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Romantik – Gefühl, Sehnsucht und das Erhabene in der Kunst

Kunstepochen

Es gibt Epochen in der Kunstgeschichte, die sich nicht aus Theorien herleiten, sondern aus einem tiefen Unbehagen an der Welt, wie sie ist. Die Romantik war eine solche Epoche. Nach der Französischen Revolution, nach dem Zusammenbruch alter Ordnungen und dem Scheitern der großen Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit suchte eine ganze Generation von Künstlern nach einem neuen Ausdruck für das, was die Vernunft allein nicht fassen konnte: das Gefühl, die Sehnsucht, das Geheimnisvolle und das Erhabene. Die Romantik Kunst entstand zwischen 1800 und 1850 als eine der wirkungsmächtigsten Strömungen der europäischen Kulturgeschichte – und ihre Bilder haben bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Romantik – Gefühl, Sehnsucht und das Erhabene in der Kunst

Auf einen Blick

Epoche: ca. 1790–1850
Zentren: Deutschland, Frankreich, England
Wichtige Künstler: Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix, William Turner, Théodore Géricault, Philipp Otto Runge, Karl Friedrich Schinkel
Schlüsselwerke: Der Wanderer über dem Nebelmeer (Friedrich), Die Freiheit führt das Volk (Delacroix), Das Floß der Medusa (Géricault), Gotischer Dom am Wasser (Schinkel)
Kerngedanke: Die Aufwertung von Gefühl, Fantasie und Individualität gegenüber der Vernunft und dem Regelwerk der Akademien

Was ist Romantik in der Kunst?

Die Frage „Was ist Romantik in der Kunst?“ lässt sich nicht mit einer einfachen Definition beantworten, denn die Kunstepoche war von Anfang an vielgestaltig. Im Kern steht eine grundlegende Verschiebung: Wo die Aufklärung und der Klassizismus Vernunft, Ordnung und das antike Ideal in den Mittelpunkt gerückt hatten, stellte die romantische Kunst nun das subjektive Empfinden und die Einbildungskraft dagegen. Das Gefühl wurde zum Maßstab der Wahrheit, die Natur zum Spiegel der Seele, die Geschichte zum Sehnsuchtsraum.

Die Französische Revolution von 1789 hatte die europäischen Verhältnisse erschüttert. Auf sie folgten rasche soziale Umbrüche, Kriege, Restauration und erneute Revolutionen. Die großen Erwartungen an Freiheit und Gleichheit blieben weitgehend unerfüllt – doch der Wert des Individuums war nun im Bewusstsein der Menschen verankert. Die Kunst der Romantik war die künstlerische Antwort auf diese Lage: ein Aufbegehren des Einzelnen gegen die Zumutungen einer Welt, die zugleich offen und zutiefst verunsichert erschien.

Merkmale der romantischen Kunst

Die Romantik Kunst Merkmale lassen sich in mehreren zentralen Motiven und Gestaltungsprinzipien zusammenfassen. Sie bilden das Grundgerüst einer Epoche, die in Deutschland, Frankreich und England sehr unterschiedliche Ausprägungen fand, aber stets von verwandten Grundsätzen getragen war.

Ein erstes Merkmal ist die Aufwertung des Gefühls. Die romantischen Künstler verstanden das subjektive Empfinden nicht als Schwäche, sondern als unmittelbaren Zugang zur Wahrheit. Wo die akademische Malerei die Beherrschung der Form verlangte, forderte die romantische Malerei den Ausdruck der inneren Bewegung. Das Bild sollte nicht bloß darstellen – es sollte bewegen.

Ein zweites Merkmal ist die Sehnsucht – im Deutschen ein beinahe unübersetzbares Wort, das zum Leitmotiv der gesamten Epoche wurde. Die Sehnsucht richtete sich auf ferne Länder, vergangene Zeiten, die unberührte Natur oder ein Jenseits, das in den Bildern als geheimnisvoll leuchtender Horizont erscheint. Die Romantik Malerei kennt keine zufriedene Ankunft, nur die ewige Suche.

Ein drittes Merkmal ist das Erhabene (the Sublime). Der britische Philosoph Edmund Burke hatte bereits 1757 in seiner Schrift A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful das Erhabene vom bloß Schönen unterschieden: Das Erhabene ist das, was Staunen, Ehrfurcht und sogar Schrecken auslöst – das tobende Meer, der unermessliche Sternenhimmel, die drohende Felswand. Die Romantik Kunstepoche machte dieses Konzept zum zentralen Bildthema.

Weitere Merkmale der Romantik in der Kunst sind die Verherrlichung des Mittelalters als Sehnsuchtsepoche, die Entdeckung des Volksmärchens und der Sage, das Motiv der Ruine als Zeichen der Vergänglichkeit sowie die Darstellung der Nacht, des Traums und des Unbewussten. All diese Motive verbindet ein gemeinsamer Grundzug: der Wunsch, die Grenzen des Rationalen zu überschreiten und eine tiefere, verborgene Wirklichkeit sichtbar zu machen.

Deutsche Romantik: Caspar David Friedrich und die Sehnsucht nach der Natur

Die deutsche Romantik Kunst entwickelte sich ab etwa 1800 als Gegenbewegung zum vernunftbetonten Klassizismus. Junge Künstler zogen sich aus den Akademien zurück und suchten in der Natur, in der Geschichte und im eigenen Inneren nach neuen Bildern. Die Landschaftsmalerei wurde dabei zur bevorzugten Gattung – denn die Natur erschien als Raum ohne Grenzen, als Spiegel der menschlichen Seele und als Ort einer Erfahrung, die über das Messbare hinauswies.

Caspar David Friedrich (1774–1840)

Caspar David Friedrich ist der bedeutendste Maler der deutschen Romantik und einer der einflussreichsten Landschaftsmaler der europäischen Kunstgeschichte. Geboren in Greifswald an der Ostsee, studierte er an der Kopenhagener Akademie, bevor er sich in Dresden niederließ. Friedrichs Gemälde zeigen keine lieblichen Idyllen, sondern metaphorische Landschaften von stiller, oft bedrängender Größe: einsame Bäume vor weitem Himmel, nebelverhangene Gebirge, Schiffe im Eismeer, Ruinen gotischer Kirchen im Dämmerlicht.

Sein berühmtestes Werk ist Der Wanderer über dem Nebelmeer (um 1818), das zur Ikone der gesamten Romantik geworden ist. Es zeigt eine männliche Rückenfigur auf einem Felsvorsprung, die auf ein endloses Meer aus Nebel und Bergspitzen blickt. Der Betrachter sieht nicht das Gesicht des Wanderers – er sieht, was der Wanderer sieht, und wird so selbst in die Erfahrung des Erhabenen hineingezogen. Friedrich setzte die Rückenfigur immer wieder als Kompositionsmittel ein, um den Betrachter zum Teilhaber seiner Bildvisionen zu machen.

Ein weiteres Schlüsselwerk ist Der einsame Baum (1822), in dem eine mächtige, knorrige Eiche inmitten einer weiten Ebene steht – ein Bild von ergreifender Einsamkeit und zugleich stiller Stärke. Friedrich verstand seine Landschaften nicht als Naturbeschreibungen, sondern als Seelenbilder. „Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht“, lautete sein berühmtes Credo. In Werken wie Das Eismeer (1823/24), das ein im Packeis zerdrücktes Schiff zeigt, verdichtete er die Romantik Malerei zu Bildern von existenzieller Wucht.

Karl Friedrich Schinkel und der Gotischer Dom am Wasser

Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), heute vor allem als Architekt des preußischen Klassizismus bekannt, schuf in seiner Frühphase eine Reihe aufsehenerregender romantischer Gemälde. Sein Gotischer Dom am Wasser (1813/14) zeigt eine mächtige gotische Kathedrale, die sich im Abendlicht über einer Flusslandschaft erhebt – eine Architekturvision von geradezu überirdischer Pracht. Das Mittelalter erscheint hier nicht als historische Epoche, sondern als verlorenes Ideal einer Welt, in der Glaube, Natur und menschliches Schaffen noch in Harmonie standen. Schinkels romantische Malerei verband architektonische Präzision mit visionärer Kraft und steht exemplarisch für die Sehnsucht der Romantik nach einer idealisierten Vergangenheit.

Biedermeier: Carl Spitzweg und der Rückzug ins Private

Die Zeit zwischen 1815 und 1848, die Epoche der Restauration, brachte eine eigentümliche Spielart der Romantik in der Kunst hervor: das Biedermeier. Nach den Napoleonischen Kriegen wurde in den deutschen Staaten jede emanzipatorische Bewegung unterdrückt. Ohne Möglichkeit zur politischen Teilhabe zogen sich viele Bürger ins Private zurück – und mit ihnen die Kunst. Statt erhabener Landschaften malte das Biedermeier gemütliche Innenräume, idyllische Gärten und beschauliche Kleinstadtszenen.

Carl Spitzweg (1808–1885) wurde zum bekanntesten Vertreter dieser Strömung. Sein berühmtestes Gemälde, Der arme Poet (1839), zeigt einen Dichter in einer ärmlichen Dachkammer, der unter einem aufgespannten Regenschirm im Bett liegt und an einem Versmaß knabbert. Das Bild ist liebevoll-ironisch, fast karikaturhaft – und doch steckt in ihm die ganze Ambivalenz der Epoche: die Sehnsucht nach dem einfachen Leben und die stille Resignation derer, die von der Welt draußen nichts mehr erwarten.

Die Nazarener und Philipp Otto Runge

Die Nazarener in Rom

Eine eigentümliche Erscheinung der deutschen Romantik Malerei war die Gruppe der Nazarener. 1809 gründeten Friedrich Overbeck und Franz Pforr in Wien den Lukasbund, eine Bruderschaft zur Erneuerung der Kunst aus dem Geist des Christentums. 1810 zogen sie nach Rom und bezogen ein leerstehendes Kloster auf dem Monte Pincio. Ihre klosterartige Lebensweise brachte ihnen den Spottnamen „Nazarener“ ein. Sie orientierten sich an der italienischen Malerei vor Raffael und strebten nach Einfachheit, Linienklarheit und religiöser Innerlichkeit. Obwohl ihr unmittelbarer Einfluss begrenzt blieb, nahmen sie in vielem die späteren Präraffaeliten in England vorweg.

Philipp Otto Runge (1777–1810)

Neben Friedrich war Philipp Otto Runge der bedeutendste Maler der deutschen Frühromantik, obwohl sein früher Tod mit nur 33 Jahren sein Oeuvre schmal hielt. Runges ehrgeizigstes Projekt war ein vierteiliger Bilderzyklus Die Zeiten (Morgen, Mittag, Abend, Nacht), in dem er die Natur als kosmisches Ganzes darstellen wollte. Nur Der Morgen wurde als großes Ölgemälde vollendet. Runge entwickelte zudem eine eigene Farbenlehre (Farbenkugel, 1810), die später Maler wie Paul Klee inspirierte.

Französische Romantik: Delacroix und Géricault

Die französische Romantik unterschied sich von der deutschen in wesentlichen Punkten. Während die deutsche Romantik Kunst zum stillen Naturerlebnis und zur religiösen Innerlichkeit neigte, war die französische Romantik Kunst von Anfang an dramatischer, leidenschaftlicher und politischer. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in Frankreich nach dem Sturz Napoleons ähnelten denen in Deutschland: Auf die Revolution folgte die Restauration, die Republik wurde erneut zur Monarchie. Doch die französischen Künstler reagierten nicht mit Rückzug, sondern mit Aufbegehren. Ihre bevorzugten Themen waren wilde Abenteuer, exotische Länder, heroische Kämpfe und das Leiden des Einzelnen an einer unmenschlichen Welt.

Théodore Géricault (1791–1824)

Géricault gilt als Begründer der Romantik in Frankreich. Sein Hauptwerk, Das Floß der Medusa (Le Radeau de la Méduse, 1819), gehört zu den erschütterndsten Gemälden der europäischen Kunstgeschichte. Es zeigt die Überlebenden des Schiffbruchs der Fregatte Méduse (1816), bei dem über hundert Passagiere auf einem Floß ausgesetzt wurden. Nach dreizehn Tagen auf dem Meer wurden nur fünfzehn von ihnen gerettet.

Géricault studierte Leichen in der Pariser Morgue und konstruierte ein Modell des Floßes, bevor er das über fünf Meter hohe Gemälde malte. Die Komposition ist von dynamischer Kraft: Eine Pyramide aus Körpern strebt nach oben, wo ein Schiffbrüchiger verzweifelt sein Hemd dem fernen Horizont entgegenschwingt. Das Bild ist zugleich politische Anklage – der Schiffbruch galt als Folge der Inkompetenz des royalistischen Kapitäns – und universelle Darstellung menschlichen Leidens.

Eugène Delacroix (1798–1863)

Delacroix wurde zum bedeutendsten Maler der französischen Romantik und zu einem der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Sein Werk verbindet leidenschaftliche Expressivität mit malerischer Raffinesse – Reflexe von Bewegung, das Spiel von Farbe und Schatten, die Dynamik des Körpers in Extremsituationen.

Sein berühmtestes Gemälde, Die Freiheit führt das Volk (La Liberté guidant le peuple, 1830), entstand unmittelbar nach der Julirevolution und ist eines der bekanntesten Romantik Bilder überhaupt. Es zeigt eine allegorische Frauengestalt mit Trikolore und Bajonett, die eine Gruppe bewaffneter Aufständischer über Barrikaden und Gefallene hinweg anführt. Das Bild verbindet allegorische Tradition mit realistischer Darstellung – die Freiheitsfigur ist zugleich Göttin und Straßenkämpferin – und wurde so zum Sinnbild revolutionärer Erhebung schlechthin.

Delacroix war zudem ein unermüdlicher Kolorist. Er experimentierte mit Komplementärfarben und optischer Mischung, lange bevor die Impressionisten diese Techniken systematisch einsetzten. Eine Reise nach Marokko im Jahr 1832 veränderte seine Palette nachhaltig: Das nordafrikanische Licht, die leuchtenden Stoffe, die fremden Gebäude und Gesichter inspirierten ihn zu einer Reihe von Gemälden und Aquarellen, die in ihrer Farbintensität alles Bisherige übertrafen. Seine Skizzenbücher aus Marokko – mit hastigen Notizen, Farbangaben und Zeichnungen gefüllt – gehören zu den aufschlussreichsten künstlerischen Dokumenten der Romantik Kunstepoche. Delacroix' Kolorismus wies weit über die Romantik hinaus und beeinflusste die Impressionisten, namentlich Renoir und Cézanne, die ihn als Vorbild verehrten.

Englische Romantik: William Turner und das Erhabene

Die englische romantische Kunst entwickelte eine eigenständige Tradition, die sich vor allem in der Landschaftsmalerei entfaltete. William Turner (1775–1851) war ihr überragender Vertreter und zugleich einer der radikalsten Erneuerer der europäischen Malerei.

Turners frühe Werke zeigen dramatische Landschaften und Seestücke in der Tradition der holländischen Meister. Doch im Laufe seines langen Schaffens löste er die Gegenstände immer weiter auf, bis seine späten Gemälde beinahe abstrakte Licht- und Farbexplosionen zeigen. In Werken wie Schnee-Sturm – Dampfschiff vor einer Hafeneinfahrt (1842) oder Regen, Dampf und Geschwindigkeit (1844) verschmelzen Meer, Himmel, Dampf und Licht zu einem einzigen Farbereignis. Die gegenständliche Welt verschwindet im Strudel der Elemente.

Turners Kunst ist die konsequenteste Umsetzung des Erhabenen in der Romantik Malerei. Seine Bilder zeigen den Menschen als winzige Gestalt im Angesicht überwältigender Naturkräfte – und erzeugen genau jene Mischung aus Faszination und Schrecken, die Edmund Burke als Kern des Erhabenen beschrieben hatte. Zugleich nahm Turner mit seiner Auflösung der Form Entwicklungen vorweg, die erst ein halbes Jahrhundert später bei den Impressionisten und schließlich in der abstrakten Malerei des 20. Jahrhunderts zum Durchbruch kommen sollten.

Die Präraffaeliten als späte Romantiker

1848 gründeten Dante Gabriel Rossetti, John Everett Millais und William Holman Hunt die Präraffaelitische Bruderschaft. Ähnlich wie die deutschen Nazarener suchten sie Inspiration in der Kunst vor Raffael und wandten sich gegen den akademischen Betrieb. Ihre Bilder zeichnen sich durch intensive Farben, akribische Detailgenauigkeit und literarische Sujets aus – Szenen aus mittelalterlichen Legenden, Shakespeare und der Bibel, gemalt mit einer Leuchtkraft und Innigkeit, die sie als späte Erben der romantischen Kunst ausweist.

Romantische Literatur und Malerei

Die Romantik war niemals nur eine Bewegung der bildenden Kunst. Sie erfasste gleichermaßen Literatur, Musik und Philosophie. Kein anderes Zeitalter hat die Verbindung von Dichtung und Malerei so intensiv gelebt.

Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1772–1801) formulierte in seinem Romanfragment Heinrich von Ofterdingen das Bild der „blauen Blume“, das zum Inbegriff der romantischen Sehnsucht wurde – ein Symbol für das Unerreichbare, das Unendliche, das sich ewig Entziehende. Dieses Motiv findet seine Entsprechung in Friedrichs Horizonten, die nie erreichbar sind, in Turners Lichtzentren, die sich im Nebel auflösen, und in Delacroix' fernen Ländern, die nur in der Imagination existieren.

E. T. A. Hoffmann (1776–1822) schuf in Erzählungen wie Der Sandmann und Der goldene Topf eine Welt, in der Alltag und Wunderbares ununterscheidbar ineinandergreifen. Hoffmanns Gestalten – Doppelgänger, beseelte Automaten, wahnsinnige Künstler – bewohnen dieselbe unheimliche Zwischenwelt, die auch die Nachtstücke der romantischen Maler bevölkert. Die Grenzen zwischen den Künsten waren durchlässig: Runge korrespondierte mit Tieck, Friedrich stand in Kontakt mit den Dresdner Dichterkreisen, und Delacroix ließ sich von Byron und Walter Scott inspirieren.

Von der Romantik zum Realismus

Die Romantik Kunstepoche endete nicht mit einem scharfen Bruch, sondern ging allmählich in neue Strömungen über. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 wandten sich immer mehr Künstler der nüchternen Beobachtung der sozialen Wirklichkeit zu. Realismus und Naturalismus lösten die Romantik als führende Kunstströmungen ab.

Gustave Courbet formulierte das Programm der neuen Bewegung: „Ich kann keinen Engel malen, weil ich nie einen gesehen habe.“ Wo die Romantik das Unsichtbare sichtbar machen wollte, beschränkte sich der Realismus auf das Sichtbare. Doch die Grenze war fließend: Courbets frühe Landschaften tragen noch romantische Züge. Die Präraffaeliten stehen mit einem Fuß in der Romantik und mit dem anderen in der Moderne. Und Turner, dessen Spätwerk die gegenständliche Malerei beinahe hinter sich ließ, wies über Impressionismus und Realismus hinaus direkt in die Abstraktion des 20. Jahrhunderts. Die Kunst in der Romantik endete nicht – sie verwandelte sich.

Fazit

Die Romantik war weit mehr als eine Episode der Kunstgeschichte. Sie war eine umfassende Kulturrevolution, die das Verständnis von Kunst, Natur und menschlicher Empfindung grundlegend veränderte. Die Romantik Kunst stellte das Gefühl über die Vernunft, das Individuelle über das Allgemeine und die Sehnsucht über die Erfüllung. Ihre Künstler – Caspar David Friedrich in Deutschland, Delacroix und Géricault in Frankreich, William Turner in England – schufen Bilder von einer emotionalen Tiefe und visionären Kraft, die bis heute nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben.

Wenn Sie vor Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer stehen oder Delacroix' Freiheit führt das Volk betrachten, spüren Sie, was die Romantik in der Kunst im Innersten antrieb: die Überzeugung, dass es in der Welt mehr gibt, als die Vernunft erfassen kann – und dass es die Aufgabe der Kunst ist, diesem Mehr eine sichtbare Gestalt zu verleihen.

Weiterführende Literatur

  • Werner Hofmann: Das irdische Paradies. Motive und Ideen des 19. Jahrhunderts. Prestel, München 1991.
  • Norbert Wolf: Caspar David Friedrich. Der Maler der Stille. Taschen, Köln 2003.
  • Sébastien Allard / Côme Fabre: Delacroix. Hazan, Paris 2018.
  • Andrew Wilton: Turner and the Sublime. British Museum Press, London 1980.
  • Rüdiger Safranski: Romantik. Eine deutsche Affäre. Hanser, München 2007.
  • William Vaughan: Romantik. Kunst, Architektur, Literatur. DuMont, Köln 1994.

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