Wer heute eine Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in die Hand nimmt, begegnet ihr auf den ersten Blick: der Frakturschrift. In kraftvollen gebrochenen Lettern prangt der Name der Zeitung auf der Titelseite – ein täglicher Gruß aus einer Epoche, in der diese Schriftart das gesamte deutsche Schriftwesen beherrschte. Doch was verbirgt sich hinter den markanten Buchstaben mit ihren gebrochenen Bögen und verzierten Majuskeln? Die Geschichte der Frakturschrift ist weit mehr als eine typographische Fußnote. Sie ist eine Kulturgeschichte Deutschlands, die von der Erfindung des Buchdrucks über den Streit um nationale Identität bis hin zur ideologischen Vereinnahmung durch das NS-Regime reicht. Es ist die Geschichte einer Schrift, die über fünf Jahrhunderte das Gesicht deutscher Texte prägte – und die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat.
Was ist Frakturschrift?
Frakturschrift ist eine Schriftart aus der Familie der gebrochenen Schriften (Fraktur Schrift im weiteren Sinne), die sich durch ihre charakteristischen geknickten oder „gebrochenen“ Striche auszeichnet. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort fractus ab, das „gebrochen“ bedeutet. Während die runden Formen der Antiqua-Schriften auf die humanistische Schreibtradition Italiens zurückgehen, bewahrt die Frakturschrift das Erbe der gotischen Buchschriften des späten Mittelalters, bei denen die runden Bogenformen in eckige, gebrochene Striche überführt wurden.
Optisch unterscheidet sich die Frakturschrift von anderen gebrochenen Schriften – etwa der Textura, der Rotunda oder der Schwabacher – durch mehrere Merkmale. Die Großbuchstaben der Fraktur sind oft reich verziert: Geschwungene Elefantenrüssel, ornamentale Schleifen und filigrane Haarstriche verleihen ihnen eine dekorative Pracht, die in der Druckgeschichte ihresgleichen sucht. Die Kleinbuchstaben zeigen die typischen gebrochenen Bögen, bei denen runde Formen an bestimmten Stellen einen scharfen Knick aufweisen. Besonders auffällig ist das lange s (ß), das dem f täuschend ähnelt und modernen Lesern regelmäßig Schwierigkeiten bereitet.
Im Kontext der Typographie gehört die Frakturschrift zur Gruppe der gebrochenen Schriften, die im Deutschen auch als „gotische Schriften“ bezeichnet werden – ein Sammelbegriff, der im Englischen als blackletter geläufig ist. Die Fraktur ist dabei die jüngste und zugleich eleganteste Vertreterin dieser Schriftfamilie. Was die Schriftart Fraktur von ihren Vorgängerinnen abhebt, ist die Verbindung von gotischer Strenge mit einer fast barocken Schwungkraft, die insbesondere in den Versalien zum Ausdruck kommt.
Wie entstand die Frakturschrift?
Die Wurzeln der Frakturschrift liegen im Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit. Als Johannes Gutenberg um 1450 den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand, orientierte er sich an der Textura – jener strengen gotischen Buchschrift, die in den Skriptorien der Klöster und Universitäten gebräuchlich war. Seine berühmte 42-zeilige Bibel, das erste gedruckte Buch Europas, wurde in einer Textura-Type gesetzt. In den Jahrzehnten nach Gutenberg experimentierten Drucker im gesamten deutschsprachigen Raum mit verschiedenen Schriftformen. Die Schwabacher Schrift, eine weichere, rundere Variante der gebrochenen Schriften, setzte sich um 1480 als bevorzugte Druckschrift in Deutschland durch.
Die eigentliche Frakturschrift entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts unter kaiserlicher Patronage. Kaiser Maximilian I., ein Mann von ausgepägtem ästhetischem Ehrgeiz, plante eine Reihe prächtiger Buchprojekte, die seinen Ruhm für die Nachwelt sichern sollten. Das wichtigste dieser Projekte war der Theuerdank – ein allegorisches Ritterepos, das die Brautfahrt Maximilians zu Maria von Burgund verherrlichte und 1517 in Nürnberg im Druck erschien. Für dieses Werk ließ Maximilian eine völlig neue Druckschrift entwickeln, die Elemente der Schwabacher mit einer neuartigen Eleganz und Zierde verband.
An der Gestaltung dieser neuen Schrift waren zwei bedeutende Künstler beteiligt. Vinzenz Rockner, der kaiserliche Sekretär, entwarf die kalligraphische Vorlage, und der Nürnberger Drucker Johann Schönsperger der Ältere schnitt die Lettern. Auch Albrecht Dürer, der größte deutsche Künstler der Renaissance, hatte Anteil an der Entwicklung: In seinem theoretischen Werk Underweysung der Messung (1525) widmete er der Konstruktion von Fraktur-Buchstaben ein eigenes Kapitel und entwarf eine geometrisch fundierte Frakturschrift, die den künstlerischen Anspruch dieser neuen Schriftart eindrucksvoll unterstrich.
Die Frakturschrift des Theuerdank schlug ein wie ein Blitz. Ihre Verbindung von Würde und Schönheit, von gotischer Tradition und renaissancehafter Formstrenge, machte sie rasch zur bevorzugten Schriftart im deutschen Buchdruck. Bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte die Fraktur die Schwabacher als vorherrschende Druckschrift im deutschsprachigen Raum weitgehend verdrängt. Die Schwabacher überlebte fortan vor allem als Auszeichnungsschrift – vergleichbar der Kursive in der Antiqua.
Warum wurde Fraktur zur deutschen Schrift?
Dass die Frakturschrift zu der deutschen Schrift wurde, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis historischer Entwicklungen, die tief in die Kulturgeschichte Europas hineinreichen. Während sich in Italien, Frankreich und Spanien schon im 15. und 16. Jahrhundert die Antiqua-Schriften durchsetzten – gestützt auf die Wiederentdeckung antiker Handschriften durch die Humanisten –, hielt der deutschsprachige Raum an den gebrochenen Schriften fest. Diese Zweiteilung Europas in eine „Antiqua-Zone“ im Westen und Süden und eine „Fraktur-Zone“ im Norden und Osten wurde zu einem prägenden Merkmal der europäischen Schriftkultur.
Martin Luther trug wesentlich dazu bei, die deutsche Frakturschrift als Standardschrift des deutschsprachigen Raumes zu festigen. Seine Übersetzung des Neuen Testaments (1522) und der vollständigen Bibel (1534) wurde in Fraktur gedruckt – und weil Luthers Bibel zum meistgelesenen Buch im deutschen Sprachraum wurde, prägte sie nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch das Schriftbild ganzer Generationen. Fraktur wurde zur Schrift der Reformation, zur Schrift der deutschen Sprache selbst.
Dabei entwickelte sich in Deutschland ein bemerkenswerte Praxis der Schriftmischung. In vielen Druckwerken des 16. bis 19. Jahrhunderts wurde der deutsche Text in Frakturschrift gesetzt, während fremdsprachige Wörter – lateinische Zitate, französische Begriffe, wissenschaftliche Termini – in Antiqua erschienen. Diese Konvention machte die Schriftwahl zu einem sprachlichen Signal: Fraktur stand für das Deutsche, Antiqua für das Fremde, das Internationale, das Gelehrte. Die Frakturschrift wurde so zum visuellen Marker nationaler Zugehörigkeit – ein Zusammenhang, der im 19. Jahrhundert explosive politische Kraft entfalten sollte.
Auch im Bildungswesen war die Frakturschrift allgegenwärtig. In deutschen Schulen lernten Kinder bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zwei Schriften: die Kurrentschrift (die handschriftliche Entsprechung der Fraktur) und die lateinische Schreibschrift. Wer im 19. Jahrhundert einen deutschen Brief schrieb, tat dies in Kurrent; wer ein französisches Wort einstreute, wechselte in die lateinische Schrift. Die Beherrschung beider Systeme gehörte zur Grundbildung.
Wie verlief der Antiqua-Fraktur-Streit?
Die Frage, ob Deutschland bei der Frakturschrift bleiben oder zur international gebräuchlichen Antiqua übergehen solle, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer erbitterten kulturpolitischen Auseinandersetzung, die als Antiqua-Fraktur-Streit in die Geschichte eingegangen ist. Was auf den ersten Blick als rein typographische Debatte erscheinen mag, berührte in Wahrheit grundlegende Fragen der nationalen Identität, der kulturellen Offenheit und der Modernisierung.
Die Befürworter der Fraktur argumentierten, die gebrochene Schrift sei ein Ausdruck des deutschen Wesens, ein Kulturgut, das es zu bewahren gelte. Sie verwiesen auf die Jahrhunderte alte Tradition und behaupteten, die Frakturschrift sei für das Lesen deutscher Texte physiologisch besser geeignet als die Antiqua – ein Argument, das wissenschaftlich nie belegt werden konnte. Für sie war der Abschied von der Fraktur gleichbedeutend mit kultureller Selbstaufgabe.
Die Gegenseite – unter ihnen namhafte Wissenschaftler, Verleger und Schriftsteller – plädierte für den Übergang zur Antiqua. Ihre Argumente waren pragmatischer Natur: Die Fraktur erschwere den internationalen Austausch, sei für ausländische Leser unzugänglich und hemme die Verbreitung deutscher Literatur und Wissenschaft im Ausland. Jacob Grimm, der große Sprachwissenschaftler und Mitbegründer der Germanistik, gehörte zu den frühen Befürwortern der Antiqua und setzte sie in seinen eigenen Veröffentlichungen konsequent ein.
Der Streit erreichte seinen Höhepunkt im Deutschen Kaiserreich. Im Jahr 1911 debattierte der Reichstag über die Schriftfrage – ein Vorgang, der das Gewicht der Debatte erahnen lässt. Der Antrag, die Antiqua zur amtlichen Schrift zu erheben, wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt. Otto von Bismarck hatte sich bereits 1886 dagegen ausgesprochen, Bücher in Antiqua zu lesen: „Deutsche Bücher in lateinischen Lettern lese ich nicht“, soll er erklärt haben – ein Bonmot, das die emotionale Aufladung der Debatte treffend illustriert.
In der Praxis vollzog sich der Wandel gleichwohl schleichend. Naturwissenschaftliche und technische Verlage gingen zunehmend zur Antiqua über, um den internationalen Leserkreis zu erreichen. Literarische und historische Werke hingegen erschienen häufig weiterhin in Fraktur. So bestand ein Nebeneinander beider Schriften, das sich durch das gesamte Kaiserreich und die Weimarer Republik zog – bis eine politische Entscheidung den Streit auf unerwartete Weise beendete.
Welche Rolle spielte Fraktur im Nationalsozialismus?
Das Verhältnis der Nationalsozialisten zur Frakturschrift war von Widersprüchen geprägt, die bezeichnend für die ideologische Inkohärenz des Regimes sind. In den ersten Jahren nach der Machtübernahme 1933 wurde die Fraktur offiziell als „deutsche Schrift“ gefördert. Sie passte zum völkischen Programm der Nationalsozialisten, die alles „Undeutsche“ auszumerzen trachteten. Die Frakturschrift erschien auf Propagandaplakaten, in Parteipublikationen und auf offiziellen Dokumenten. An den Schulen wurde die Kurrentschrift, die handschriftliche Schwester der Fraktur, als „deutsche Normalschrift“ gelehrt.
Doch innerhalb der NSDAP gab es von Beginn an auch Gegenstimmen. Joseph Goebbels, der Propagandaminister, bevorzugte die Antiqua, die er für moderner und wirkungsvoller hielt. Adolf Hitler selbst äußerte sich bereits in den 1930er Jahren abfällig über die Fraktur, die er als rückständig empfand. Der interne Machtkampf zwischen Fraktur-Befürwortern und Antiqua-Anhängern schwelte jahrelang, bis er am 3. Januar 1941 durch einen Erlass Martin Bormanns, des Leiters der Parteikanzlei, abrupt entschieden wurde.
Dieser sogenannte Normalschrifterlass ordnete die Abschaffung der Frakturschrift an – ausgerechnet durch jenes Regime, das sie zuvor als Inbegriff des Deutschen verherrlicht hatte. Die Begründung war ebenso perfide wie absurd: Die Schwabacher Schrift – und mit ihr implizit die gesamte Fraktur – wurde als „Schwabacher Judenlettern“ diffamiert. Die Behauptung, die gebrochenen Schriften seien jüdischen Ursprungs, entbehrte jeder historischen Grundlage. Sie diente lediglich als Vorwand für eine Entscheidung, die längst aus anderen Motiven gefallen war.
Die wahren Gründe für den Normalschrifterlass waren pragmatischer Natur. Im Jahr 1941 hatte das Deutsche Reich weite Teile Europas besetzt. Die Verwaltung dieser Gebiete erforderte Drucksachen, die von der Bevölkerung gelesen werden konnten – und die Frakturschrift war außerhalb des deutschsprachigen Raumes praktisch unbekannt. Zudem war der Satz in Fraktur aufwendiger und teurer als in Antiqua. Die völkische Rhetorik wurde kurzerhand über Bord geworfen, sobald sie den machtpolitischen Interessen im Wege stand.
Der Normalschrifterlass von 1941 besiegelte das Ende der Frakturschrift als allgemeine Gebrauchsschrift in Deutschland. Nach dem Krieg kehrte niemand zur Fraktur zurück. Die Schrift, die über Jahrhunderte den deutschen Alltag geprägt hatte, war innerhalb weniger Jahre aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Für die nachfolgenden Generationen wurde sie zu einem Relikt – bewundert, aber kaum noch lesbar.
Wo begegnet uns Frakturschrift heute?
Obwohl die Frakturschrift seit 1941 keine allgemeine Gebrauchsschrift mehr ist, ist sie keineswegs verschwunden. Im Gegenteil: In bestimmten Bereichen hat sie sich mit bemerkenswerter Zähigkeit behauptet. Das prominenteste Beispiel ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), deren Zeitungskopf bis heute in Fraktur gesetzt ist. Das Stichwort „FAZ Fraktur“ führt zum vielleicht bekanntesten Anwendungsfall der gebrochenen Schrift in der Gegenwart: Der Schriftzug der FAZ ist zum Markenzeichen geworden, das Seriosität, Tradition und journalistische Autorität signalisiert. Auch andere Zeitungen, darunter die Allgemeine Zeitung in Mainz, verwenden Frakturelemente in ihren Titelköpfen.
Darüber hinaus begegnet die Frakturschrift überall dort, wo Tradition, Handwerk und Heimatverbundenheit visuell inszeniert werden sollen. Brauereien verwenden Frakturschrift auf ihren Etiketten – deutsche, österreichische und tschechische Biermarken greifen seit jeher auf gebrochene Schriften zurück, um Brautradition und Handwerkskunst zu signalisieren. Weinetiketten, Gasthausschilder, Straßennamen in Altstädten und Urkunden bedienen sich ebenfalls der Fraktur. In der Welt der Gastronomie gilt die gebrochene Schrift als Chiffre für Gemütlichkeit und Bodenständigkeit.
In der zeitgenössischen Typographie erlebt die Fraktur Schrift ein stilles Comeback. Grafikdesigner und Schriftentwerfer haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche digitale Frakturschriften entwickelt, die das historische Formenrepertoire in moderne Gestaltungskontexte übertragen. Dabei reicht das Spektrum von historisch getreuen Revivals – etwa digitalen Neuschnitten der Theuerdank-Fraktur – bis hin zu experimentellen Neuinterpretationen, die Frakturelemente mit zeitgenössischen Designprinzipien verbinden. Die Schriftart Fraktur ist zu einem Spielfeld kreativer Typographie geworden.
Eine besondere Rolle spielt die Frakturschrift in der Populärkultur: In der Musikszene – insbesondere im Heavy Metal und in Teilen der Gothickultur – dienen Frakturlettern als ästhetisches Statement. Auch in der internationalen Tattoo-Kunst gehört die Frakturschrift zu den beliebtesten Schriftarten, weil ihre dekorative Kraft und ihr historisches Pathos auf der Haut besonders eindrucksvoll zur Geltung kommen.
Für die deutsche Kulturgeschichte hat die Frakturschrift eine Bedeutung, die über das Typographische weit hinausreicht. Sie ist ein Schlüssel zur Erschließung historischer Quellen: Wer in Archiven arbeitet, kommt an der Fraktur nicht vorbei. Millionen von Büchern, Zeitungen, Urkunden und Briefen aus fünf Jahrhunderten sind in gebrochenen Schriften verfasst. Das Lesen alter Frakturschrift ist daher eine Kulturtechnik, die in der Geschichtswissenschaft, der Genealogie und der Archivarbeit unverzichtbar bleibt. Kurse und Anleitungen zum Lesen der deutschen Frakturschrift erfreuen sich anhaltender Beliebtheit – ein Zeichen dafür, dass das Interesse an dieser Schrift lebendig geblieben ist.
Ein sprachliches Erbe der Fraktur begegnet uns täglich, ohne dass wir es bemerken: das ß (Eszett). Dieser Buchstabe, der nur im Deutschen vorkommt, entstand als Ligatur – also als Verschmelzung zweier Buchstaben – in der Frakturschrift. Die Forschung diskutiert, ob es sich um eine Verbindung des langen s (ß) mit dem z oder des langen s mit einem runden s handelt; in beiden Fällen ist das Eszett ein Kind der gebrochenen Schriften. Dass dieser Buchstabe die Abschaffung der Fraktur überdauert hat und bis heute fester Bestandteil der deutschen Rechtschreibung ist, gehört zu den schönsten Pointe der deutschen Schriftgeschichte.
Die Schwierigkeit, Frakturschrift zu lesen, ist für moderne Leser real. Die ungewohnten Buchstabenformen – das lange s, das dem f gleicht; das k, das aussieht wie ein t mit Oberschleife; die kaum unterscheidbaren Versalien B, V und S – erfordern Übung und Geduld. Hinzu kommt, dass viele Frakturdrucke des 16. bis 18. Jahrhunderts zahlreiche Abbreviaturen und Ligaturen verwenden, die das Entschlüsseln zusätzlich erschweren. Wer sich jedoch die Mühe macht, die Frakturschrift zu erlernen, wird belohnt: Er gewinnt Zugang zu einem unermesslichen Schatz deutschsprachiger Kultur, der ohne die Fähigkeit, gebrochene Schriften zu lesen, verschlossen bliebe.
Ob als Markenzeichen auf einem Zeitungskopf, als dekoratives Element auf einem Bieretikett oder als Forschungsgegenstand in der Typographiegeschichte – die Frakturschrift hat ihren Platz in der Gegenwart behauptet. Sie erinnert uns daran, dass Schrift niemals nur ein technisches Mittel zur Übermittlung von Information ist. Schrift ist Kultur, ist Identität, ist Geschichte. Und die Geschichte der Frakturschrift ist, bei allen dunklen Kapiteln, die sie enthält, letztlich eine Geschichte der Schönheit des geschriebenen Wortes.
Weiterführende Literatur
Darstellungen und Einführungen
- A. Kapr: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Mainz 1993.
- H. P. Willberg: Fraktur & Antiqua. Geschichte einer typographischen Kontroverse. In: Gutenberg-Jahrbuch 1998, S. 28–45.
- F. Bain / P. Shaw (Hg.): Blackletter. Type and National Identity. New York 1998.
- S. Hartmann: Fraktur oder Antiqua. Der Schriftstreit von 1881 bis 1941. (Theorie und Vermittlung der Sprache 28). Frankfurt a. M. u. a. 1998.
Zur Geschichte der Typographie
- A. Dürer: Underweysung der Messung mit dem Zirckel und Richtscheyt. Nürnberg 1525. (Nachdruck: Nördlingen 1983).
- H. Brekle: Die Antiqua-Fraktur-Debatte um 1800 und ihre historische Herleitung. (Beiträge zur Geschichte der Sprachwissenschaft 2). Münster 1999.
- F. Muzika: Die schöne Schrift in der Entwicklung des lateinischen Alphabets. 2 Bde. Hanau 1965.
- A. Lenz: Gebrochene Schriften. Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. In: Bibliothek und Wissenschaft 35 (2002), S. 1–38.
