des Impressionismus für die moderne Kunst lässt sich kaum überschätzen. Mit der Befreiung der Farbe vom Gegenstand, der Aufwertung des subjektiven Eindrucks gegenüber der objektiven Darstellung und der Akzeptanz des Unfertigen als künstlerisches Prinzip legten die Impressionisten das Fundament für nahezu alle Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts: vom Fauvismus und Expressionismus über den Kubismus bis zum Abstrakten Expressionismus. Diese Epoche war nicht einfach eine Stilrichtung unter vielen – sie war der Beginn der modernen Malerei.
Heute hängen impressionistische Gemälde in allen großen Museen der Welt, und die Ausstellungen der Impressionisten ziehen Millionen von Besuchern an. Was 1874 als Rebellion einer Handvoll abgelehnter Maler begann, wurde zur vielleicht folgenreichsten künstlerischen Revolution seit der Renaissance. Die impressionistische Kunst lehrt uns, die Welt mit offenen Augen zu betrachten – und in der Flüchtigkeit des Augenblicks die Schönheit zu erkennen.
Weiterführende Literatur
- John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. DuMont, Köln 2001 (Standardwerk zur Epoche).
- Ingo F. Walther (Hrsg.): Impressionismus. Taschen, Köln 2002 (umfassender Bildüberblick).
- Karin Sagner-Düchting: Monet und die Impressionisten. Prestel, München 2003.
- Gottfried Boehm: „Das Auge und die Hand. Zur Wahrnehmung im Impressionismus“. In: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, Band 38, 1993.
- Belinda Thomson: Post-Impressionismus. Hatje Cantz, Ostfildern 1999.
